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Ostern 2016
Die Doppeltaufe

Ostern 2016: Die Doppeltaufe
Katjana Pauls hat sich gemeinsam mit ihrer Tochter Mila Carlotta von Pfarrerin Heike Gabernig taufen lassen. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Mit 21 Jahren hat sich Katjana Pauls taufen lassen - mit ihrer kleinen Mila Carlotta. "Ich habe Denkanstöße bekommen." Von Falk Janning

Der feierliche Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Lank nähert sich seinem Höhepunkt. Katjana Pauls war schon am Abend vorher unglaublich nervös. Und nun erst während des Gottesdienstes! Die 21-Jährige aus Lank lässt sich und ihre sieben Monate junge Tochter Mila Carlotta taufen. Orgelmusik ertönt, sie tritt von der Holzbank nach vorne zu Heike Gabernig. Die Pfarrerin zeichnet ihr das Kreuz auf die Stirn und spendet das Sakrament der Taufe, indem sie Wasser über ihre Stirn gießt und dabei die Worte spricht: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Katjana Pauls spricht nun ihr Glaubensbekenntnis. Erst jetzt gilt sie als vollwertige Christin, mit allem, was dazugehört.

Dann wird auch die Tochter getauft. Und Katjans Pauls erzählt ihre Geschichte dazu. Darin spricht die noch ungeborene Tochter in ihrem Bauch mit Gott, und der antwortet: "Es wird ein Engel auf dich warten. Der Engel heißt Mama." Nach dem Gottesdienst geben Freunde und Verwandte ihr noch ihre Segenswünsche mit auf den Weg - und die junge Frau zeigt ein strahlendes Lachen. "Ich war tierisch aufgeregt, meine Knie haben gezittert und mein Herz wie wild gepocht", erzählt sie. Sie spürt nun neben der Erleichterung, dass alles geklappt hat, auch ein kraftvolles und starkes Gefühl von Ehrfurcht. Ihren Eltern ist sie dankbar, dass sie sie als Baby nicht getauft wurde. "Sie wollten, dass ich selbst über meine Religion entscheide." Die Eltern Hariet und Arno sind stolz auf ihre Tochter. "Sie haben Luftsprünge gemacht, als ich ihnen von meinem Entschluss erzählte, mich taufen zu lassen", sagt sie.

Die Geburt ihres Kindes hat Katjana Pauls dazu gebracht, sich im Erwachsenenalter selbst taufen zu lassen. "Es war eine schwierige Schwangerschaft", sagt die alleinerziehende Mutter. "Ich habe nach etwas gesucht, an dem ich mich festhalten kann, was mich auffängt, wenn ich nicht mehr weiterweiß." Auf die Frage, ob sie sich jetzt sicherer fühle, antwortet sie: "Ja, ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Es ist etwas Lebendiges, das in mir ist und mich Tag für Tag aus dem Verborgenen unterstützt." Sie habe jetzt das Gefühl, kraftvoller ihren Weg gehen zu können. Es gibt Halt. Sie lebe vieles bewusster, nehme es auch bewusster wahr, reflektiere mehr. "Ich bin jetzt nicht ein anderer Mensch, aber ich habe Denkanstöße bekommen." Sie hat während der Schwangerschaft nicht nur beschlossen, sich selbst taufen lassen, sondern auch ihr Kind. "Ich wollte ein Vorbild für Mila Carlotta sein. Das ist ein ganz wichtiger Moment in meinem Leben. Ich glaube an Gott." Wie ein guter Christ lebt, was er zu tun und lassen hat, musste sie vor der Taufe erst lernen. Gemeinsam mit Heike Gabernig erarbeitetet sie sich in ihrem Wohnzimmer das Christentum. Die Pfarrerin hat im Vorfeld mehrere Wochen lang intensive Gespräche über Gott und die Welt mit der 21-Jährigen geführt. "Schließlich wird man in der Taufe in die evangelische Kirche aufgenommen, und bekennt sich dabei zu seinem Glauben - da muss man auch wissen, was das eigentlich ist", so Heike Gabernig.

Ihre Umwelt habe die Taufe akzeptiert. Es gab aber schon auch die Frage, wie das denn komme, sie sei doch bisher auch ohne Glauben klargekommen. "Ich habe das eben gebraucht."

Quelle: RP
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