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Meerbusch
Bürger fordern: "Vereint Meerbusch wieder"

Meerbusch: Bürger fordern: "Vereint Meerbusch wieder"
Meerbusch. Wie würden wir heute berichten, wenn Meerbusch zwischen Düsseldorf und Krefeld aufgeteilt worden wäre? Dieses unglaubliche Szenario sollte vor exakt 40 Jahren so umgesetzt werden. Der Landtag verhinderte es am 20. Mai 1976 mit einer Abstimmung in letzter Minute. Wie erginge es den Meerbuscher Bürgern, wenn sie Krefelder oder Düsseldorfer geworden wären? Ein Gedankenspiel aus Anlass eines besonderen Tages. Von Sebastian Peters

Seit vier Jahrzehnten ist die einstige Stadt Meerbusch geteilt - jetzt wollen immer mehr Bürger die vom Düsseldorfer Landtag beschlossene Trennung rückgängig machen. Politiker haben eine geheime Runde gegründet, die Bürgervereine betonen immer häufiger die Einigkeit der alten Stadt Meerbusch. Zunehmend zeigt sich: Die künstliche Erweiterung Krefelds und Düsseldorf um die zwei Hälften von Meerbusch hat zwar am Reißbrett funktioniert, aber die Herzen der Bevölkerung sind nicht erreicht worden.

Genau 40 Jahre ist es heute her: Am 20. Mai 1976 wurde Meerbusch durch einen politischen Handstreich zur Hälfte Krefeld, zur Hälfte Düsseldorf zugeschlagen. Es war ein denkbar knappes Ergebnis: 94 Stimmen votierten im Landtag im Hammelsprungverfahren für die Zerschlagung, 92 dagegen. Schon damals gab es auch politische Bedenken gegen die Auflösung Meerbuschs, das erst sechs Jahre zuvor, im Jahr 1970, als Zusammenschluss mehrerer Dörfer entstanden war. Arrangierten sich die Meerbuscher in den ersten Jahrzehnten nach der Trennung noch stillschweigend mit der Situation, äußert sich nun zunehmend Unmut.

"Was hat die Teilung Meerbuschs gebracht?", fragen sich immer mehr Bürger, zuletzt der Heimatkreis Lank-Latum, der für den vergangenen Montag zu einer Podiumsdiskussion geladen hatte. Mit dabei: Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Beide räumten dort ein, das frühere Meerbuscher Stadtgebiet selten zu besuchen. "Ossum-Bösinghoven, Lank-Latum, Nierst und Langst-Kierst, das fühlt sich nicht an wie Krefeld", sagte Frank Meyer. Und Thomas Geisel gestand: "Zuletzt war ich in Ilverich, um dort unser Düsseldorfer Klärwerk zu besuchen. Aber sonst komme ich eigentlich selten bis an den nordwestlichen Zipfel unserer Stadt." Spötter im Düsseldorfer Rathaus sagen: "Warum auch sollte Geisel dort hin? Im alten Meerbusch sitzen ohnehin nur die CDU-Stammwähler."

Vieles hat sich dadurch verändert in der einst so dörflich geprägten Stadt Meerbusch. Die alten Meerbuscher sagen: nicht zum Guten. Die Krefelder haben schnell nach der Angliederung Meerbuschs ihren Hafen in Richtung Süden erweitert. Der dafür erforderliche Abriss weiter Teile von Meerbusch-Nierst und die Umsiedlung der Bewohner in das Dorf "Neu-Nierst" wurde noch hingenommen. Als der Hafen in der Folge aber auch weiter an Lank heranrückte, eine neue Autobahn von der Rheinbrücke direkt am Hafen und Lank vorbei bis an die A 57 gebaut wurde, wuchs die Skepsis gegen das Krefelder Rathaus. Längst müssen die Lanker Bezirkspolitiker zu den Sitzungen ins Stadtteilrathaus Oppum fahren. Den Lanker Marktplatz gibt es nicht mehr - zu viele historische Stadtkerne würden keinen Sinn machen, hatte der Krefelder Rat schon 1980 beschlossen, und sich einzig für den Erhalt der Linner Altstadt ausgesprochen. In Lank steht seitdem mittig auf dem Marktplatz ein Einkaufszentrum - die "KRE-Passagen".

Auch in den Düsseldorfer Stadtteilen Büderich, Strümp, Osterath und Ilverich wächst die Skepsis gegen das künstliche Städte-Konstrukt. Freuten sich die Büdericher zunächst noch, weil sie eine emotionale Nähe zur anderen Rheinseite verspürten, sehnen sich viele jetzt doch nach alten Zeiten. Seitdem der Flughafen Düsseldorf zum Europa-Drehkreuz ausgebaut wurde und sämtlicher Flugverkehr über Meerbusch abgewickelt wird, fühlen sich die ehemaligen Meerbuscher Stadtteile von der Düsseldorfer Stadtspitze verschaukelt. "Wir sind nicht mehr als ein Anhängsel von Düsseldorf", sagt der CDU-Bezirksvorsteher Werner Damblon aus Büderich. "Ich würde viele Vorteile bei einer Wiedervereinigung Meerbuschs sehen." Und weiter: "Vielleicht ist es so, dass die Politik damals zu schnell entschieden hat, vielleicht hätte man damals mehr auf die lokalen Befindlichkeiten schauen sollen? Meerbusch, das passte vielleicht viel besser zusammen, als die sich das damals alle gedacht haben." Wie unsere Redaktion erfuhr, hat Damblon bereits mit anderen Meerbuscher Bezirkspolitikern, unter anderem der rührigen Ortspolitikerin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) aus Osterath und Heidemarie Niegeloh (SPD), einen runden Tisch gegründet. Nur Politiker des ehemaligen Meerbusch nehmen teil - Düsseldorfer und Krefelder haben keinen Zutritt. Getagt wird im Restaurant "Düsselperle" (früher Forsthaus): Die Politiker reservieren den Saal stets unter dem Gruppennamen "Hammelsprung rückwärts". "Nur ein Scherz", beteuern Teilnehmer der Runde, die namentlich nicht genannt werden wollen.

Es gibt weitere Versuche der Wiedervereinigung, zarte Pflänzchen zwar, aber sie existieren: Die Bürgervereine von Osterath und Lank laden seit einigen Wochen zum gemeinsamen Stammtisch ein, der wechselseitig mal in Osterath, mal in Lank stattfindet. Die Sportvereine Adler Nierst und der FC Büderich veranstalten in diesem Jahr erstmals den "Meerbusch-Cup", ein Fußballturnier mit Teilnehmern aller ehemaligen Meerbuscher Stadtteile. Der Gewinner erhält einen Pokal in Form des alten Meerbuscher Stadtwappens. Beliebt ist zunehmend auch die "Meerbusch-Radtour" des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs - Bürger beider ehemaliger Meerbuscher Teile fahren gemeinsam entlang der Stadtgrenzen. Ältere Meerbuscher erzählen dabei Jüngeren, wie es war, als die Stadt noch nicht geteilt war, als man sich gegenseitig zu Schützenfesten besuchte und als von Büderich noch eine Straße direkt bis Osterath führte (heute steht dort ein großes Zementwerk).

Nicht zuletzt eine kleine Anekdote zeugt vom Wiedervereinigungswillen der Meerbuscher. Ein historischer Grenzstein, der 1976 beim Festakt zur Trennung der Stadt zwischen Lank und Strümp gesetzt wurde, um die Teilung zu dokumentieren, ist in der vergangenen Woche von unbekannten Tätern entfernt worden. Die Polizei fand den Grenzstein einen Tag später wieder - lustige Zeitgenossen hatten ihn an die ehemalige Stadtgrenze zu Düsseldorf gesetzt. Jetzt lagert der Grenzstein vorerst bei der Polizei. Unsere Redaktion fragte gestern bei der Pressestelle der Polizei Düsseldorf nach. Dort sagte man nur lapidar: "Wir lassen den Stein jetzt erst einmal hier. Wer weiß, ob nicht irgendwann doch dieses Meerbusch wieder auflebt."

Quelle: RP
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