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Meerbusch
"Da ist noch Luft nach oben"

Meerbusch. Gerhard Nowak von der IST-Hochschule für Management begleitete das ATP-Tennisturnier wissenschaftlich. Sein Tipp: die Bevölkerung mehr ansprechen Von Anke Kronemeyer

Eigentlich sei das Turnier an allen neun Tagen prima gelaufen, sagt Gerhard Nowak. Aber - und genau das steckt hinter seinem Wort "eigentlich" - könne man noch einiges verbessern. "Da ist noch Luft nach oben." Nowak und die IST-Hochschule für Management aus Düsseldorf haben die neun Tage Turnier auf der Anlage am Eisenbrand wissenschaftlich begleitet, haben an jedem Tag rund 25 Besucher befragt und die Aussagen bereits ausgewertet. Die wichtigste Aussage: 77 Prozent der Befragten wollen unbedingt zum nächsten Turnier wiederkommen.

Auf Basis der Umfrage besuchen 77,08 Prozent aller Befragten solche Sportveranstaltungen regelmäßig. Zum einen (42,41 Prozent), um gutes Tennis zu sehen, zum zweiten (18,95 Prozent), um die Atmosphäre einer solchen Tennisanlage zu erleben, aber auch (17,2 Prozent), um genau das am Standort Meerbusch zu tun. 18,93 Prozent der Besucher haben erwartet, an den Tagen "nette Menschen" kennenzulernen. Jeder dritte der Befragten geht ansonsten zu Tennis- oder Fußball-Bundesliga-Spielen. "Nicht zum Golf", so Nowak. "Das hätte ich eigentlich erwartet." Bei der wissenschaftlichen Begleitung geht es aber auch um das Thema Sponsoring. "Denn den Sponsoren ist ja wichtig, dass sie wahrgenommen werden", weiß Nowak. In diesem Fall hat das nicht funktioniert - so jedenfalls das Ergebnis der Umfrage. "Die meisten der Befragten haben nur drei bis vier Sponsoren namentlich nennen können", sagt Nowak. Diese 65,6 Prozent seien den Sponsoren vermutlich zu wenig, vermutet er. Sein Verdacht: Die 93 Sponsor- und Finanzpartner des Turniers seien zu viel. "Den meisten blieb nur der Titelsponsor Maserati in Erinnerung und schon nicht mehr der nächste große Sponsor Lueg sportivo."

Gerhard Nowak rät den Sponsoren unbedingt, sich vorher Gedanken zu machen, was sie erreichen wollen: "Geht es um Marketing, um mehr Umsatz, um neue Kundenkontakte oder wollen sie etwas direkt vor Ort verkaufen?" Er hat noch einen Tipp parat: Der Veranstalter müsste Sponsor-Workshops anbieten, um genau diese Motivation heraus zu bekommen und dann gemeinsam zu realisieren. "Denn viele Sponsoren wissen gar nicht, was sie mit einem solchen Event erreichen wollen oder können."

Bei den Umfragen auf der Sportanlage ist noch mehr herausgekommen: Die Meerbuscher Bevölkerung, vor allem die direkten Nachbarn, seien nicht "mitgenommen" worden. Wie genau die Stimmung im Ort sei, könne man durch eine gezielte Bürger-Umfrage ermitteln. "Wir verhandeln noch mit der Stadt Meerbusch darüber, ob sie unseren Fragebogen an alle Einwohner schickt", so Nowak. Seine Erfahrung: "Nimmt man die Bürger nicht mit - und sei es auch nur bei einem solchen Sport-Event - gibt es ganz schnell ähnliche Situationen wie bei Stuttgart 21."

Quelle: RP
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