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Meerbusch
Der Mega-Hänger

Düsseldorf. Für Meerbusch war es rekordverdächtig: Mit einem Gewicht von 733 Tonnen und einer Länge von 82 Metern schleppte sich ein Schwertransport in der Nacht zu gestern im Schritttempo durch die Stadt. Von Alexander Ruth

Ein Knistern und Knacken erfüllt die Luft. Osterath: 23.30 Uhr. Standort: die alte Bacher-Villa. Direkt neben dem Gasthof "Im Pferdestall" verwandelt sich das Schwarz der Nacht in einen blau-orangenen Lichtermix. Die Straße ist von der Polizei gesperrt. Verkehrsschilder und Wegpfosten liegen abmontiert am Straßenrand. Der Grund: Von der Osterather Westumgehung L154 schwenkt der vielleicht größte Schwertransport Meerbuschs mit einer Länge von 82 Metern auf die Krefelder Straße ein, um sich seinen Weg nach Lörick zu suchen. Dabei rollen die Räder knirschend über Holzplanken, die die Straßeninsel der Ampelanlage schützen.

Mit einem Gesamtgewicht von 733,5 Tonnen ziehen und schieben zwei 530 PS starke Zugmaschinen eine so genannte Tragschnabelkonstruktion. Einen 450 Tonnen schweren Trafo bringen die Experten für Schwerlasttransporte der Essener Firma "Westfracht" von Mönchengladbach über Meerbusch nach Hamburg. "Der ist für ein Kraftwerk. Mehr dürfen wir nicht verraten", sagt Transportleiter Olaf Weltz.

Weitere Zugmaschinen zur Reserve folgen mit 600 und 430 PS. Aus zwei Plattformen mit jeweils 15 Achsen à acht Rädern besteht die Tragschnabelkonstruktion, in deren Mitte der Trafo zu schweben scheint. "Das ist auch in meiner Karriere die größte Last, deren Transport ich leite", erklärt Olaf Weltz, der seit 15 Jahren in dem Geschäft tätig ist. "Auch ich fahre selten so was Schweres", ruft der Fahrer der ersten Zugmaschine, Edmund Nussbaum, aus dem Führerhaus.

Schilder abschrauben

Weiter vorne am Osterather Bahnübergang, Ecke Meerbuscher Straße ist das Abbau-Team um Josef Bartnik zugange. "Wir müssen das Schild abschrauben und rausheben", sagt der Fachmann. Mit einem Kranwagen zieht der sechsköpfige Trupp das große Straßenschild, das auf das Osterather Parkleitsystem verweist, aus der abgeschraubten Verankerung. "Wenn der Trafo da ist, stoppt die Bahn den Verkehr, bis wir drüber sind", erklärt Bartnik. Die Hochleitungen werden abgeschaltet, die durch Osterath führenden Bahn-Verbindungen zeitweise eingestellt. Langsam nähert sich der Schwertransport, passiert die Gleise und macht sich auf den Weg gen Büderich. Alles kein Problem.

"Für uns sperrt die Polizei gleich die Autobahn", kündet Leiter Olaf Weltz an. Denn für die Boverter Brücke ist die Konstruktion zu hoch. Der Schwertransport fährt die Auffahrt Richtung Köln hoch, wendet die Zugmaschinen und verlässt die A57 wieder.

Auf der Büdericher Dorfstraße legen die Schwerlast-Experten noch Metallplatten auf den Gehwegen aus und bauen die Geländer der Straßenbahn Haltestelle "Am Landskecht" ab, um dann Meerbusch wieder zu verlassen. Jetzt ist der Weg frei für die Verladung aufs Schiff in Lörick.

Quelle: RP
 
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