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Meerbusch
Das Ende des Golfkonflikts

Meerbusch: Das Ende des Golfkonflikts
Golfclubleiter Bernhard Lindenbuß und Clubmitglied Monika Droste. Rechts im Hintergrund: Drei ungeliebte Gäste, die gleichwohl Beweis sind, dass die Natur hartnäckig ist. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Als vor 20 Jahren Meerbuschs Golfclub eröffnete, gab es viel politischen Widerstand, besonders von den Grünen. Heute sind die Wogen weitestgehend geglättet - und auf der Golfanlage findet sich viel mehr Natur als einst gedacht. Von Sebastian Peters

Es ist nicht so, als würde Bernhard Lindenbuß die Wildgänse auf seinem Golfplatz innig lieben. "Auf gut Deutsch: Die scheißen uns hier auf den Platz, das haben die Golfer natürlich nicht gern", sagt Lindenbuß. Und doch dienen die Tiere ihm als einer der Beweise dafür, dass die vor 20 Jahren vielfach auch in Meerbusch geäußerte Kritik, dass Golfplätze reine Umweltzerstörung bedeuten, nicht fair ist.

Vor zwei Jahrzehnten wurde der Golfpark Meerbusch im Westen Büderichs auf einer früheren Ackerfläche gegründet. Die Planungen für eine Platzanlage waren aber viel älter. Schon Mitte der Achtziger gab es Bestrebungen, eine Golfanlage zu bauen. Wo auch sonst? Meerbusch ist für Golfanlagenbetreiber eigentlich ein Eldorado - wo, wenn nicht hier, könnte man Menschen finden, die den nicht ganz günstigen Sport zu finanzieren wissen? Erste Pläne gab es für eine Anlage in Langst-Kierst - "da gab es aber die Sorge vor Hochwasser", sagt Lindenbuß. Der Standort Büderich kam ins Gespräch. Die Ackerflächen gehörten einer gewissen Eugenie Madame de Guerre. Die Umweltbedenken einiger Politiker verzögerten jedoch die Bauarbeiten.

Just zum Zeitpunkt der Golfplatzplanung zogen in Meerbusch die Grünen in den Rat ein - erklärte Skeptiker von Golfplätzen, manche bis heute. Durch ein Votum der Grünen wurde festgelegt, dass 18 Hektar der insgesamt 72 überplanten Hektar unter Landschaftsschutz gestellt werden sollten. 54 Hektar netto blieben für den Golfplatz. Streitpunkt waren auch der durch das Gelände führende Schackumer Bach sowie eine Spazierwegverbindung zum Wald, die mittlerweile nördlich verläuft. "Es gab auch die Sorge, dass das Grün hier überdüngt wird", sagt Lindenbuß, den so eine Kritik ärgert. "Vorher waren hier Ackerflächen, das war reine Monokultur, da wurde sicherlich mehr überdüngt."

Als alle Hindernisse überwunden schienen, 1988 war das, verweigerte die Regierungspräsidentin die Unterschrift unter die Genehmigung. "Damals war Klaus Matthiesen erster Umweltminister in NRW", sagt Lindenbuß. Der damalige Golfclubmanager Jochen Ackermann habe früher wie der Sozialdemokrat Matthiesen in Schleswig-Holstein gelebt, sei für eine andere Partei im Dienst gewesen. Diese Hürden schienen unüberwindbar.

Die Stadt Meerbusch klagte schließlich gegen die verweigerte Genehmigung und bekam 1991, nach zwei Jahren vor dem Landesverfassungsgericht in Münster, voll Recht. 1994 wurde der Golfclub ins Vereinsregister eingetragen, 1995 rollten die Bagger an. Geplant wurde der Platz von Donald Harradine, damals einer der besten Golfplatzarchitekten, später übernahm Sohn Peter. Im September 1996 konnten die ersten Bälle geschlagen werden.

"Die Verzögerungen haben uns zunächst sehr weh getan", sagt heute Bernhard Lindenbuß, der 2001 die Führung des Clubs übernahm. Im Jahr 1992 habe es noch 1200 golfinteressierte Meerbuscher gegeben, die Mitglied werden wollten. Die Platzanlagen in Neuss (Hummelbachaue) und Krefeld (Elfrather Mühle) wurden aber eher gebaut, weswegen viele Meerbuscher in diese Golfclubs gewechselt seien. "Wir sind mit nur 150 Mitgliedern gestartet, der wirtschaftliche Druck war hoch", sagt Lindenbuß. Die Finanzierung konnte bei dieser geringen Mitgliederzahl nur gesichert werden, weil 20 Meerbuscher Bürger als Gesellschafter einstiegen.

Das langsame Wachstum - es hat sich bewährt: Heute hat der Golfclub einen parkähnlichen Charakter. Landschaftsarchitekt Piet Schwarze aus Krefeld hat ihn konzipiert. Das Golfgrün wird immer wieder unterbrochen von Büschen, Baumbeständen, Wald und Wiesen sowie Wasser. Die alte Gutsanlage Röttgenhof, Zentrum der Golfer, ist heute Vereinsanlage mit Restaurantbetrieb. Die latente Sorge der Umweltschützer versucht Lindenbuß zu entkräften. "Wir haben beispielsweise zum Start die Auflage bekommen, dass ein Labor drei bis vier Mal pro Jahr Bodenproben nimmt. Nicht einmal hat es in den 20 Jahren bisher eine Auffälligkeit gegeben." Natürlich wollen die Golfer satten grünen Rasen, ohne Unkraut. "Wir versuchen dies weitestgehend mit mechanischen Mitteln zu erreichen, mit viel Vertikutieren", sagt Lindenbuß. Es gebe aber auch einige zugelassene Mittel, die die Greenkeeper anwenden. Die Tiervielfalt sei erhalten geblieben: "Rehe, Hasen, Kaninchen, Gänse - alles noch da." Im Herbst komme der Jagdpächter, um den Bestand zu regulieren. "Der ist von der Zahl der Tiere immer wieder angetan."

In diesen Tagen wird der Pachtvertrag mit den Schwestern de Guerre, die die Flächen geerbt haben, verlängert - wieder auf 30 Jahre. "Bis 2046 haben wir dann Planungssicherheit", sagt Lindenbuß. Der Standort Büderich erweise sich jetzt als Riesenvorteil. Mittlerweile würden viele der Mitglieder, die damals nach Krefeld oder Neuss gingen, wieder zurückkommen. So wie Monika Droste, frühere Architektin aus Düsseldorf-Oberkassel: "Die kurze Anfahrt kommt mir entgegen, und hier sind mittlerweile viele meiner Freunde." 830 Mitglieder hat der Golfclub mittlerweile - als Lindenbuß vor 15 Jahren kam, waren es 580. Es gebe aber die Tendenz, dass sich Clubmitglieder nicht langfristig binden wollen. Lindenbuß setzt auf das familiäre Ambiente der kleinen Anlage. 90 Mitglieder sind immer noch aus den Anfangszeiten dabei. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 - für einen Golfclub ein akzeptabler Wert.

Die wichtige Kennziffer ist für Lindenbuß aber die Anzahl der Vollzahler. "Wenn wir da bei 600 liegen, bin ich zufrieden, dann kann ich ruhig schlafen. Und ich schlafe ruhig." Wenn nur die Gänse nicht wären...

Quelle: RP
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