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Meerbusch
Bürgermeisterin gegen Nachtabschaltung

Meerbusch: Bürgermeisterin gegen Nachtabschaltung
Zwischen 1.30 Uhr und 4 Uhr werden seit 2006 in Meerbusch die meisten Straßenlaternen ausgeschaltet. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. In Osterath hat ein Einbrecher nachts Tablet-Computer und Handtaschen gestohlen, während die Hausbesitzer schliefen. Derweil wird politisch um die Nachtabschaltung der Laternen gerungen Von Martin Röse

Der Täter kam in der Nacht, verschaffte sich gewaltsam Zutritt zu einem Einfamilienhaus in Osterath an der Straße Heinenkamp. Während die Bewohner in der oberen Etage schliefen, räumte er drei Handtaschen und einen Tablet-PC ab. "Die leeren Handtaschen konnten in der unmittelbaren Nähe des Hauses später wieder aufgefunden werden", erklärte ein Polizeisprecher. Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag muss der Täter zugeschlagen haben. Die Polizei ermittelt und bittet mögliche Zeugen, sich unter der Telefonnummer 02131 3000 zu melden.

Auch wenn Einbrecher in Meerbuscher ihrem Handwerk häufiger tagsüber als nachts nachgehen, sind solche Vorfälle Wasser auf die Mühlen derer, die ein Ende der nächtlichen Laternenabschaltungen fordern. Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) hat sich in der jüngsten Ratssitzung klar dafür ausgesprochen, die umstrittene Nachtabschaltung der Straßenlaternen wieder abzuschaffen. "In einem persönlichen Gespräch haben mir Vertreter der Polizei erklärt, dass die Täterverfolgung in den Wohngebieten zu Zeiten der Nachtabschaltung erschwert wird", sagte die Bürgermeisterin.

Seit dem Jahr 2006 werden - außer an Hauptverkehrsstraßen - die Laternen sonntags- bis donnerstagsnachts zwischen 1.30 Uhr und 4 Uhr ausgeschaltet, um Kosten zu sparen. Nach Angaben der Verwaltung betrug die Stromeinsparung im vergangenen Jahr rund 69 000 Euro. Seit 2006 hat sich die Zahl der nächtlichen Wohnungseinbrüche zwischen 21 Uhr und 6 Uhr in Meerbusch knapp verdreifacht - von 56 im Jahre 2006 auf 147 im vergangenen Jahr. Allerdings: Zwischen 6 Uhr und 21 Uhr stiegen die Fallzahlen fast ums Fünffache - von 25 auf 126. Mit insgesamt 273 Einbrüchen erreichte die Stadt im Grünen im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert. Während in Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr auf 100 000 Einwohner 300 Wohnungseinbrüche kamen, waren es in Meerbusch 502. Die Gefahr, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden, ist in Meerbusch also 67 Prozent höher als im NRW-Schnitt.

Anders als gewöhnliche Wohnungseinbrecher gehen Homejacker vor. " Sie kommen vorwiegend in der Zeit zwischen 2 Uhr und 5 Uhr morgens", erklärt ein Polizeisprecher. Und auch Navigationsgeräte aus Fahrzeugen werden überwiegend nachts gestohlen - ob allerdings genau zur Zeit der Laternenabschaltung, das wissen wohl nur die Diebe selbst. Den Autobesitzern fällt im Regelfall der Aufbruch erst am nächsten Morgen auf.

Laut einer Polizeistatistik aus dem Jahr 2012, die unserer Zeitung vorliegt, gab's zehn Navi-Diebstähle in Nächten, in denen Laternen leuchteten. 84 hingegen in Nächten, in denen die Laternen aus waren. Die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls aus einem Fahrzeug lag in dem Jahr also fast 63 Prozent niedriger, wenn die Laternen brannten. Seit der Laternenabschaltung im Jahr 2006 kletterte die Zahl der Diebstähle aus Fahrzeugen um rund 25 Prozent auf 303 in 2014.

Ob sich die Bürgermeisterin mit ihrem Vorschlag für ein Ende der Nachtabschaltung durchsetzen wird, ist nicht sicher. Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP sprachen sich noch im vergangenen Monat ausdrücklich für eine Beibehaltung der bisherigen Regelung aus. "Nur vier Prozent der Einbrüche passieren nach einer Erhebung der Polizei Köln in der Zeit der Nachtabschaltung", sagte Klaus Rettig, (FDP). Heidemarie Niegeloh (SPD) erklärte: "Seit der Laternenabschaltung ist das Risiko nicht gestiegen. Es geht ums subjektive Sicherheitsgefühl. Wir haben die richtige Abwägung getroffen." UWG und Die Aktiven befürworten eine Abkehr von der Nachtabschaltung. Die Bürgermeisterin kündigte an, sie werde "kostenneutral" erfolgen - durch mehr Einsatz von LED-Technik.

Quelle: RP
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