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Meerbusch
Ein ganzes Dorf im jecken Endspurt

Meerbusch: Ein ganzes Dorf im jecken Endspurt
Die Wagenbaugruppe "Heesen"mit Dennis Tack, Cedric Vetter (oben) und Björn Seitz arbeitet an ihrer Lok. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Wer abends durch das Örtchen schlendert, sieht in vielen Schuppen Licht brennen. Dort geben die zehn Wagenbaugruppen Vollgas, um an Rosenmontag einen gelungenen Zoch zu präsentieren Von Ananda Kordes

Aus dem Mammut sind jetzt zwei Kaltblüter geworden. Dabei hat die Wagenbaugruppe mit dem Urviech aus Ice-Age den ersten Platz beim Rosenmontagszug geholt. "Das war bei der Wagenprämierung vor zwei Jahren", sagt Thorsten Neukirchen. Das Fell des Mammuts wurde danach eingemottet und ist nun wieder im Einsatz. Denn die neunköpfige Truppe will am 8. Februar mit ihrem eigenen Brauereiwagen durchs Dorf ziehen. Warum gerade dieses Thema? "Unser Karnevalsverein ,Kött on Kleen' wird dieses Jahr 111 Jahre alt. Wir feiern daher im Herbst unser eigenes Oktoberfest", erklärt Christian Bongartz, der gerade Holzplatten für die Kutsche bearbeitet.

Die zwei mächtigen Pferde stehen schon ganz vorne auf dem Wagen. Und ziehen sollen die zwei dann die lange Kutsche, auf denen insgesamt 14 Bier-Fässer gelagert werden. Es handelt sich allerdings nur um angenagelte Attrappen. Eine von ihnen bekommt gerade einen braunen Anstrich. Für die Männer ist natürlich der Plan, an Rosenmontag in angemessener Tracht auf dem Wagen zu sein. Aber ganz schön kalt in kurzen Hosen. "Wir wärmen uns dann auf jeden Fall von innen", ist sich die Gruppe einig.

Luftige Kostüme, die gibt es schon ab und an mal beim Rosenmontagszug in Nierst. So rollte vor einigen Jahren auch mal das "Moulin Rouge" durch die Straßen. Doch Probleme gab es nicht wegen der kurzen Röcke. "Wir haben leider erst sehr spät festgestellt, dass wir mit unserer zweieinhalb Meter hohen Mühle nicht durch alle Wege passten", erzählt Daniel Pennart von der Wagenbaugruppe "Heesen". Inklusive Unterbau war der Wagen so hoch, dass der ein oder andere Baum noch kurzfristig gestutzt werden musste. Doch dann konnte der Zoch Gott Lob komplett rollen.

Dieses Jahr wird es weniger frivol und auch weniger kompliziert. Unter einem Schleppdach auf dem Hof "Heesen" werkelt die acht Mann starke Gruppe an einer gut fünf Meter langen Lokomotive. "Passend zu unserem Jubiläum werden wir sie mit unseren Vereinswappen bekleben", sagt Dennis Tack. Aber bevor es soweit ist, müssen sie erstmal den Baukörper aus Pappmaché fertigstellen. Dann soll die Lok noch einen blau-roten Anstrich bekommen. Auch die Wolters-Gruppe würdigt "Kött on Kleen" mit einer großen Jubiläums-Torte samt einer riesigen 111. Holz, Spanplatten und Pappmasche - das sind in der Regel die Nierster "Zutaten" für einen gelungenen Zug.

Aber all das wäre nichts ohne die richtigen Ideen. "Wir setzen uns schon im Herbst zusammen und denken uns was aus", sagt Thomas Frangen von der Gruppe "Baakes 5". Oft orientieren sich die kreativen Tüftler am jeweiligen Motto der Session. Dieses Jahr lautet es: "111 Johr sind et schon, Kött on Kleen is Tradition".

Manchmal seien es aber auch blitzartige Eingaben, die umgesetzt werden. Wie der Traum vom "American Diner", an dem "Baakes 5" aktuell arbeitet. Damit das Innenleben auch stilecht wird, bauen Stefan Raven und Thomas Frangen eine echte Bar in den Wagen ein. Außen wird es dann amerikanisch: "Rot-blau mit weißen Sternen", verrät die Truppe. Auch wollen die Jungs an Rosenmontag mit Rollschuhen durch ihr "Diner" flitzen. Und das auch noch auf einem fahrenden Wagen? Na ja, zumindest am Anfang, lenkt die Truppe ein.

Mehrere hundert Stunden dauert es im Schnitt, bis ein Wagen fertig ist. Bis zum großen Tag machen es sich die insgesamt zehn Nierster Wagenbaugruppen aber so angenehm wie möglich. So hat sich "Baake 5" dieses Jahr einen eigenen beheizten Schuppen gebaut, wo es am Wochenende oft Getränke und Würstchen vom Grill gibt. Arbeit und Party eben. "Je nach Gruppe sind auch Frauen und Kinder der Männer willkommen", berichtet Florian Neuhausen, Pressesprecher des Vereins.

Denn der Wagenbau - das ist in Neesch am Ring immer noch Männersache.

Quelle: RP
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