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Meerbusch
Bos legt sich mit Peta an
Meerbusch. Die Tierrechtsorganisation Peta erwirkt Einstweilige Verfügung gegen den Büdericher Delikatessenexperten Ralf Bos. Ausgangspunkt des Konflikts sind Meinungsverschiedenheiten zur Gänsestopfleber. Von Norbert Stirken

Der Meerbuscher Delikatessenexperte und Großhändler Ralf Bos hat sich mit der Tierrechtsorganisation Peta angelegt und gestern vor dem Amtsgericht Neuss eine Schlappe hinnehmen müssen. Demnach darf der als Trüffel-Papst bekannte Feinschmecker und Buchautor ab sofort nicht mehr behaupten, dass es sich bei Peta um "eine menschen- und tierverachtende Sekte" handelt, die aus "reiner Profitgier" sein Unternehmen Bos Food aus dem Geschäft drängen will. Bei Zuwiderhandlung droht Bos ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro oder sechs Monate Haft. Bei wiederholten Verstößen wäre sogar eine Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren möglich.

Peta hatte Strafanzeige wegen Verleumdung, Beleidigung und übler Nachrede erstattet und jetzt eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Ausgangspunkt des Konflikts war die schriftliche Anfrage eines Meerbuschers, warum Bos Stopfleber in seinem Sortiment anbiete, und ob er nicht wisse, das die Herstellung in Deutschland und anderen Ländern verboten sei, weil sie gegen das Tierschutzgesetz verstoße.

Das Antwortschreiben von Bos mit den entsprechenden Aussagen leitete der Meerbuscher an die Verantwortlichen von Peta Deutschland weiter, die daraufhin juristische Schritte unternahmen.

"Ich bin einem Agent Provocateur aufgesessen", sagte Bos gestern im RP-Gespräch. Bei der rechtlichen Auseinandersetzung habe er "mal sehen wollen, was dabei herauskommt". Er habe die ganze Sache "nicht ernst genommen". Wenn er die umstrittenen Passagen nicht mehr sagen dürfe, dann sage er sie eben nicht mehr, kündigte Bos an. Gleichwohl habe er keine gute Meinung von Peta.

Die Fronten sind verhärtet. In einer Pressemitteilung erklärt Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater der Tierrechtsorganisation: "Ich habe viele Verfahren mit extrem harten Gegnern aus den Tierausbeutungsbranchen ausgefochten, aber so eine Hetze des Anwalts (von Bos, die Redaktion), der die Vorzüge der in Deutschland und vielen Ländern verbotenen Stopfleberproduktion gegenüber dem Gericht ausbreitete, habe ich selten erlebt."

Der Konflikt scheint noch nicht beigelegt, denn Peta kündigt "weitere Enthüllungen über Bos Food im Rahmen dieser völlig irrealen Auseinandersetzung" an.

Das gestrige Urteil des Amtsgerichts Neuss, dessen schriftliche Ausfertigung erst in einigen Tagen den Prozessparteien zugehen wird, ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: RP
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