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Meerbusch
Bücherei wird zum Medienhaus

Meerbusch: Bücherei wird zum Medienhaus
Das nachts beleuchtete Gebäude der Bibliothek in Büderich. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Knapp 400.000 Ausleihen, fast 124.000 Besucher bei einem Bestand von etwa 80.000 Medien: Das sind die Eckdaten des Jahresberichts der Stadtbücherei. Die Bibliothek entwickelt sich immer mehr zu einem Kommunikations-Treffpunkt Von Anke Kronemeyer

Ein praktisches Beispiel aus einer Meerbuscher Küche spiegelt die Situation der Stadtbibliothek wider: Steht jemand am Herd und es fehlt ihm ein bestimmtes Rezept, rennt er heutzutage nicht schnell in die Bücherei und leiht sich dort ein Kochbuch aus, sondern klickt ein Koch-Video bei YouTube an. "Und darauf müssen wir uns einstellen", sagt Hildegard Bodden-Omar, Leiterin der Städtischen Bibliothek mit Sitz am Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich.

Zwar stehen Bücher und ihre Ausleihe im Mittelpunkt der Arbeit von Bodden-Omar und ihren zehn Kollegen, aber es geht in der Bibliothek immer weniger um die gezielte Ausleihe von Romanen, Krimis oder Reiseführern als vielmehr um Kommunikation, "Onleihe", Vorlesestunden, Information, Ausstellungen, Vorträge oder Lesungen - so wird die Bücherei immer mehr zu einem "Medienhaus". Darum sind die Zahlen im Jahresbericht, den Bodden-Omar in der Sitzung des Kulturausschusses (16. November, 17 Uhr, Sitzungssaal Dr.-Franz-Schütz-Platz) vorstellen wird, nicht mehr ganz so rosig wie 2014.

Hildegard Bodden-Omar leitet die Stadtbücherei. Sie stellt nächste Woche den Bericht für das Jahr 2015 vor. FOTO: Dackweiler Ulli

Im vergangenen Jahr kamen 123.862 Besucher (2014: 126.524), die sich 397.393 Mal (2014: 428.145) etwas ausliehen. Sie hatten die Auswahl unter 78.087 Medien - dazu gehören Bücher ebenso wie E-Books, E-Videos oder E-Paper. Die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. "Es müssen Wege gefunden werden, die digitale Nutzung sichtbar zu machen, denn die Bibliothek ist auch hier als Anlaufstelle bei der Informationsbeschaffung gefragt", so die Leiterin. Das bedarf einiger technischer Voraussetzungen, um Arbeitsabläufe und Kundenservice zu verbessern, die im Moment noch nicht zu 100 Prozent erfüllt sind, aber für die nächsten Jahre anstehen. Dazu gehören Selbstverbuchungsautomaten, die für 2017 geplant sind. Sie erlauben bargeldlose Bezahlung mit EC- und Kreditkarten. Auch Kindern soll durch höhenverstellbare Kassen ein Touch-Screen näher gebracht werden.

Ein großes Thema in der Bücherei ist die Arbeit mit Flüchtlingen. Die Stadtbibliothek hat sich im Oktober 2015 dem Projekt "Welcomegrooves" angeschlossen. "Zielgruppe des Kurses sind Asylsuchende, die erste Wörter und Redewendungen auf Deutsch lernen möchten, noch bevor sie an einem umfangreicheren Sprachkurs teilnehmen können", so Bodden-Omar in ihrem Bericht. Es gibt an einem Internet-PC im Eingangsbereich Zugang zu einem kostenlosen Sprachkursus, der auf das eigene Handy heruntergeladen werden kann.

Außerdem wurden viele neue Medien angeschafft, mit denen Kinder, Jugendliche oder Erwachsene Deutsch lernen können. Es gibt auch fremdsprachige und zweisprachige Medien für alle Altersgruppen, Bücher oder Filme in Englisch und Französisch, Bücher auf Türkisch, Arabisch, Albanisch und in vielen anderen Sprachen. Integrationshelfer und Sprachpaten informieren zudem regelmäßig über neue Angebote.

Schreibwerkstätten und die Teilnahme an der kreisweiten Theateraktion "Kulturrucksack", aber auch die regelmäßigen Vorlese-Nachmittage oder Bibliotheksführungen, richten sich gezielt an Kinder und Jugendliche, die damit an die Bücherei herangeführt werden sollen. Denn die Stadtbücherei will "leichten Zugang zur Information und Literatur aller Art ermöglichen und dadurch das lebenslange Lernen fördern", so der Wunsch der Bücherei-Experten.

Am meisten ausgeliehen werden übrigens nach wie vor Belletristik-Bücher - vor allem dann, wenn sie in einer Talkshow vorgestellt oder in einer Bestseller-Liste gut bewertet worden sind. Auch unterhaltsam geschriebene Biografien, Spannungsliteratur sowie Reiseführer stehen auf den Ausleih-Listen ganz oben - ebenso wie die sogenannten Erstlese-Bücher für Jungen und Mädchen ab sechs Jahren.

Quelle: RP
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