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Meerbusch
Die leidenschaftliche Trödlerfamilie

Meerbusch: Die leidenschaftliche Trödlerfamilie
Der Trödelmarkt an Haus Meer ist für Holger, Brunhilde und Heinz Trometer (v.l.) ein besonders familiärer Markt. Es wird viel geplaudert und zu entdecken gibt es auch immer wieder kleine Schätze. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Seit mehr als 20 Jahren wird der Flohmarkt gegenüber von Haus Meer von dem Ehepaar Trometer geleitet. Nun hat ihr Sohn Holger die Organisation übernommen. Die Familie legt Wert auf traditionellen Charakter: Neuware ist nicht erlaubt Von Maike Billen

Es ist frisch am Sonntag, aber die Sonne scheint über dem Parkplatz gegenüber von Haus Meer - gutes Wetter für den ersten Trödelmarkt im neuen Jahr. Zahlreiche Besucher schlendern an Porzellan, Vinylplatten, Buddha-Statuen oder Puzzle vorbei. Es wird gestöbert und gefeilscht. Mittendrin zwei Aufseher in Signaljacken: Holger Trometer und seine Mutter Brunhilde. Vater Heinz Trometer ist auf Tuchfühlung mit den Händlern. Das Ehepaar veranstaltete mehr als 20 Jahre den Flohmarkt in Meerbusch. Doch nun ist Schluss für die Eltern Trometer. Seit Sonntag hat der Sohn das Geschäft übernommen.

Angefangen hat die Trödler-Karriere von Holger Trometer als Jugendlicher mit Cola-Dosen. "Mit meinem Taschengeld kaufte ich mir außerdem einen Klapptisch", erzählt der heute 42-Jährige. Damals stellte er sich auf einen Trödelmarkt und ordnete die Dosen wie eine Pyramide - der Verkauf konnte losgehen. "Ich bring dir jetzt kaufmännisches Rechnen bei", hatte Vater Heinz gesagt - zu dem Jungen, der so seine Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten hatten. Es war Nachhilfe mit Cola.

1983 starteten Heinz und Brunhilde Trometer - die in Tönisvorst wohnen - ihr eigenes mobiles Imbissgeschäft. Auf verschiedenen Märkten verkauften sie Fisch und Pommes. Irgendwann organisierten sie auch einen Trödelmarkt beim Schützenfest in Willich. Dort lernten sie einen Meerbuscher Schützen kennen, der sie auf die Idee brachte, in seiner Heimatstadt einen Flohmarkt zu veranstalten. Familie Trometer sah darin die Chance, einem anhaltenden Trend zu entgegen: "Die Leute werden woanders übers Ohr gehauen", sagt Holger Trometer. Nämlich auf Märkten mit einem Neuwarenanteil mehr als 70 Prozent. "Bei uns ist Neuware nicht erlaubt", betont der Krefelder. Er schätzt, dass seit 1992 der Anteil von neuen Produkten auf den eigenen Flohmärkten durchschnittlich fünf Prozent betrug. Für Besucherin Anke Schmitz aus Büderich ist das eine wichtige Tradition: "Ich habe heute zwei alte farbige Schnapsgläser für je 50 Cent ergattert." Sie wiederholt: "Alte Gläser!" Die Nähe zum Markt sei praktisch.

Auch die Familie Trometer sind leidenschaftliche Trödler. Die Gründe dafür sieht Sohn Holger zum einen in der sozialen Komponente. "Die Stimmung auf dem Platz in Büderich ist sehr familiär. Einige Händler sind regelmäßig vor Ort, haben Spitznamen wie Märchenonkel, Trödelplatzoma oder Markthexe", sagt Holger Trometer. Es wird viel miteinander geplaudert. Zudem bieten "viele Händler besondere Stücke aus ihren Sammlungen an", zählt er weiter auf. Nicht alles Gebrauchte müsse gleich in die Tonne. Es geht um die Möglichkeit, richtige Schätze zu finden. "Einige Angebote sind museumsreif", sagt der Marktleiter. Sein Fund am Sonntag: ein antikes Voltmeter. Und natürlich geht es für ihn auch um das Geschäft. Er muss mit dem Flohmarkt Gewinn machen, was nicht immer einfach ist.

Dennoch will Holger Trometer den Trödelmarkt noch lange veranstalten. Es sei seine "Lebensaufgabe, auf diese Weise Leute zusammenzubringen", sagt er. Alters-und krankheitsbedingt haben sich die Eltern zwar offiziell zurückgezogen, unterstützen den Sohn aber weiterhin vor Ort. Brunhilde Trometer (65) - stets den Kontrollblick auf die mobile Toilette für die Besucher - sagt: "Trödler kriegt man nicht von der Strecke." Und das, obwohl die Leitung eines Trödelmarktes komplizierter geworden ist. Früher gab es weniger Auflagen und Konkurrenz.

Quelle: RP
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