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Serie Mein Garten
Das Lanker Gemüseparadies

Serie Mein Garten: Das Lanker Gemüseparadies
Ihr Garten ist für sie "wie ein Haustier, das man nicht gerne alleine zuhause zurück lässt": Anna und Theodor Blickmann lieben es, sich ihr Gemüse aus dem eigenen Garten für das Mittagessen zu holen. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Lebensmittel aus dem Supermarkt kommen bei Anna und Theodor Blickmann aus Lank nicht auf den Tisch. In ihrem Gemüsegarten pflanzen sie Tomaten, Gurken oder Salaten auch Rhabarber oder Physalis an Von Eugenia Kindel

"Es gibt zu viele Langfinger. Einmal hat man uns 20 Kilogramm Tomaten in einer Nacht aus dem Garten geklaut. Die haben alles abgepflückt, auch die grünen und das ganze Gewächshaus leer geräumt." Theodor Blickmann, ein eher ruhiger Mann, ist nach dieser Geschichte doch entsetzt, und er entschließt: "Jetzt muss ein Zaun her!"

Seitdem wird der mit vollster Hingabe gepflegte Gemüsegarten von Anna und Theodor Blickmann in Lank-Latum von einem Zaun geschützt, am Tor soll sogar Stacheldraht ungebetene Besucher abhalten. Unterhalb der Uerdinger Straße haben die Blickmanns ein Stück Brachland in eine blühende Landschaft verwandelt. Schon von Weitem leuchten knallgelbe Sonnenblumen. Hier werden Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Kürbisse angebaut, die Blickmanns ziehen Tomaten, pflücken körbeweise Brombeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, ernten Trauben, Zucchini, Sauerkirschen, Birnen, Sellerie. Hier gedeiht alles, was das Herz eines Gemüseliebhabers begehrt. Zwischen den Beeten leuchten Strohblumen, Gladiolen, Zinnien, Mohnblumen, Astern.

Beeren, Tomaten, Kräuter und Salat: schon fast eine vollwertige Mahlzeit, die da im Gemüseparadies in Lank gedeiht. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

"Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Gemüse aus dem Supermarkt gegessen habe, oder überhaupt gekauftes Gemüse", meint Anna Blickmann. Die 76-Jährige hat schon als Kind ihren Eltern im Garten geholfen. "Das war einfach selbstverständlich, das wurde gar nicht hinterfragt." Beim Anbau von Rhabarber, Roter Beete oder Gurken macht ihr keiner was vor. Sogar Physalis wachsen im Blickmannschen Gemüseparadies. "Die könnte man auch aus Neuseeland kommen lassen", lacht sie.

Etwa 300 Quadratmeter beackert das Paar. Jede freie Minute wird gegraben und gesät. "Das ist viel, viel Arbeit, klar, aber wir machen das gerne, das ist unser Hobby", meint die Lankerin. Ihr Mann verrät: "Ich muss meine Frau oft bremsen, damit sie nicht wieder stundenlang auf Knien durch den Garten robbt." 33 Jahre lang war der 74-Jährige bei Böhler beschäftigt, nach Feierabend hieß es dann täglich: ab in den Garten. Theodor Blickmann stammt aus Westfalen, groß geworden auf einem Bauernhof, natürlich mit Gemüsegarten. "Das macht einfach Spaß, mal eben in den Garten gehen und sich einen Kopf Salat holen." Die Blickmanns ernähren sich frisch vom Feld. Das Mittagessen wird nicht gekauft, sondern geerntet. "Heute gibt es Kartoffeln, Salat, zum Nachtisch Brombeeren, nur die Würstchen dazu können wir nicht anbauen", lacht Theodor Blickmann.

250 Kartoffelpflanzen reihen sich dicht an dicht, Vorrat für den ganzen Winter. Auch die vielen Salatköpfe sind so angepflanzt, dass sie nicht alle gleichzeitig, sondern nach und nach reif werden. Sogar Paprika gedeiht, in der Küche werden die kleinen Pflanzen vorgezogen. Einzig Wirsing, Weiß- oder Rotkohl sucht man in Blickmanns Garten vergeblich. "Kohl geht nicht gut, da kommt zu viel Ungeziefer dran, dann müsste ich spritzen, das möchte ich nicht", erklärt der Gärtner.

Bald geht es nach Kolberg in die Badekur, ein Geschenk der Kinder und Enkel zur Goldhochzeit. "Der Garten ist wie ein Haustier, das fällt schon schwer, ihn alleine zu lassen", sagt Anna Blickmann. Und ihr Mann fügt an: "Eigentlich können wir jetzt nicht weg, aber das ist ein Geschenk und wir machen das."

Quelle: RP
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