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Meerbusch
Chance auf Erdkabel auch in Osterath

Meerbusch: Chance auf Erdkabel auch in Osterath
Zeichnung des geplanten Konverters in der Kaarster Dreiecksfläche - von hier wird wahrscheinlich eine Stichleitung zur Stromtrasse gelegt, die an Osterath vorbeiführt. FOTO: Amprion
Meerbusch. Die Stromtrasse aus Richtung Emden, die am Kaarster Konverter enden soll, wird wohl als Erdkabel errichtet. Die Verwaltung und die Initiativen sind zufrieden. Die Nachricht der Bundesnetzagentur hatte kurz für Verwirrung gesorgt. Von Sebastian Peters

Den Kampf gegen den gefürchteten Konverter haben die Osterather schon gewonnen, jetzt können sie in einem weiteren Punkt hoffen, dass sie von dem großen Stromausbauprojekt wenig spüren. Wie Amprion als ausführendes Unternehmen gestern auf Anfrage erläuterte, soll die Stromleitung "ANord" von Emden in Richtung Osterath weitestgehend in Erdkabelvariante gebaut werden (siehe Bericht Titelseite). Nur von der vorhandenen Trasse in Osterath bis zum in Kaarst geplanten Konverter könnte eine überirdische Stichleitung gelegt werden. Festgelegt sei, dass auf dem nördlichen Teilstück von Emden bis Osterath "weitestgehend" Erdkabel verlegt werden sollen, sagte Amprion-Sprecher Preuß: "Ob das nun 50,5 Prozent oder 99,9 Prozent sind, wird zu diskutieren sein." Die Chancen für Osterath stehen gut.

In Meerbusch schöpft die Stadtverwaltung große Hoffnung, dass die geplante Leitung auf Stadtgebiet unter die Erde gelegt wird. "Das ist erst einmal eine tolle Nachricht", sagt Meerbuschs Fachbereichsleiter des Umweltamtes, Heiko Bechert. Auch die Bürgerinitiative, die gegen den Konverter in Osterath gekämpft hatte, zeigt sich zufrieden. "Die Erdkabelvariante ist zu begrüßen, auch wenn das damals nicht das Ziel unseres Einsatzes war", sagt Initiativsprecherin Norma Köser-Voitz.

Vorausgegangen ist der neuen Entwicklung eine Mitteilung der Bundesnetzagentur: Durch die Erdkabelvariante verzögert sich demnach der Bau der Stromleitungen, die Windenergie aus dem Norden in den nach der Abschaltung der Atomkraftwerke stromarmen Süden bringen sollen.

Erdkabel statt Freileitungen: Was für die Anrainerkommunen eine frohe Botschaft ist - Erdkabel sind in der Bevölkerung akzeptierter als Freileitungen - wird den Stromkunden teuer zu stehen kommen. Die Milliarden-Mehrkosten werden am Ende auf alle Verbraucher umgelegt.

Kurzfristig hatte gestern die Mitteilung der Bundesnetzagentur für Irritationen in Meerbusch gesorgt, weil die beiden Teilstrecken mit "Philippsburg - Osterath" und "Osterath - Emden" bezeichnet wurden. "Wird der Konverter doch nach Osterath kommen?", fragte sich mancher. Osterath werde nur genannt, weil von hier der Kaarster Konverter per Stichleitung angebunden wird, sagte Amprion-Sprecher Preuß. Als erste Wahl von Amprion gilt der Standort Kaarster Dreieck, alternativ könnte der Konverter aber auch in Dormagen-Gohr angesiedelt werden.

Der Konverter ist Teil der Hochspannungsgleichstromübertragungstrasse (HGÜ) "Ultranet", die im südlichen Abschnitt von Osterath nach Philippsburg verläuft. Die Bundesnetzagentur hatte am Montag die neuen Daten der Inbetriebnahme dieser und der nördlichen Leitung kommuniziert - in beiden Fällen gibt es Zeitverschiebungen. Die nördliche 320 Kilometer lange Leitung soll demnach 2025 in Betrieb genommen werden, das südliche 340 Kilometer lange Teilstück 2021. Der Konverter bildet in diesem System die Verbindung zwischen Wechselstrom-Höchstspannungsnetz und der Gleichstromleitung.

Quelle: RP
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