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Meerbusch
Der Klang der Heimat

Meerbusch: Der Klang der Heimat
Gut gelaunte Stammgäste des Mundart-Abends: Anne und Dietmar Neukirchen, Johannes Toups, Jürgen Fallack und Willi Schäfer (v.l.) FOTO: Hans-Juergen Bauer
Meerbusch. In Lank-Latum treffen sich Sprachbegeisterte, die ihre Mundart - das Länker Platt - lieben. Vor allem die Heimatlieder gehen ans Herz. Von Monika Götz und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Mundart entspannt. Davon ist Johannes Toups fest überzeugt. Aber das Länker Platt verkörpert auch den Klang der Heimat, weckt Erinnerungen, gibt Gelegenheit, eine regional-persönliche Note zu zeigen und schweißt zusammen.

"Genug Gründe also, beim Stammtisch-Abend des Heimatkreises Lank in der Gaststätte Haus Latum zusammenzurücken", findet Franz-Josef Radmacher, Vorsitzender des Heimatkreises. Günter Krous und Karl-Heinz Spennes, die in Lank gemeinsam die Schulbank gedrückt haben, erzählen: "Wenn wir unter uns sind, sprechen wir immer Platt. Hier frischen wir das auf und erinnern uns an die Abenteuer, die wir erlebt haben."

Freunde des Länker Platt: Isolde Struckes, Maria und Andreas Maaßen, Elisabeth Bremes, Hans Struckes und Peter Bremes (v.l.). FOTO: Hans-Juergen Bauer

Wie viele der dicht gedrängt sitzenden und stehenden "Mundartfrönde" lassen sie sich von "Dat Projramm" mit "Alde, lostije Vertällekes ut 10 Johr Mundartstammdösch" und den Heimatliedern des Männerchores Lank-Latum mitnehmen in die Vergangenheit. Denn Johannes Toups versteht es, die Spannung hoch zu halten. Als er vor gut zehn Jahren gebeten wurde, von Karl Münks diese Heimatkreis-Veranstaltung zu übernehmen, hatte er Bedenken und wollte ablehnen: "Aber ich wurde überredet." Die Feststellung, "Karl war Karl und du bist du" überzeugte ihn.

Dass ihm die Bürgermeisterin zur 40. Mundartstammtisch-Ausgabe eine Urkunde für "unermüdlichen Einsatz für Erhalt, Pflege und Förderung der Mundart" überreichte, freut ihn besonders. Angelika Mielke-Westerlage begründete es so: "Heimat bedeutet auch Zuhause sein, Identität und Kultur zu leben. Und die Sprache gehört dazu." Johannes Toups aber erlebte eine weitere Überraschung. "Ich habe den Termin notiert, wollte in meiner Heimat unbedingt dabei sein", erklärt NRWs Ex-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Er ist in Lank aufgewachsen, lebt jetzt in Köln und sagt lachend: "Ich muss aufpassen, dass ich beim Kölsch sprechen nicht ins Länker Platt verfalle."

Im Gespräch: Norbert Walter-Borjans (l.) und Franz-Josef Radmacher FOTO: Hans-Juergen Bauer

Damit haben Peter und Elisabeth Bremes, Andreas und Maria Maaßen sowie Hans und Isolde Struckers keine Probleme. Sie leben in Bösinghoven und erinnern sich, dass früher zu Hause vorwiegend Mundart gesprochen wurde. "Für meinen Vater gab es nur das Platt. Aber meine Mutter bemühte sich, Hochdeutsch zu sprechen, damit die Kinder das lernen", erzählt Maria Maaßen aus dem Leben im landwirtschaftlichen Betrieb. In den Familien Bremes und Struckers war es ähnlich: "In der Schule lernten wir Hochdeutsch. Es ist ganz toll, dass wir beim Stammtisch Mundart sprechen können. Deshalb sind wir regelmäßig dabei." Auch Anne und Dietmar Neukirchen kommen gern, um Toups und anderen Vorlesern wie Jürgen Fallack zuzuhören: "Heimat ist, wo man sich wohlfühlt. Wir kennen fast alle, die hierher kommen." Dietmar Neukirchen ist in Lank geboren und mit Mundart groß geworden: "Selbst unsere Freunde, die in Loose Creek, Missouri, leben, haben das Platt nicht verlernt.

Damit bleiben sie der Heimat verbunden. Wenn sie zu uns nach Lank kommen und wir suchen erinnerungsbeladene Orte auf, fließt das eine oder andere Tränchen." Dem Lanker Willi Schäfer aber sind die heimischen Orte täglich und eng vertraut. Er ist seit den Mundartstammtisch-Anfängen in den 1970er Jahren bei "Küppers" dabei: "Damals waren wir höchsten zu acht." Bis heute ist er dem Stammtisch treu geblieben: "Viele der Mundart-Ausdrücke gehen verloren. Hier kann ich sie auffrischen." Schäfer ist 1934 in Latum geboren, liebt die Heimat und vor allem den freien Blick außerhalb des Orts: "Richtung Nierst war früher alles nur Feld." Regina Spoerle hat diese Veränderungen ebenfalls mitgemacht. Sie ist eine "Zugereiste", kam 1974 nach Lank-Latum, fühlt sich hier Zuhause: "Deshalb komme ich zum Stammtisch - obwohl ich nicht viel vom Platt verstehe. Das ist etwas für diejenigen, die hier geboren sind." Für Johannes Toups brachte sie zum Vierzigsten eine Flasche Grauburgunder mit, die sich "mundart" nennt. Der 83-jährige Platt-Spezialist wird sie in Ehren halten und hofft, dass er die gleiche Amtszeit wie Karl Münks erreicht: "Er hat nach elfeinhalb Jahren und dem 45. Mundartstammtisch Schluss gemacht."

Quelle: RP
 
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