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Meerbusch
Die helfenden Hände der Therapieklinik

Meerbusch: Die helfenden Hände der Therapieklinik
Auch einmal über die Hand streicheln - Peter Megens und Gisela Ströter vom Besuchsdienst mit einem Patienten der St.-Mauritius-Therapieklinik in Osterath. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Sie hören zu, stehen den Patienten bei und sind da, wo sie gebraucht werden: Seit drei Jahren gibt es den Besuchsdienst der St.-Mauritius-Therapieklinik. Helfer berichten von ihrer ehrenamtlichen Arbeit Von Oliver Burwig

Manchmal reicht ein kurzes Gespräch, eine kleine Berührung an der Hand, um die Patienten der St. Mauritius Therapieklinik daran zu erinnern, dass sie nicht allein sind. Viele haben keine Angehörigen, andere wollen nicht von ihnen besucht werden, andere haben eine Familie, denen der Umgang mit der Krankheit zu schwer fällt. Hier kommt der Besuchsdienst "Helfende Hände" ins Spiel: Ehrenamtler, die sich um die Patienten kümmern, ihnen Gesprächspartner sind, mit ihnen spazieren gehen und ein offenes Ohr für Probleme haben, mit denen die Erkrankten ihre eigene Familie nicht belasten möchten.

Reiner Böhm arbeitete bis zum vergangenen Jahr als Regierungsangestellter. In der Zeitung lasen er und seine Frau Ulrike eine Annonce der Therapieklinik. "Ich wollte etwas mit Menschen machen, etwas ganz anderes", sagt Böhm. Zudem habe er als Rentner seiner Familie "nicht auf den Keks" gehen wollen. Einmal die Woche kommt das Ehepaar nun in die Klinik, besucht drei bis vier Patienten, geht mit ihnen spazieren und merkt, wie wichtig es für die Patienten ist, Gesprächspartner außerhalb von Klinik und Familie zu haben. "Eine Patientin meinte, dass sie sich gegenüber ihrem Sohn immer zurückhalt, um ihn nicht zu belasten", erzählt Ulrike Böhm. "Die Patienten können uns andere Sachen sagen als ihrer Familie." Das bestätigt auch Ehrenamtskoordinatorin Gisela Stolze: "Es geht nicht nur ums Einkaufen." Die Gespräche am Krankenbett oder mit den Erkrankten im Rollstuhl, das gegenseitige Kennenlernen stünden bei der Arbeit der Ehrenamtler im Vordergrund - Stolze spricht von einer "Befreiung" aus dem Klinikalltag. Man müsse den Menschen in ihrer "akuten Not beiseite stehen". Dies sei etwas, dass Angestellte des Krankenhauses nicht leisten können. "Für die persönlichen Belänge der Patienten ist absolut keine Zeit", sagt Stolze.

Die Klinik hat Glück: Begann der Besuchsdienst mit rund zehn Mitarbeitern, umfasst er mittlerweile schon 35 Ehrenamtler. Tendenz: steigend. "Die Arbeit ist sehr anstrengend", warnt Stolze. Dennoch funktioniere die Arbeit mit den zum Teil schwer körperlich und geistig erkrankten Menschen nicht ohne Hilfswillige, die den Schritt auf sie zu wagen. Nicht jeder, der zum Besuchsdienst kam, blieb auch dabei. Laut Stolze gebe es etwa ein Drittel der Besucher, denen die ehrenamtliche Arbeit nach einiger Zeit zu viel werde - trotz intensiver Schulung durch die Klinik und großen Rückhalt innerhalb der Gruppe der Ehrenamtler.

Es hilft, im bisherigen Leben schon Erfahrungen im Umgang mit kranken Menschen gesammelt zu haben. Peter Megens pflegte sieben Jahre seine Frau, ehe sie vor zwei Jahren verstarb. Noch während der Pflege entschied sich der mittlerweile 68-jährige, ehrenamtlich zu helfen. "Die Hilfe, die man anderen Menschen entgegenbringt, gibt einem auch selbst etwas", sagt Megens. Im Ehrenamt sieht der ehemalige Betriebsingenieur eine sinnvolle Tätigkeit für den Ruhestand: "Das ist interessanter, als zu Hause vor dem PC zu sitzen." Für das Ehepaar Böhme ist die Freude der Patienten Dank genug - auch, wenn einige von ihnen auf Distanz bestehen. "Ein Mann im Rollstuhl rückte im Gespräch immer wieder einen halben Meter zurück", sagt Reiner Böhme. "Beim vierten Mal habe ich mich dann auch mit einem ,Gute Besserung' verabschiedet." Seine Frau Ulrike sieht die Nähe zum Patienten dennoch als wichtig an: "Gerade ältere Leute haben in der Pflege oft wenig menschlichen Kontakt", sagt Böhme. Berührungen wie ein Streichen über die Hand oder das Gesicht seien etwas, das viele Patienten "genießen".

Quelle: RP
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