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Meerbusch
Die mit dem Alpaka schmust

Meerbusch: Die mit dem Alpaka schmust
Heike Seibt mit ihren Alpakas auf dem Hof in Bösinghoven. Die Tiere sind mit Lamas verwandt und eigentlich in den südamerikanischen Anden zuhause. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Seit zehn Jahren hat die Familie von Heike und Michael Seibt Alpakas. Die Tiere sind auf dem Bauernhof an der Fischelner Straße in Bösinghoven eine echte Attraktion. Von Falk Janning

Neugierig recken sie die langen Hälse über den Zaun. Die großen, sanften, Knopfaugen unter dem strubbeligen Haarschopf, der ihnen trotz der Schur geblieben ist, beobachten jeden Neuankömmling. Die Wesen kauen währenddessen genüsslich auf Grasbüscheln, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein leises Summen hier und da - das ist ihre Kommunikation. Die sechs Alpakas von Heike Seibt und ihrem Mann Michael sind in Bösinghoven eine Attraktion und weiden gerade auf der Wiese gleich neben dem Hofladen der Gemüsebauern. Linus, Paco, Prinzessin, Calita, Sanja und Carlos sind keine Tiere, die man auf einem Bauernhof erwarten würde. Die mit Lamas verwandten Tiere sind eigentlich in den südamerikanischen Anden zu Hause.

Ihr tierischer Chef ist Carlos, der bereits seit zehn Jahren an der Fischelner Straße wohnt. "Ihm folgt die Herde überall hin", sagte Heike Seibt. Die 49-Jährige kam 2006 in Norddeutschland zum ersten Mal mit den Tieren in Kontakt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein Spruch der Inka, für die die Tiere heilig waren, sagt: "Schau einem Alpaka nie zu tief in die Augen, du könntest dich verlieben" - den Seibts ist das passiert. Nur wenige Monate später hatten sie die ersten Tiere auf ihrem Hof.

Wenn sie von den eleganten und so friedlichen Tieren erzählt, dann schwingt in jedem Satz große Begeisterung mit. "Mich faszinieren die Tiere. Sie strahlen Ruhe und Zufriedenheit aus, sind sehr lernfreudig und neugierig", sagt sie. Für sie hat jedes Alpaka sein eigenes Gesicht, sie sind für sie empathische Begleiter und Familienmitglieder. Phantastisch findet sie es, die Fohlen aufwachsen zu sehen. Die Seibts beherbergen sie allein aus Tierliebe - ebenso wie die drei Nandus, die beiden Kühe, die drei Ziegen sowie die Kaninchen und Meerschweinchen. Kommt ein Mensch ans Gatter, schieben sie die Nüstern neugierig in dessen Richtung. Kommt er ihnen aber zu nahe, weichen sie flink zur Seite. Menschen nähern sich die Tiere nur vorsichtig - nur Linus nicht, der legt auch einem völlig Fremden schon mal seinen Kopf auf die Schulter. "Das ist unser Flaschenkind, es hat überhaupt keine Scheu", sagt Heike Seibt. Die südamerikanischen Paarhufer mit dem ruhigen und freundlichen Wesen sind genügsam und pflegeleicht. Sie können das ganze Jahr über auf der Weide bleiben, Schutz vor Wind und Wetter bietet ein geräumiger Unterstand. Im Winter ernähren sich Alpakas fast ausschließlich von Heu. Die Herdentiere dürfen nicht alleine gehalten werden. "Das wäre nicht artgerecht", sagt Heike Seibt. Außerdem brauchen sie ausreichend Platz. In Bösinghoven haben sie davon mehr als genug.

Besondere Tage sind die, an denen die Tiere geschoren werden. Einmal im Jahr muss das Fell runter. Dabei fallen drei bis vier Kilo Wolle pro Tier an. Vor sechs Wochen war bei den Seibts der Scherer da. "Das ist Stress für die Tiere. Da kann es sein, dass sie den Scherer schon mal anspucken", sagt die Bäuerin und fährt Linus mit der Hand durch die weichen Locken. Die Wolle ist vergleichbar mit Kaschmir. Wer das Fell berührt, spürt es sofort: Es ist so dicht wie ein Schafspelz, aber weich wie ein Daunenkissen. Das Vlies wird nach dem Scheren in den Niederlanden zu Wolle verarbeitet. "Die Wolle kommt wieder zu uns zurück und wird in unserem Hofladen verkauft", erklärt Heike Seibt.

Auch bei jeder Geburt war Heike Seibt dabei. "Alpakastuten bringen ihre Crias immer am Vormittag bis hin zum frühen Nachmittag zur Welt, und wenn es nicht regnet", sagt sie. "Das kommt daher, weil die Zunge der Alpakas zu kurz ist, um ihre Fohlen trocken zu lecken, und weil die Nächte auf 4000 Meter Höhe in den Anden sehr kalt sind." Alpakas können auch als Wächter einer Schafherde genutzt werden. "Bei uns hat das aber nicht geholfen. Der Fuchs hat trotzdem nachts unsere Schafe gerissen."

Quelle: RP
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