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Meerbusch
Die große Rheinfähren-Radtour

Meerbusch: Die große Rheinfähren-Radtour
Rechts- und linksrheinisch jeweils rund 40 Kilometer führt unsere Tour meistens direkt am Rhein entlang. Der Routenplaner von Google gibt im Radfahrmodus für die insgesamt rund 80 Kilometer eine Fahrtzeit von gut vier Stunden an. FOTO: Andreas Endermann
Meerbusch. In Zons und Kaiserswerth setzen Fähren Radfahrer über den Rhein - auf zur Rundfahrt Düsseldorf -Neuss -Meerbusch Von Christian Herrendorf und Jascha Huschauer

Von der Rheinfährte in Langst-Kierst, einem der schönsten Fleckchen Meerbuschs, setzen wir zum Start unserer Fahrt nach Kaiserswerth über. Hier gibt es gleich zwei Gründe, (noch) nicht loszufahren: die schönen Biergärten in der Nähe des Fähranlegers und die Kaiserpfalz, jene Ruine, deren Geschichte mehr als 1300 Jahre zurückreicht. Wann immer es dann losgeht, werden die Radfahrer mit reichlich Rhein belohnt. Von Kaiserswerth aus sind sie lange auf dem Deich unterwegs, die nächsten Sehenswürdigkeiten liegen jeweils links des Weges: der Flughafen, die Arena, der Nordpark. Bei letzterem rückt die Düsseldorfer Innenstadt schon erkennbar näher.

Die Radler erhalten auf ihren Wegen nun mehr Konkurrenz, im Rheinpark durch Jogger, Herrchen und Frauchen, an der Rheinuferpromenade durch Spaziergänger, Inlineskater und Altstadtbesucher. Zum Genießen ist dieser Teil der Strecke nur, wenn man schiebt oder das Rad gleich ganz abstellt und die (nächste) Pause einlegt.

Erst auf Höhe der Rheinkniebrücke wird es wieder ruhiger. Dort hören die beliebtesten Schlenderrouten der Landeshauptstädter auf, an Landtag und Rheinturm sind die Fahrradfahrer schon wieder in der Mehrheit. Düsseldorfs heimliche Wahrzeichen, die Gehrybauten, schauen sie sich auf unserer Route von einer geschickten Position aus an. Sie fahren nämlich nicht in den Medienhafen, sondern auf der anderen Seite des Beckens über die Brücke Richtung Paradiesstrand.

Mit jedem Meter wird die Strecke entspannter, ein Blick auf das neue Gaskraftwerk auf der Lausward beansprucht noch einmal kurz ein bisschen Aufmerksamkeit, ansonsten gibt es ausschließlich Wiesen und Rhein und Ruhe. Die Stadtteile sind auf diesem Abschnitt recht ländlich, erst die A 46 auf der Fleher Brücke erinnert wieder an die Großstadt. Und prompt entfernt sich der Weg vom Rhein. Am Wasserwerk nähert sich die Strecke der Münchener Straße an, der Fluss ist auf den folgenden Kilometern immer eher zu erahnen als zu sehen. Die gute Nachricht: Das Ganze ist eine Abkürzung. Durch Himmelgeist und Itter (unter anderem mit dem hübschen Schloss Mickeln) sowie die Straße "Am Trippelsberg" geht es recht zügig Richtung Benrath.

Am Punkt "Schöne Aussicht" (Bonner Straße) berührt die Tour wieder den Rhein. Das bedeutet für die Fahrer eine schwere Entscheidung: Bleiben sie dicht am Wasser und werfen nur einen fernen Blick auf das bekannteste Düsseldorfer Barockgebäude oder fahren sie doch in den Stadtteil zum einstigen Lust- und Jagdschlosses des Kurfürsten Karl Theodor? Auf dessen Höhe befinden sich noch einmal ein paar schöne Einkehr- und Ausspann-Möglichkeiten, die letzten bis zur Fähre.

Das letzte Stück der Tour auf Düsseldorfer Boden ist das schönste. Vom Benrather Schlossufer geht es hinein in die die Felder und die Urdenbacher Kämpe, auf eine Straße, die praktischer Weise schon "Am Ausleger" heißt. Vor der Fähre zwischen Urdenbach und Zons gibt es dann - offensichtlich guter Düsseldorfer Brauch - wieder einen guten Grund, nicht los- beziehungsweise weiterzufahren: Noch einen Biergarten.

Auf der linken Rheinseite angekommen, bietet sich gleich die erste Gelegenheit, von der Route abzuweichen. Eigentlich sieht die Streckenführung eine Fahrt über den Deich Richtung Stürzelberg vor. Wer dort noch nicht war, sollte aber einen Abstecher ins alt-ehrwürdige Zons machen. Eine derart gut erhaltene, befestigte mittelalterliche Stadt findet sich kaum ein zweites Mal im Rheinland. Mit Schloss Friedestrom, Freilichtbühne, Kreismuseum und internationalem Mundartarchiv hat Zons einiges zu bieten. Besonders beeindruckend ist der im Jahr 1388 erbaute Rheinturm.

Egal ob mit oder ohne Zons-Besuch: Jetzt geht es flußabwärts den Rhein entlang. Schneller zu sein als die Schiffe, wird jetzt also eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Strecke führt entlang des Zonser Grind. Kühe, Schafe und ein Camping-Platz säumen den Weg. Aber mit dem Chempark, Hydro und dem Neusser Hafen tauchen die großen Industrie-Arbeitgeber im Rhein-Kreis auch immer mal wieder im Sichtfeld auf.

Kurz vor Uedesheim gibt es ein kurzes Stück nahe der Landstraße, bis der Rhein wieder eine Biegung macht. Hier beginnt das Neusser Stadtgebiet. Alleine während der Fahrt durch die Quirinus-Stadt lässt sich die Mischung aus Großstadt und beschaulichen Vororten gut erahnen. An Uedesheim vorbei geht es wieder über den Deich durch das Naturschutzgebiet Rheinbogen. Immer am Rhein entlang führt der Weg zur Erftmündung kurz vor dem Sporthafen. Hier erinnert den Radler ein kleiner Stein an den Beginn des Neusser Heimatliedes: "Dort wo die Erft den Rhein begrüßt, einst meine Wiege stand." Weiter heißt es in dem Lied übrigens: "Wo stolz Quirin den Himmel misst, da ist mein Heimatland." Klar, dass die Fahrt das Quirinus-Münster als nächstes zum Ziel haben muss. Leider lässt es sich dabei nicht ganz vermeiden, in den Neusser Stadtverkehr eintauchen zu müssen. Am besten geht das über die Nordkanalallee und den Stadtpark.

Bald rückt das Wahrzeichen der Stadt Neuss in den Blickpunkt: St. Quirin, eine der bedeutendsten Kirchen am Niederrhein. Im Schatten der Basilika gibt es zahlreiche Gelegenheiten, neue Kraft für den letzten Teil der Tour zu sammeln. Etwa in einem der Cafés auf dem Neusser Marktplatz. Freunde eines guten Altbiers werden auf der Michaelstraße "Im Dom" fündig. Hier wird seit über 400 Jahren nach altem Familienrezept gebraut.

Nochmal führt die Strecke durch den Stadtverkehr in Richtung Nordkanal. Entlang der Bahnstrecke geht es durch den Stadtwald Richtung Kaarst und am Jröne Meerke vorbei, der grünen Lunge der Neusser Nordstadt. Kaarst kommt in den Blick, doch wird die Stadt links liegen gelassen. Stattdessen geht es über Felder und unter der A 52 hindurch nach Meerbusch. Einige Zeit bleibt die A57 in Sichtweite. Auf den Feldwegen ist ein kleiner Zick-Zack-Kurs nötig. Wer dabei einfach nach Gefühl fährt, macht nichts verkehrt. Freunde von Flugzeugen kommen auf diesem Stück voll auf ihre Kosten, denn sie sind jetzt in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens - und können mit etwas Glück auch einen A 380 von unten bestaunen. Dass Meerbusch die wohlhabendste Stadt im Kreis ist, lässt sich auch während der Radtour erahnen. Nicht nur der Golfclub Meerbusch zeigt das an. läutet das ein. Nach der landschaftlich wieder sehr schönen Fahrt zurück zum Rhein und über den Deich zeigt sich das auch an den Häusern in Langst-Kierst. Autos, Gärten und Grundstücke werden hier größer und schöner. Angekommen!

Quelle: RP
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