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Meerbusch
Der Schlag des Lebens

Meerbusch: Der Schlag des Lebens
"Der passt, der passt" - Golfparkchef Bernhard Lindenbuß (r.) mit RP-Autor Sebastian Peters auf der Platzanlage. Wir sehen den Moment eines erfolgreichen Schlages - der Ball rechts daneben war noch vom Schlag vorher (ganz ehrlich!). FOTO: UD
Meerbusch. Unser Autor hatte noch nie Golf gespielt, bis er in der vergangenen Woche auf Putting Green des Golfparks Meerbusch stand. Was dort passierte, hat ihn manches Klischee über Golf vergessen lassen. Und jetzt? Von Sebastian Peters

Dies sollte eine Geschichte vom Scheitern werden, die Geschichte eines Mannes, der beim Minigolf regelmäßig Wutanfälle bekommt, der Golf ohnehin nicht für eine Sportart hält, der sich dann auf den großen Golfplatz in Meerbusch wagt und dort so katastrophal versagt, dass er sich in seiner Meinung über diesen Zeitvertreib namens Golf auf ewig bestätigt sieht. Kurzum: Dies hätte eine Geschichte werden können, in der alle Klischees, die es jemals vom Golf gab, auf ganz billige Weise bestätigt werden. Doch dann steht der Autor an einem sonnigen Mittwochmorgen im Goldpark Meerbusch am ersten Putting Green und legt einen Schlag hin, den ihm niemand, am wenigsten er selbst, zugetraut hätte. "Naturtalent" wird Golfclub-Chef Bernhard Lindenbuß kurz danach sagen. Und erst auf dem Heimweg denken wir darüber nach, dass dies auch eine clevere Akquisestrategie eines um Mitglieder bemühten Geschäftsmannes gewesen sein könnte.

Für den morgigen Sonntag lädt der Golfpark Meerbusch zum Erlebnistag ein. Freunde, Verwandte und Bekannte der Mitglieder sind auf die Anlage geladen und dürfen austesten, wie groß ihr Talent ist, den kleinen weißen Ball in das immer viel zu kleine Loch zu schlagen. Bernhard Lindenbuß sagt: "Wer es einmal ausprobiert hat, der wird merken, wie anstrengend Golfspielen ist." Es gehe ihm an diesem Tag nicht darum, sofort neue Mitglieder zu gewinnen. Er wolle Menschen erst einmal für den Sport begeistern. "Ob die dann irgendwann auch zu uns kommen, ist eine ganz andere Frage."

Lindenbuß fordert den Autor zu einem kleinen Duell heraus: Wir spielen keine große Runde auf der 18-Loch-Anlage, sondern üben nur einige Schläge auf dem kurz geschorenen Grün. Erstes Loch, der Golfball liegt etwa zehn Meter entfernt. Der Chef selbst schlägt gekonnt in die Nähe des Lochs und sagt: "Jetzt versuchen Sie mal. Leicht in die Hocke, Schläger ein Drittel ausholen, zwei Drittel ausschwingen." Der Ball rollt los, er scheint kurz zu verhungern, nimmt aber zielstrebig Kurs auf das Loch. Lindenbuß ruft schon: "Der passt, der passt." Einen Augenblick später fällt der Ball wirklich rein. Ein erhabenes Gefühl, ein großartiger Moment. "Spüren Sie den Kick?", fragt er. Er weiß in diesem Moment, dass er seinen Spielpartner bei der Ehre gepackt hat.

820 Mitglieder hat der Meerbuscher Golfclub, dessen bildschön gelegene Platzanlage 20 Jahre auf dem Buckel hat. Ein paar Promis haben hier schon gespielt, Elke Sommer, Michael Ballack; auch einige der jetzt in Meerbusch lebenden Prominenten werden hier manchmal gesehen. "Die wollen aber hier nicht die große Bühne, die kommen für den Sport", sagt Lindenbuß. Beliebt sei die Anlage zudem bei Koreanern, die in Düsseldorf und Umgebung leben. Sie kämen teilweise schon morgens ab 6.30 Uhr und strömten auf die Anlage, wenn das Greenkeeper-Team von Kai Thiesen (42) mit seiner Arbeit fertig ist. Bis neun Uhr dürfen auch Nicht-Mitglieder spielen, danach ist die 54 Hektar große Anlage Clubmitgliedern vorbehalten. 1860 Euro Jahresbeitrag zahlt man in Meerbusch. "Manche sagen, das sei viel, aber wenn man dann überlegt, dass man das ganze Jahr Golfspielen kann, relativiert sich der Preis. Man muss bedenken, dass andere für dieses Geld in den Skiurlaub fahren", argumentiert Lindenbuß.

72 Schläge sind für die 18 Löcher vorgesehen - aber nur für den Profi mit Handicap 0. "Anfänger bekommen 54 Schläge oben drauf", erklärt Lindenbuß, der selbst mit 88 Schlägen seine beste Runde dort spielte. Den Platzrekord hält der Golfprofi Martin Kaymer: 66 Schläge, sechs weniger als vorgesehen. Er kam als junger Mann nach Meerbusch, weil er Lindenbuß kannte. "Kann ich bei Euch mal mitspielen?", fragte Kaymer. Lindenbuß sagte ihm vorher am Telefon noch, dass der Platz witterungsbedingt nicht im Optimalzustand sei. "Egal, ich will nur spielen", sagte Kaymer, und haute dann diese sensationelle Runde raus, von der der Geschäftsführer noch heute schwärmt.

Steht jetzt hier der neue Martin Kaymer vor ihm? Der nächste Schlag, wieder zehn Meter Entfernung. Die Hände schwitzen, die Knie zittern. Jetzt gilt es, die Bombenform zu bestätigen. Doch dann die Ernüchterung: Der Ball kullert fast tranig am Loch vorbei. Ein weiterer "Hole-in-One" will einfach nicht gelingen.

Der Autor ist zwar jetzt angefixt. Er kann sich sogar vorstellen, irgendwann in diesem Leben, wenn mehr Zeit und genug Geld da ist, einen Teil des Rentnerdaseins auf dem Golfplatz zu verbringen. Vielleicht aber sollte er aus diesem Morgen auch andere Schlüsse ziehen: Immer auf dem Höhepunkt der Karriere aufhören!

Quelle: RP
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