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Meerbusch
Büderichs verwunschene Ecke

Meerbusch: Büderichs verwunschene Ecke
Gut Dyckhof mit der charakteristischen barocken Haube wurde erstmalig 1393 in einer Neusser Urkunde erwähnt. FOTO: U. Dackweiler, T. Karrasch, L. Kreuzmann
Meerbusch. Das religiös-historische Ensemble zwischen Dyckhof, Siebenschmerzensweg und Niederdonker Kapelle ist ein Lieblingsort für diejenigen, die Ruhe in der Natur suchen. Von Angelika Kirchholtes

Trotz der Nähe zum städtischen Leben hat dieses geheimnisvolle Stückchen Büderich - zwischen dem Kreuzweg rund um den Dyckhof, dem Siebenschmerzensweg und der Niederdonker Kapelle - seinen Zauber bewahrt. Das religiös-historische Ensemble ist ein Lieblingsort für diejenigen, die Ruhe in der Natur suchen. Frühmorgens im Herbst, wenn die Blätter fallen und die Sonne durch die neblige Luft bricht, ist es besonders schön. Man kann durchatmen und sich auf eine Reise durch die christliche Kultur begeben, meditieren oder einfach die Seele baumeln lassen.

Kommt man vom Zentrum Büderichs über Necklenbroicher Straße und Kanzlei zum Siebenschmerzensweg, ist der Spaziergänger gleich in einer anderen Welt gefangen. Hohe Pappeln bilden eine lange, schmale Allee, die den hektischen Autoverkehr verstummen lässt. Zwischen den Pappeln befinden sich die sieben Stationen des Wallfahrtweges. Die Bronzeplastiken des Düsseldorfer Künstlers Kurt Zimmermann symbolisieren die Schmerzen Mariens bei der Passion des Sohnes.

Das beginnt mit der Darstellung Jesu im Tempel mit der Weissagung Simeons, geht weiter mit der Flucht nach Ägypten und endet mit der Kreuzigung und Grablegung Christi. Am Ende des Weges steht die Niederdonker Kapelle "Maria in der Not". Dem Volksmund nach war sie einst eine Einsiedlerklause. Eine andere Quelle datiert ihre Errichtung auf das Jahr 1542, als sie der Eigentümer des naheliegenden Dyckhofes erbaut haben soll. Urkundlich erwähnt ist sie ab dem 17. Jahrhundert als Kapelle zur "Schmerzhaften Mutter". Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1839. Jedes Jahr im September findet dort die Niederdonker Festoktav statt. Dann ist naturgemäß mehr los. An einem normalen Wochentag herrscht jedoch andächtige Ruhe. Die Tür ist offen, und Besucher und Gläubige haben die Möglichkeit, sie sich anzusehen oder zu beten.

Ziel vieler Pilger ist eine Pietá aus dem 19. Jahrhundert, eine Darstellung Mariens mit ihrem toten Sohn. Sie ersetzt eine ältere Figur, deren Verbleib unbekannt ist. Diese wurde 1677 in einer Urkunde des Generalvikars von Erzbischof Maximilian Heinrich als "wundertätig" bezeichnet. Wenig später rief der Erzbischof zur Verehrung des Gnadenbildes zur Abwendung von Krieg und Krankheit auf.

Neben der Pietá und den Motivfenstern der Kapelle ist besonders das Tryptichon "Lactatio des Heiligen Bernhard" aus dem Jahr 1538 zu bewundern. Das auf Holz gemalte Kunstwerk stammt von einem Antwerpener Manieristen und ist wohl das wertvollste Objekt in der Kapelle. Es zeigt die Gottesmutter Maria und den vor ihr knienden heiligen Bernhard als Novizen. 2015 erhielt die Kapelle aus dem Nachlass des Büdericher Künstlers Ewald Mataré ein Kreuz als Glasfenster. Auf dem Vorplatz stehen ein Altar aus schwarzem Basalt, eine Statue "Madonna mit Kind" sowie ein Barockkreuz aus dem 18. Jahrhundert, das wahrscheinlich aus dem Kloster Meer stammt.

Nur wenige Schritte sind es von hier zum Kreuzweg rund um die ehemalige Wasserburg Dyckhof. Das rosa angestrichene Gebäude mit der charakteristischen barocken Haube wurde erstmalig 1393 als ehemalige Niederungsburg vom Typ einer Motte in einer Neusser Urkunde erwähnt. Im Jahr 1666 wurde der Dyckhof durch den damaligen Eigentümer Wolfgang Günther von Norprath in großem Umfang umgebaut. Ein rechteckiges zweistöckiges Herrenhaus wurde unter Verwendung älterer Bauteile an den bestehenden spätmittelalterlichen Turm angebaut, auf dem die barocke Haube errichtet wurde.

Der Dyckhof war und ist von einem Kreuzweg umgeben, dessen 14 Stationen in den 1960/1970er Jahren durch den Büdericher Bildhauer Wilhelm Hanebal neu geschaffen wurden. Typisch für Hanebals Stil sind stilisierte Figuren in kantigen Formen, die sich an der klassischen deutschen expressionistischen Plastik orientiert, wie man sie von Ernst Barlach kennt. Ganz in Ruhe kann man diesen idyllischen Weg gehen und sich vorstellen, wie Hanebal in seiner Werkstatt auf dem Apelter Feld an diesen Reliefs arbeitete und die christlichen Szenen markant in Szene setzte.

Quelle: RP
 
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