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Das Wochenende
Düster anmutiger Mataré

Das Wochenende: Düster anmutiger Mataré
Aus der Ausstellung in der Stadtbibliothek: das Aquarell "Winterabend in Büderich" von Ewald Mataré. FOTO: Stadt Meerbusch
Meerbusch. In der Stadtbibliothek sind von morgen an Werke aus den 40er Jahren zu sehen. Von Bertram Müller

Schwere Zeiten bringen oft große Kunst hervor. Die strengen Winter der Jahre 1944 bis 1947 waren nicht die glücklichste Zeit des vor 50 Jahren gestorbenen Bildhauers Ewald Mataré. Doch die "Büdericher Aquarelle", die er damals aus seinem Fenster blickend zu Papier brachte, erweisen sich als hochästhetische Verdichtungen seiner düsteren Innenwelt. Die Stadtbibliothek Büderich hat sie mit Bronzeplastiken, die gleichfalls aus der Zeit des "Dritten Reichs" stammen, zu einer keineswegs nur melancholischen, sondern zugleich anmutigen Schau verbunden.

In Grau- und Brauntönen hat Mataré die sich in die Niederrhein-Landschaft duckenden Gehöfte erfasst - ein Spiel mit Volumina, deren Herkunft aus der sichtbaren Welt fast bedeutungslos wird. Der Krieg hatte den Künstler aus seinem beschädigten, nicht beheizbaren Atelier vertrieben und ihn damit auch der Möglichkeit beraubt, plastisch zu arbeiten. So verlegte er sich aufs Aquarellieren und bewies auch darin, wie sehr er Bildhauer war.

Die Bronzeskulpturen, die den Aquarellen in der kleinen, feinen, 23 Werke umfassenden Schau beigegeben sind, lassen liegende Kühe zu Handschmeichlern werden - wenn man die Plastiken denn berühren dürfte. Wie in den Aquarellen und noch mehr in den daneben hängenden Holzschnitten führt Mataré Motive aus der Wirklichkeit so weit an die Grenze zur Ungegenständlichkeit, dass die realen Vorlagen gerade noch erkennbar sind und ein formales Eigenleben entfalten, das den Betrachter in Bann zieht. Die Vermutung liegt nahe, dass der Künstler sein durch die Zeitumstände düsteres Gemüt in diesen Arbeiten spiegeln wollte. Gelungen sind ihm Kunstwerke von überzeitlichem Rang.

Die Mataré-Ausstellung in Büderich begleitet eine größere Schau im Klever Museum Kurhaus, die am Sonntag beginnt und im Unterschied zur Präsentation in Büderich den Ertrag der "Berliner Jahre" vorstellt. Tochter Sonja Mataré wies jetzt darauf hin, dass ihr Vater eigentlich kein Stadtmensch war, dass er sich links des Rheins auf dem Lande viel wohler fühlte.

DR.-FRANZ-SCHÜTZ-PLATZ; VERNISSAGE MORGEN, 18 UHR;GEÖFFNET MO.-SO. 10-17 UHR, AUSSER 3./5.4; BIS 11. APRIL

Quelle: RP
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