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Meerbusch
"Das Flachstart-Verfahren ist eine Zumutung"

Meerbusch: "Das Flachstart-Verfahren ist eine Zumutung"
FOTO: Lufthansa
Meerbusch. Der Bauausschuss nahm einen Antrag der UWG an, eine Station zur Lärmmessung in Büderich an der Kanzlei zu errichten. Sie soll zusätzliche Daten liefern, die zeigen, wie groß die durch flache Starts verursachte Mehrbelastung ist. Der Rat diskutiert im Dezember noch einmal. Von Angelika Kirchholtes

Wie kann Meerbusch seine Interessen beim heißen Eisen Fluglärm am besten durchsetzen? Darüber prallten die Meinungen in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend aufeinander. Während CDU-Ratsmitglied Daniel Meffert auf Diplomatie setzt, schlagen die Vertreter der übrigen Parteien vor, Druck auszuüben.

Konkret geht es darum, wie man die deutschen Airlines Lufthansa und Air Berlin dazu bewegen könne, von dem am Düsseldorfer Flughafen praktizierten Flachstart-Verfahren abzurücken und stattdessen wie die ausländischen Fluglinien das Steilstart-Verfahren anzuwenden.

Auf dem Tisch des Ausschusses lag ein Antrag der UWG, eine weitere Messstation in Büderich an der Kanzlei zu installieren, um weitere Zahlen zur Lärmentwicklung zu erhalten. Im Umfeld des Frankfurter Flughafens seien auf private Initiative hin zusätzliche Messstellen eingerichtet worden und hätten prompt einen deutlich höheren Lärmwert für das Flachstart-Verfahren erbracht, so Lothar Keiser (UWG). Auch Meerbusch dürfe es nicht hinnehmen, dass die Airlines aus rein wirtschaftlichen Erwägungen ein Verfahren praktizierten, das für die Bevölkerung nachteilig sei. "Es gibt leider keine Rechtsvorschriften, welche Steigmethode eine Fluglinie anzuwenden hat", bedauert Keiser. Er fordert die neue Messstation, weil alle Flugzeuge bis zur vorhandenen Station im Rheinfeld auf gleicher Flughöhe seien und erst danach steil oder flach weiterflögen. Keiser schlägt vor, an der neuen Station entweder die Lärmentwicklung von deutschen und ausländischen Airlines aufzuzeichnen und zu vergleichen oder mit einem vierwöchigen Stop des Flachstarts der deutschen Linien eine Vergleichbarkeit herzustellen.

"Flach zu fliegen über dicht besiedeltem Gebiet, ist eine Zumutung für die Bürger", so Keiser. Dem wollte im Ausschuss niemand widersprechen. Doch "wir sollten werben und nicht Forderungen stellen", sagt dagegen CDU-Mann Meffert. Er bekommt Unterstützung vom Technischen Dezernenten Michael Assenmacher, der von einem Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer des Düsseldorfer Flughafens, Thomas Schnalke, berichtet. Dabei sei auch das Thema Flachstart-Verfahren erörtert worden. Schnalke habe der Meerbuscher Delegation zugesagt, Lufthansa und Air Berlin auf das Problem anzusprechen. "Wir sollten keinen Sand ins Getriebe streuen und abwarten, was diese Aufforderung bewirkt", fordert Mefffert. Das sehen die Vertreter der anderen Parteien jedoch ganz anders. Sowohl Dirk Banse (SPD) als auch Christof Behlen (Bündnis 90/Die Grünen) erblicken nur einen Vorteil darin, die Forderungen Meerbuschs mit belegbaren Zahlen zu unterfüttern. "Nur dann können wir eine saubere Diskussion führen", ergänzt Marc Becker von der Fraktion Die Linke und Piraten. Die Bevölkerung leide schon unter genug Belastungen. Da müssten nicht noch unnötige Flachstarter dazukommen, meint der Liberale Thomas Gabernig.

Die Skeptiker zeigen sich misstrauisch gegenüber "netten" Gesprächen mit dem Flughafen, wenn diese nicht durch Fakten untermauert seien. "Dieses Reden haben wir seit Jahren, aber was hat es gebracht?" fragt Keiser. "Neue Zahlen nützen auch der Stadt bei Diskussionen in der Fluglärmkommission", glaubt er.

Gerade weil es keine gesetzliche Regelung gäbe, müsse politischer Druck aufgebaut werden. Er ist jedoch dem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen, keine zweite Messstation in Büderich zu installieren, sondern die vorhandene zu versetzen. Und auch bei der Vorgehensweise ist er kompromissbereit. Ausschussvorsitzender Leo Jürgens (CDU) schlägt schließlich vor, die Entscheidung dem Rat zu überlassen. So könne man bis 15. Dezember warten, ob es eine Reaktion von Lufthansa und Air Berlin gäbe. Gegen mehrere CDU-Stimmen nimmt der Ausschuss den UWG-Antrag an, verbunden mit Hinweis, dass die Vorlage im Rat noch einmal diskutiert wird.

Quelle: RP
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