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Meerbusch
Das Comeback der Weinschenke

Meerbusch: Das Comeback der Weinschenke
Die neuen Betreiber: Aziz Boulhrir (r.) hatte früher das Infinitus, Sebastian Heinen ist Lanker. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Das traditionsreiche Denkmal im Herzen von Lank ist kernsaniert worden. Seit wenigen Tagen kommen die Lanker - und sie staunen. Von Sebastian Peters

Natürlich ist das die Geschichte einer Sanierung in liebevoller Kleinarbeit, mit dem Einsatz vieler Eimer Farbe und vieler hunderttausend Euro. Die Wiedereröffnung der Alten Weinschenke in Lank ist aber mehr als das: Es ist für Meerbusch das Signal, dass eine Denkmalsanierung sich lohnen kann, dass sie am Ende das Ortsbild bereichert und dem Eigentümer Freude macht. Vier Jahre lang stand das traditionsreiche Gasthaus am Lanker Markt leer, und es war zu befürchten, dass dieses Denkmal das Schicksal vieler anderer Bauten teilt: verrotten bis zum St.-Nimmerleinstag. Dann kam der Lanker Unternehmer Thomas van Kaldenkerken (52), der zuvor mit der benachbarten Alten Kupferschmiede schon eine weitere Immobilie am Ort saniert hatte. Er nahm mit seinem Kompagnon Ralf Usbeck viel Geld in die Hand (wie viel, das will er öffentlich nicht sagen). Wohl aber, wie er mit dem Ergebnis zufrieden ist: "Das ist der schönste Platz von Meerbusch."

Seit wenigen Tagen ist die Weinschenke wieder geöffnet, und die Lanker kommen zahlreich, um zu sehen, was aus dem alten Lokal geworden ist. Die Betreiber, die van Kaldenkerken gefunden hat, sind in Lank wohlbekannt. Der gebürtige Düsseldorfer Aziz Boulhrir (41) hatte früher das Infinitus, sein Geschäftspartner Sebastian Heinen (28) ist Ur-Lanker. Früher kochten sie mediterran, im neuen Restaurant soll es eine Mischung von traditionellen Gerichten mit einer "Crossover-Küche" geben.

Die Weinschenke ist seit der Gründung eine Lanker Institution - Treffpunkt, Wahrzeichen, Identifikationsort. Der ganze Niederrhein wurde im 19. Jahrhundert von hier mit Wein versorgt - die Flaschen lagerten unten im großen Weinkeller. Große Düsseldorfer Jagdgesellschaften sollen dort gefeiert haben. Auch der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss trank dort gerne ein Glas Wein. Bis 2012 führte die Familie Babic das Haus. 35 Jahre war es in Familienhand.

Nach dem Leerstand kaufte es ein Bauunternehmer, der im Gespräch mit Thomas van Kaldenkerken Ende 2014 andeutete, die Weinschänke wieder verkaufen zu wollen. Der Lanker van Kaldenkerken, ehemals Manager bei Schleich, dem Modeunternehmen Steilmann, P & C und heute in Düsseldorf in der Tourismusbranche tätig, setzte sich also mit einem Freund zusammen. Zwei bis drei Stunden überlegten die beiden, schlugen dann im Januar 2015 zu. Seitdem wurden etliche Stunden in die Sanierung gesteckt. "Egal, wo man hinschaute in diesem Gebäude, es war ein Drama", sagt van Kaldenkerken, den die Lanker auch als Vorsitzenden des Vereins Treudeutsch Lank kennen. Thomas van Kaldenkerken sagt: "Es lief alles wie ein Durchmarsch mit der Stadtverwaltung, natürlich gab es Auflagen, aber wir haben uns immer wieder kooperativ verständigt." Zugemauerte Fenster wurden geöffnet, die alte Toilettenanlage herausgenommen, der Holzschuppen durch einen Steinanbau ersetzt.

Die Küche ist jetzt durch Glas abgetrennt, so dass der essende Gast beim Kochen zuschauen kann. Oben gibt es einen großen hübschen Raum mit Theke, in dem gefeiert werden kann. "Lank hat jetzt endlich wieder einen Saal", sagt Thomas van Kaldenkerken. Von außen wurde die Denkmalanmutung gewahrt, innen ist es eine Mischung aus Tradition und Moderne. Auch Wein wird natürlich weiter ausgeschenkt - dass er weiter eine große Rolle spielt, ist allein schon an der Dekoration zu spüren. Im hinteren Bereich bilden Weinflaschen eine Trennwand zur Küche - einer der vielen Hingucker im Restaurant.

Am 30. Juni abends wurde die Schenke fertig, am 1. Juli eröffnete das Lokal. Auf allen drei Ebenen - obere Etage, Erdgeschoss und Außenterrasse - gibt es rund 60 Plätze, so dass insgesamt rund 180 Leute dort bewirtet werden können. Bewusst haben die Betreiber keine Werbung in den ersten Tagen gemacht, noch nicht einmal ein "Geöffnet"-Schild draußen angehängt. "Wir müssen erst die Prozesse hier ans Laufen bekommen, da wäre es falsch gewesen, direkt unter Hochbetrieb zu arbeiten", sagt Aziz Boulhrir, der seinem Team nach den ersten Tagen des Betriebs ein Kompliment erteilt: "Meine Leute hier sind super." Er sei in Kontakt zu van Kaldenkerken getreten, als er vom Kauf erfuhr, sagt Boulhrir. "Man hört Gerüchte, und dann beginnt man sich zu interessieren." An einem Nachmittag auf der Terrasse habe er ihm ein Konzept für den Restaurantbetrieb vorgelegt.

Der Name soll bleiben wie früher: "Weinschenke", mit "E". Thomas van Kaldenkerken: "Ein Namenswechsel stand nie zur Diskussion."

Quelle: RP
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