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Meerbusch
Das Meerbuscher Jobwunder

Meerbusch: Das Meerbuscher Jobwunder
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Meerbusch. Im vergangenen Jahr gab es erstmals mehr als 10 000 Vollzeit-Jobs in Meerbusch. Seit 2001 stieg die Zahl der Vollzeitstellen um 24,5 Prozent an Von Emily Senf

Während in Nordrhein-Westfalen die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2001 um 6,2 Prozent zurückgegangen ist, gibt es in Meerbusch immer mehr Vollzeitjobs. So verzeichnete das Statistische Landesamt in der Stadt vor 14 Jahren 8085 Angestelltenverhältnisse in Vollzeit, im vergangenen Juni kletterte ihre Anzahl erstmals über die 10 000er-Marke. Das entspricht einem Plus von 24,5 Prozent. In ganz NRW dagegen fiel die Zahl im gleichen Zeitraum von 4,95 auf 4,65 Millionen.

Noch stärker als bei Vollzeitjobs ist das Wachstum von Teilzeitstellen in Meerbusch. Ihre Zahl kletterte von 1623 im Jahr 2001 auf 2993 im vergangenen Sommer - eine Steigerung um knapp 85 Prozent.

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Gregor Werkle, Referent für Wirtschaftspolitik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, die für Meerbusch zuständig ist, überrascht die positive Jobentwicklung nicht. "Meerbusch ist ein sehr interessanter Ort für Unternehmen", sagt er. Diese Meinung teilt Wirtschaftsförderin Heike Reiß. "Die zentrale Lage und die Anbindungen zur Autobahn, zum Flughafen, zu Häfen und Messen ist gut", sagt sie. Hinzu komme das hohe Potenzial der Arbeitskräfte. "Weil Meerbusch ein Dienstleistungsstandort mit wenig produzierendem Gewerbe ist, haben wir viele hochwertige und qualifizierte Arbeitnehmer", erklärt Reiß. Daneben will die Wirtschaftsförderung weitere Anreize schaffen, eine Vernetzung der Firmen untereinander durch regelmäßige Treffen etwa oder die Begleitung der Unternehmen über die Gründungsphase hinaus.

Michael Dahmen hätte seine Firma Spectair beinahe in Düsseldorf gegründet. "Den Mietvertrag dafür hatte ich schon in der Hand", sagt er. Die Betreiber des Areal Böhler, auf dem Spectair seit 2012 nun seine Flugroboter entwickelt, habe ihm jedoch damals ein lukrativeres Angebot unterbreitet. "Hinzu kommt, dass wir in Meerbusch deutlich Steuern sparen, weil die Gewerbesteuermessbeträge niedriger sind." Sein Unternehmen vergrößerte sich bereits von 250 auf 800 Quadratmeter und beschäftigt nicht mehr nur zwei Mitarbeiter, sondern mittlerweile 18.

Unter den Arbeitnehmern in Meerbusch scheint die Arbeitsmoral hoch zu sein. Laura Werbitzky-Schmitz etwa leitet seit Mitte April das Montessori-Kinderhaus in Büderich, dabei ist sie erst 27 Jahre alt. "Es ist eine große Herausforderung", sagt sie. Auch stressig sei die Aufgabe bereits gewesen - aber nie belastend. "Ich eigne mich nicht dafür, nur zu Hause zu bleiben. Das ist mir schon nach einer Woche zu viel." Auch für Benjamin Riege (34), Marketing-Direktor im gleichnamigen Familienunternehmen für Logistik-Software in Osterath ist sein Beruf mehr, als nur die Möglichkeit, Geld zu verdienen. "Die Speditionswelt ist altbacken und unmodern. Es gibt viele Chancen, das zu verbessern. Das macht mir Spaß", sagt er. "Wenn nicht, wäre ich nicht gut in meinem Job."

Mechthild Knopp (52) aus der Marketing- und Öffentlichkeitsabteilung der Firma Epson ist nach eigener Aussage "immer voll dabei". "Man muss Einsatz zeigen, sich weiter entwickeln und dazu lernen", sagt sie. "Stillstand kann niemand brauchen, sonst wird man träge."

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