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Meerbusch
Editha Hackspiel: Retrospektive zum 90.

Meerbusch: Editha Hackspiel: Retrospektive zum 90.
Blick auf die Düsseldorfer Tonhalle und die Rheinbrücken FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Meerbusch. Eine Ausstellung in der Teloy-Mühle in Lank-Latum zeigt einen Blick auf das künstlerische Schaffen der in Büderich lebenden Künstlerin. Die Vernissage ist am Sonntag, die Ausstellung bleibt bis zum 16. August zu sehen Von Monika Götz und Christoph Reichwein (Fotos)

Den Plan, wo welches Bild hängen soll, hat Editha Hackspiel akkurat auf Millimeter-Papier aufgezeichnet. Jetzt ist sie mit der nach ihren Vorstellungen thematisch angeordneten Hängung der Arbeiten in der Teloy-Mühle zufrieden: "Es ist ein Querschnitt aus 70 Jahren Künstlerleben."

Wer aber die Lebensjahre zählt, muss 20 weitere dazu rechnen: Editha Hackspiel feiert am Montag ihren 90. Geburtstag. Ungebremst dynamisch und bestens gelaunt stellt sie fest: "Ich führe ein erfülltes Leben." Als Beweis dafür, dass dieses Gefühl für viele Lebensjahrzehnte zutrifft, erzählt sie Geschichten, die zu ihren Bildern gehören.

Sie erinnert sich an die Studienzeit (1944-1950) an der Kunstakademie und an ihre Geburtsstadt Düsseldorf nach Kriegsende: "Da waren viele Gebäude zerstört." Wie es damals aussah und sich im Laufe der Zeit verändert hat, ist in der Retrospektive in der Teloy-Mühle zu sehen. Es gibt frühe (1948) und aktuelle Ansichten, wahrgenommen aus der 17. Etage des Victoria-Towers, von der Kunstakademie, vom Schlossturm oder vom Kaufhof an der Kö: "Ich durfte in der Verwaltungsetage eine Staffelei aufstellen und habe dort über 60 Stunden gezeichnet."

Schüler der Musikschule Meerbusch während einer Probe FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Dass das Zeichnen für schaffende Künstler ein Grundgerüst ist, hat sie als Studentin gelernt. Auf dieser Basis sind ihre Werke aufgebaut: "Wie viele es insgesamt sind, kann ich nicht zählen." Aber sie gibt zu: "Ich verwachse mit jedem Bild. Es fällt mir schwer, mich davon zu trennen."

Editha Hackspiel beherrscht mehrere Techniken, verewigt ausgewählte Motive per Aquarell oder Öl, Radierung oder Feder-, Kreide-, Bleistift- oder Tuschezeichnung. Ihre Vorliebe für Landschaften und Alltagsszenen spiegelt sich auch in den Arbeiten wieder, die nach dem Umzug nach Meerbusch 1960 entstanden sind. Ob Dyckhof, Schloss Pesch, Mataré-Gymnasium, Niederdonker Kapelle oder der St. Martins-Zug durch Lank-Latum - alles ist dokumentiert, auch ein Schützenumzug: "Die Schützen haben sich über meine Darstellung beschwert - Matrosen laufen nie vor den Sappeuren." Die Reihenfolge mag nicht stimmen, aber die winzigen Menschen und alle anderen Details sind akkurat gezeichnet.

Die Freude am Zeichnen ist auch nach Jahrzehnten ungebremst. Die Grundlagen dazu hat Editha Hackspiel an der Kunstakademie Düsseldorf erlernt. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Die erste Radierung ist Anfang der 1970er Jahre entstanden. Ausschlaggebend war ein Wettbewerb, den der damalige Beigeordnete Stephan Grüter unter allen Meerbuscher Künstlern ausgeschrieben hatte. Hackspiel bewarb sich mit drei Bildern: "Alle wurden genommen." Anschießend hatte sie Mühe, die Auftragswünsche zu erfüllen. Mit großer Sorgfalt sind auch Kinder- oder Puppenbilder entstanden oder die Blumenbilder als Erinnerung an Sträuße von Stephan Grüter oder Hugo Balzer, 1933-1945 Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker. Die Instrumentalisten der Tonhalle begleitet Editha Hackspiel seit 1978: "Ich liebe es, die Formen der Instrumente herauszuarbeiten, beobachte die Hände der Musiker und zeichne nach der Musik." So sind auch die Bilder von Schülern der Meerbuscher Musikschule entstanden, die sie der Stadt geschenkt hat. Für ihr Kultur-Engagement gab es 1991 die Verdienstplakette der Stadt Meerbusch.

Die Künstlerin wird auch im nächsten Lebensjahrzehnt ihren Rhythmus beibehalten, weiter künstlerisch aktiv sein und von Zeit zu Zeit entspannen - dreimal wöchentlich beim Schwimmen in Büderich oder auf Reisen, die bis nach Dubai führen.

Teloy-Mühle, Vernissage: Sonntag, 11.30 Uhr; bis 16. August, Di-Sa 15-18, So 11-18 Uhr.

Das Bild vom Gambentrio ist zirka 1980 entstanden. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Quelle: RP
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