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Meerbusch
Das Glück liegt an der Bundesstraße 9

Meerbusch. Seit zwölf Jahren führt der Normanne Oliver Macé sein Restaurant Bistro "Haus Meer"an der Moerser Straße, jetzt hat er es endlich gekauft. Hier hat er seine neue Heimat gefunden. Von Falk Janning

Wenn Olivier Macé aus seinem Bistro blickt, dann hat er manchmal den Eindruck, dass er sich in seiner alten Heimat befindet, im Süden der Normandie. Das mag an dem vielen Rheinsand liegen, den er vor dem Haus aufschütten ließ. "Da wo ich aufgewachsen bin, gibt es Sand bis zum Horizont", sagt er. Aber das ist Vergangenheit, längst fühlt sich der Patron des Bistros "Haus Meer" in Büderich zu Hause, hier an der Bundesstraße 9 hat er sein Glück und seine neue Heimat gefunden.

"Ich fühle mich wohl, bin jeden Tag aufs Neue verliebt in unser Bistro. Hier in Büderich bin ich genau richtig", sagt er. Seit zwölf Jahren führt er den Betrieb an der Moerser Straße. Der Normanne weiß, was zu einer "leichten französischen Küche auf hohem Niveau" passt: unter anderem "Himmel un Ähd". Das traditionelle rheinische Gericht ist für ihn die Brücke, die er von seiner alten zu seiner neuen Heimat schlägt.

Olivier Macés Weg nach Meerbusch war abenteuerlich. Seinen ersten Kontakt zum Niederrhein hatte er 1982, als er durch einen Schüleraustausch nach Xanten kam. Als Schüler eines strengen Jesuiten-Internats erlebte er die Schule in Xanten als angenehm locker. "Das war richtig cool, und ich war natürlich sofort verliebt in das Land", sagt Olivier Macé. "Immer wieder bin ich nach Xanten getrampt, es hat mich trotz der Sprachbarriere immer wieder dorthin gezogen." In der Nähe von Grenoble machte er sein Abitur. Nach dem Armeedienst ging er zum Kunststudium nach Genf. Aber der Niederrhein zog ihn magisch an. So fuhr er 1989 als 23-Jähriger per Anhalter nach Düsseldorf, um in die Klasse von Toni Cragg an der Kunstakademie in Düsseldorf zu kommen. Doch das Vorhaben scheiterte, weil das geplante Treffen mit dem Professor nicht zustande kam.

"In Folge verlor ich meinen Traum aus den Augen, weil es für mich ums nackte Überleben ging. Ich musste zusehen, dass ich mich irgendwie durchschlage", sagt der Normanne. Er begann in Restaurants Teller zu spülen und lernte Robert Hülsmann kennen. Der Starkoch ("Lindenhof" in Büderich) und später Gründer des legendären "Roberts Bistro" im Düsseldorfer Hafen wurde sein Mentor. Sieben Jahre arbeitete Macé im Hafen. "Es war eine wunderbare Zeit, eine Zeit wie im Rausch", sagt er heute. "Da wurde mir auch klar, dass ich kein Künstler bin, dass meine Berufung in der Gastronomie liegt. Immer schon wollte ich in der Küche arbeiten."

Sein Leben besteht aus Erinnerungen ans Kochen. Wenn Macé von seiner Kindheit erzählt, nehmen große Teile davon die Besuche von Oma und Opa auf dem Bauernhof ein. Dort lernte er Gemüse pflücken und schälen, die verschiedenen Garmethoden und mit der heißen Pfanne, dem Suppentopf und dem gusseisernen Ofen umzugehen. Auch an die opulenten Büffets seiner Eltern in den wilden 70er-Jahren kann er sich gut erinnern. "Meine Mutter hat damals Langusten mit Whiskey flambiert."

Die Arbeit in "Roberts Bistro" half Macé auf seinem weiteren Weg. Zunächst arbeitete er als Caterer, vor zwölf Jahren eröffnete er das Bistro "Haus Meer". Hier stammen die Hälfte seiner Gäste aus der Nachbarschaft. Viele kennen ihn noch aus seiner Zeit im "Roberts Bistro". "Sie haben mich sehr unterstützt, meinen Traum zu erfüllen, vor allem in den ersten so schwierigen Jahren war das überlebenswichtig. Mein Bistro hat sich durch meine Kontakte schnell herumgesprochen, das war mein großes Glück."

2015 war ein Glücksjahr für ihn: Da konnte er das Bistro-Gebäude endlich kaufen. Außerdem hat der vierfache Vater seine Freundin Christine geheiratet. Mit seiner bodenständigen Lebensart kommt der Franzose dem Rheinischen sehr nahe. "Kochen unter Druck ist nichts für mich. Ich habe Spaß am Leben. Nur keinen Streß."

Quelle: RP
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