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Wie Geht's, Meerbusch?
Das Elend mit den Maximalforderungen

Meerbusch. Ein Gewerbepark als Lärmschutzwand - dagegen können auch die Anwohner nichts haben. Die Stadt muss jetzt den Dialog mit dem Bürger suchen. Abwarten ist keine Lösung mehr.

Es sind bisher noch dürftige Argumente, die die Meerbuscher Stadtverwaltung beim Thema Interkommunales Gewerbegebiet liefert. Bisher hat es noch keine öffentliche Bürger-Informationsveranstaltung dazu gegeben, obwohl das Gebiet seit Jahren diskutiert und spätestens seit dem im Februar vorgelegten Gutachten im Planungsausschuss konkret wird. Dass CDU-Fraktionschef Werner Damblon jetzt im Ausschuss sagte, die Planung wäre noch zu unkonkret, um sie vor Bürgern zu präsentieren, ließ manchen Anwohner staunen. Und wenn jetzt der Technische Dezernent, Michael Assenmacher, darauf verweist, dass die Bürger auf das Votum ihres Rates hoffen müssen, der im Zweifel jeden Industriebetrieb dort verhindern könnte, muss das die Anwohner ebenfalls skeptisch werden lassen. Ratsmehrheiten sind schließlich nicht auf ewig zementiert. Was, wenn eine neue Mehrheit irgendwann zur Erkenntnis kommt, dass exakt an dieser Stelle ein großer Industriebetrieb ein Segen für Meerbusch wäre?

Um es klar zu sagen: Es gibt weiterhin gute Argumente dafür, ein Gewerbegebiet an exakt dieser Stelle zu installieren. Es läge direkt an der Autobahn, wo ohnehin schon Lärm herrscht. Die Verkehrsanbindung ist gut - die meisten Lkw und Pkw würden direkt über die A 44 abfahren, ohne Wohngebiet zu durchqueren. Meerbusch und Krefeld hätten die Chance, dort einen Park für Hochtechnologie zu entwickeln. Und ja, es stimmt: Warum sollen solche Firmen immer nur in den Süden von Deutschland gehen? Die Bürger wollen aber sichergehen, dass es tatsächlich nur ruhiges Gewerbe ist, das nach Meerbusch kommt.

Es ist wohl eine der Tücken des Planungsrechtes, dass es keine Kompromisse von Anwohnern mit der Stadt mehr gibt. Stattdessen gibt es zunächst Maximalforderungen auf beiden Seiten: Die Bürger fordern Feld und Wiese, die Stadt lässt eine Planung erarbeiten, die ein Industriegebiet zulässt. Die Situation ist festgefahren. Eine vertrauensbildende Maßnahme wäre, dass die Bürger über den gegenwärtigen Stand der Planung informiert werden. Vielleicht würden die Positionen auf beiden Seiten dann gelockert. Der Bürgerinitiative, deren Sprecher Weingartz neuerdings auf Konfrontation geht, Klagen androht und damit einem Dialog eher im Wege steht, könnten so die Argumente genommen werden.

Spricht man mit Anliegern in Schweinheim direkt, dann äußern diese Vorstellungen, die von denen der Stadt wohl so weit gar nicht entfernt liegen. Gegen einen von außen hübsch begrünten Gewerbeblock, der wie ein Lärmschutzwall vor der Autobahn 44 wirkt, wird am Ende kein Anwohner was haben. Wenn die Stadt es dann noch schafft, die Reiter und Bauern mit ins Boot zu nehmen, die um Wege und Flächen bangen, dann kann es was werden.

Sprechenden Menschen kann geholfen werden. Sebastian Peters

Quelle: RP
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