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Meerbusch
Das kuriose Leben des "Youtube-Daddy"

Meerbusch: Das kuriose Leben des "Youtube-Daddy"
Seine Webvideos wurden 138 Millionen Mal geklickt. Rund zehn Stunden täglich verbringt André Krieger alias "CommanderKrieger" in seinem zwölf Quadratmeter kleinen Studio. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Er war Personenschützer in Tel Aviv und Croupier auf dem Kreuzfahrtschiff Aida — mittlerweile ist der Büdericher André Krieger Webvideoproduzent und Internet-Star. Für viele seiner Fans ist "CommanderKrieger" eine Art Vaterfigur. Von Simon Janssen

Alles begann mit endlosen Nächten, in denen an Schlaf nicht zu denken war. Zu nachdenklich, zu aufgewühlt - völlig aus dem natürlichen Rhythmus geraten. Als André Krieger noch in einem Duisburger Casino als Croupier tätig war, kam er erst in den frühen Morgenstunden nach Hause. "Widerliche Arbeitszeiten", sagt er. Um seinen Kopf nach den langen Schichten freizubekommen, begann er, Videospiele zu "zocken", wie er sagt. Doch beim einfachen "Zocken" blieb es nicht lange.

Auf der Internet-Plattform Youtube entdeckte er 2010 einen Kanal mit kommentierten Videospielszenen. "Das wollte ich auch machen", erinnert sich der heute 35-Jährige. Er erstellte seinen eigenen Youtube-Kanal und begann unter dem Künstlernamen "CommanderKrieger", Videos zu produzieren. Dabei spielte er nicht nur, sondern verriet anderen "Zockern" ebenso Tipps und Tricks. Ein Schritt, der sein Leben veränderte.

Heute ist André Krieger mit mehr als 730 000 Abonnenten seines Kanals einer der erfolgreichsten Webvideoproduzenten Deutschlands. Sein eigenes Logo klebt neben dem Nummernschild seines mattgrünen Audi A6. Die Laufbahn als Croupier - unter anderem auf dem Kreuzfahrtschiff Aida - ist längst Geschichte. Genauso wie die anderen kräftezehrenden Jobs, mit denen er zuvor seinen Lebensunterhalt verdiente: Nach der Bundeswehr war "CommanderKrieger" sechs Jahre lang Personenschützer in Tel Aviv. Währenddessen machte er eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Auch für Google arbeitete er bereits.

Mittlerweile genießt er den Luxus, von zu Hause aus arbeiten zu können, bekommt kostenlos neue Spiele sowie hochmodernes Equipment geliefert, hat Sponsoren und macht Werbung - unter anderem für einen Energy-Drink. In seinem zwölf Quadratmeter kleinen Produktionsraum hat er alles, was er braucht, um seinen Beruf auszuüben. Zehn Stunden täglich verbringt "CommanderKrieger" in dem kleinen dunklen, mit Dämmstoff isolierten Raum, der mit seinen vielen Gerätschaften und Bildschirmen der Schaltzentrale eines Raumschiffs gleicht. Die meiste Zeit beantwortet er Nachrichten seiner Fans - mehrere Hundert sind es täglich. Unerkannt durch Städte wie Düsseldorf oder Köln zu flanieren, ist für André Krieger unmöglich. "Es dauert nur wenige Minuten, bis ich nach Autogrammen und Fotos gefragt werde", sagt er. Die auffällige Statur des 2,01 Meter großen Basketballfans spielt ihm dabei nicht unbedingt in die Karten. Es ist jedoch eine Rolle, die der Internet-Star gerne ausfüllt - schließlich pflegt er einen engen Kontakt zu seinen Fans. Für viele von ihnen ist er nicht nur als Internet-Unterhalter gefragt, sondern auch als Pädagoge und Psychologe. Nicht umsonst haftet ihm der Spitzname "Youtube-Daddy" an.

Doch die Rolle des Seelsorgers hat auch Grenzen. In manchen Fällen musste er bereits einen professionellen Psychologen hinzuziehen. Wie bei einem weiblichen Fan, der sich André Kriegers Namen in den Arm ritzte oder bei einem jungen Mann, dessen Freundin im Urlaub vergewaltigt wurde. Krieger nimmt sich ihrer Schicksale an und versucht, zu helfen. Ein Job, der viel Zeit in Anspruch nimmt. So viel Zeit, dass sein Privatleben darunter leidet. "Zwei Beziehungen hat Youtube mich gekostet", sagt der 35-Jährige, der sich dennoch nicht vorstellen kann, den Job als Webvideoproduzent an den Nagel zu hängen. Im Gegenteil.

Zurzeit steckt Krieger mitten in den Planungen für ein neues Livestream-Studio, das er in seinem knapp 30 Meter großen Wohnzimmer einrichten möchte. "In meinem aktuellen Studio ist es im Sommer zu warm, wenn alle Geräte laufen", sagt er. Im Wohnzimmer türmt sich bereits das nötige Equipment. Aufgrund der Tageslichtstrahler geriet er sogar ins Visier der Polizei. "Eines nachts haben sie bei mir geklingelt wegen des Verdachts, ich würde Marihuana anbauen", sagt er. Lachend verließen die Beamten daraufhin seine Wohnung. Krieger ist eben Unterhalter durch und durch.

Quelle: RP
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