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Meerbusch
Der Nierster Narrenticker

Meerbusch. Die Vorstandsberatung am Morgen bringt schnell ein einvernehmliches Ergebnis: Wir ziehen! ++++ Polizist Bernd Wolters meldet: "Keine besonderen Zwischenfälle" ++++ Pajas Ingmar sammelt Wurst ein +++ Das Piratenschiff gewinnt die Prämierung. Von Sebastian Peters

9.05 Uhr: Sturmwarnung. Vorstandsberatung der KG Kött on Kleen. "Es musste nicht lange diskutiert werden. Wir waren uns relativ schnell einig, dass wir ziehen werden", sagt Florian Neuhausen, Pressesprecher der Karnevalsgesellschaft später. Spontan entscheidet der Karnevalsrat: Neesch, Helau.

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9.15 Uhr Schon wenige Minuten später setzt sich der Narrenwurm im Dorf in Bewegung. Über die Stratumer Straße geht es nach links in die Lanker Straße ins Neubaugebiet. Ganz vorne Pajas Ingmar Weidemann, dessen besonderer Job es ist, an jedem Haus eine Wurst einzusammeln. Die haben die Bewohner zuvor alle im Dorfladen "Stratumer 70" bestellt. Geniales Prinzip: Jeder Wurstspender erhält eine Wurstmarke, die er am Abend im Festzelt einlösen kann. Dort wird die Fleischware verarbeitet wieder an die Spender verteilt.

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9.40 Uhr: Der Zug biegt ins Neubaugebiet ein. Laute Karnevalsmusik. Ja, wenn dat Trömmelche jeht. "Wir sind einfach nur froh, dass alles klappt", sagt Florian Neuhausen.

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9.50 Uhr: "Keine Zwischenfälle", meldet Polizist Bernd Wolters (49). Er ist selbst Mitglied eines Wagenbauerteams, darf aber in diesem Jahr erstmals seit 30 Jahren nicht selbst mitziehen. Die Pflicht ruft, einer muss schließlich den Zug bewachen. "Das ist halt so", sagt Wolters. Er sei vor Kurzem in die Wache in Lank gewechselt und müsse nun eben in seinem Heimatdorf Nierst auf den ordnungsgemäßen Verlauf aufpassen. Seine Freunde aus dem Wagenbauteam haben aber ihm zuliebe einen speziellen Wagen gebaut. "Dorfsheriff" steht da drauf, drinnen gibt es sogar eine echte Zelle. "Ich weiß nicht, was mir heute noch blüht, vielleicht werde ich irgendwann noch eingesperrt", scherzt Wolters.

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10 Uhr: Eine Fußgruppe mit südamerikanisch aussehenden jungen Männern kommt an der Ecke Lanker/Stratumer Straße vorbei. Sie nennen sich "Fußgruppe Abel", benannt nach ihrem Gründer und Ehrenvorsitzenden Georg Abel. Anlässlich der Ponchos, die sie sich umgelegt haben, lautet ihr sinnfreies Motto: "Ich Peru, und Du?" Georg Abel jedenfalls ist stolz, dass in Nierst gezogen wird, während anderswo der Zug abgesagt wurde. "Hier muss schon viel passieren, damit der Zug ausfällt."

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10.20 Uhr: Die erste Runde des Zuges ist geschafft. Für die Karnevalisten bedeutet das allerdings noch nicht das Ende: Jetzt machen die Wagen an der Gaststätte Zum Hasen in Nierst Halt. Die Karnevalisten stärkten sich. Zugführer Heiner Stammen ruft laut sein "Neesch, Helau". Und Prinz Philipp im Rollstuhl sagt: "Ich bin stolz auf die Nierster, dass sie heute ziehen." Was aus seinem Kreuzbandriss wird, sei ihm in diesen Minuten erst einmal egal. "Der Arzt hat gesagt, ich solle erst einmal Karneval feiern und danach würden wir weitersehen."

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10.30 Uhr: Jetzt geht es ab auf die Meerbuscher Bauernhöfe - Werthhof, Danielshof. Auch dort sammelt Pajas Ingmar Weidemann Wurst. Und man wird Zeuge einer spektakulären Prozedur: Die Bauernhöfe stellen alle Tische raus, auf die sich der Pajas im Clownkostüm legt. Fahnenschwenker Thomas Rössler steht ebenfalls auf dem Tisch und schwenkt über dem Pajas die Fahne. "Noch läuft das hier zivilisiert ab, zu späterer Stunde kann es auch schon mal sein, dass andere mit auf den Tisch steigen. Wir haben hier auch schon Tische brechen sehen", sagt Florian Neuhausen. Acht Bauernhöfe werden insgesamt angesteuert.

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13 Uhr: Pause, die Karnevalisten stärken sich. "Erste Etappe gut gelaufen", sagt Neuhausen zufrieden.

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14 Uhr: Alles eitel Sonnenschein, die Karnevalisten ziehen weiter, einige jetzt schon deutlich geschwächt. Noch einige Bauernhöfe stehen auf dem Programm - und immer die gleiche Prozedur: Pajas auf den Tisch, Fahnenschwenken, Schnäpse. So bleibt es bis zum Ende. "Wir Nierster haben richtig entschieden", bilanziert Karnevalspräsident Andreas Bongartz.

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20 Uhr: Der Ball im Festzelt beginnt, hier werden auch die besten Wagen prämiert. Alle Teilnehmer wählen sich untereinander. Es gewinnt am Ende das Piratenschiff der Strohhutbande (Gruppe Grefen), vor dem Brauwagen "Neeschter Tömmelöte Bräu" (Gruppe Bongartz) und dem Jubiläumszug "Die Lokführer" (Gruppe Heesen).

Quelle: RP
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