| 00.00 Uhr

Meerbusch
Die Feuerzangenbowle

Meerbusch: Die Feuerzangenbowle
"Jeder nor einen wönzigen Schlock!" RP-Redaktionskoordinator Martin Röse mit den geladenen Gästen (von links): Stefan Weitz, Schulleiter Christian Gutjahr-Dölls, Robert Mertens, Jessica Schadlu, Elke Pilz-Lengrüßer, Daniel Meffert und im Hintergrund Carolin Bahners. FOTO: Christoph Reichwein/RP-Archiv: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Tausende Meerbuscher haben am Mataré-Gymnasium in Büderich ihr Abitur gemacht. Unsere Zeitung lud RP-Leser ein, bei einer Feuerzangenbowle in der Aula über alte Zeiten zu plaudern Von Martin Röse

Es ist die Nase, die dem Gehirn diesen Streich spielt. Kaum, dass sie diesen charakteristischen Geruch in der Eingangshalle des Mataré-Gymnasiums wahrnimmt, verschwimmen die Jahre, die einen vom Schulbesuch trennten, lösen sich in Luft auf. Das Proust-Phänomen. Ist es das Putzmittel? Frank Baumgarte schnüffelt. 1984 hat er am Mataré-Gymnasium Abitur gemacht. Und war der erste, der sich auf die exklusive Einladung unserer Zeitung für sieben RP-Leser bewarb - zur Feuerzangenbowle an die alte Schule.

Wolfgang Gewaltig hieß der mittlerweile verstorbene Schuldirektor, als Elke Pilz-Lengrüßer 1981 mit dem Reifezeugnis das Büdericher Gymnasium verließ, Andreas Heumann, als Carolin Bahners zehn Jahre später ihr Abitur machte, Jörg Winterwerb, als Stefan Weitz sein Reifezeugnis erhielt.

Generationen von Schülern verbrachten prägende Jahre in diesem Gebäude: das Mataré-Gymnasium. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Winterwerbs Nachfolger Christian Gutjahr-Dölls, seit anderthalb Jahren Leiter der Europaschule, begrüßt die Gäste in ihrer alten Schule, lädt zur Führung durch die Räume ein. Als erstes: in die Aula.

Während der Alkohol aus dem erhitzten Rotwein strömt, blicken sich die sieben ehemaligen Schüler um. Pilz-Lengrüßer weist auf die Dehnungsfugen im Boden hin. "Die sind nötig, weil die Schule einst auf einer Müllkippe errichtet wurde und im Laufe der Jahre abgesackt ist." Baumgarte, dessen Tochter vor zwei Jahren ihr Abi am Mataré machte, war mal Chefredakteur der Schülerzeitung "Trümmerhaufen". "Die haben wir so genannt, weil der Neubau mit seinen Gipskartonwänden schon nach wenigen Jahren wie ein Trümmerhaufen wirkte." Er freut sich, Daniel Meffert zu treffen - der ein Jahrzehnt später die Schülerzeitung leitete. Als Meffert bei einer Filmpremiere mal Dennis Hopper traf, brachte er den Hollywoodstar dazu, in einer Videobotschaft seine Lehrerin zu grüßen. "An dem Namen ,Albrecht-Dohmke' wäre Hopper beinahe verzweifelt."

Weiter geht's durch die Eingangshalle. Die Holzeinhausungen an den Stelen sind seit einer Asbestsanierung verschwunden. Gutjahr-Dölls führt in den Spindraum. Robert Mertens erinnert sich an einen Schülerstreich, bei dem sämtliche Spinde mit Bauschaum verschlossen wurden. Der Täter konnte damals schnell überführt werden, weil nur sein Spind noch zu öffnen war. "Damit hatte ich aber nichts zu tun", betont Mertens. Auf sein Konto ging nur der Zitronensaft auf einer Tafel. Die Folge: ein ohrenbetäubendes Quietschen. "Oh, die Tafel!", sagt Gutjahr-Dölls und grinst breit. Ganz weggegangen ist die Wirkung des Zitronensaftes wohl nie.

"Mit der Schule ist es wie mit der Medizin. Sie muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts", heißt es in dem Film "Die Feuerzangenbowle". Das sieht Pilz-Lengrüßer anders. "Ich hatte eine schöne Schulzeit am Mataré-Gymnasium. Die Lehrer waren authentisch, hatten Ecken und Kanten." Viele 68er seien in der Anfangszeit des Mataré-Gymnasiums im Kollegium gewesen. "Der Lehrerberuf war für sie kein Job, sondern Berufung." An politisch aufgeladene Zeiten kann sich auch Frank Baumgarte noch gut erinnern. "Die Debatte zur Nato-Nachrüstung war kurz vor unserem Abitur." Sitzstreiks gab es damals, auf dem Schulhof. Gutjahr-Dölls führt in den ehemaligen Oberstufenraum, in dem einst angegammelte Sofas standen, durch die Rauschwaden kaum zu erkennen. Heute unvorstellbar, dass an einer Schule mal geraucht wurde. Ikea-Möbel stehen im Raum, in dem die Schüler nachmittags betreut werden. Alles sieht so sauber aus. Zeit, Rum auf den Zuckerhut zu gießen.

Diese Schule, seine Lehrer haben die sieben Meerbuscher geprägt. "Ich bekam in der neunten Klasse Herrn Nowitzki, der mich für Mathe und Physik begeistert hat", erzählt Mertens. Später studierte er Maschinenbau in Aachen, arbeitet heute bei Siemens. Pilz-Lengrüßer hatte Bio im Abi ("bei Richter G"), ist heute Ärztin. Fächer sind das eine, das andere sind soziale Kontakte, die Freundschaften, die - wenn alles gut läuft - die Schulzeit überdauern. Jessica Schadlu schaut Frank Baumgarte an. Beide haben zusammen Abi am Mataré-Gymnasium gemacht. Und sind 31 Jahre später ein Paar.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Meerbusch: Die Feuerzangenbowle


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.