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Meerbusch
"Ein Kunstgelenk ist immer ein Ersatzteil"

Meerbusch: "Ein Kunstgelenk ist immer ein Ersatzteil"
Chefarzt Thomas Pauly am Desk der RP-Redaktion in Krefeld. "Operation ja oder nein", wollten viele Anrufer von ihm wissen. FOTO: T. lammertz
Meerbusch. Ein neues Hüft- oder Kniegelenk verbessert die Lebensqualität. Die meisten Patienten leben damit wieder schmerzfrei. Chefarzt Thomas Pauly rät aber, keine übertrieben hohen Erwartungen in das neue Gelenk zu setzten. Von Petra Diederichs

Wenn jede Bewegung schmerzt, ist die Hoffnung auf Linderung groß. Sind Hüft- oder Kniegelenke durch entzündliche rheumatische Erkrankungen, Unfälle oder altersbedingte Abnutzung verschlissen, steht die Operation an. Wann dafür der richtige Zeitpunkt ist und was die neuen Gelenke können, war gestern Thema am Gesundheitstelefon der Rheinischen Post. Privat-Dozent Thomas Pauly, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie/ Rheumatologie am Rheinischen Rheuma-Zentrum des St. Elisabeth-Hospitals in Meerbusch-Lank, beantwortete die Fragen.

Es ist ein vielschichtiges Verfahren, Rheuma zu diagnostizieren. "Wenn die Finger morgens eine Minute steif sind, ist das noch kein Indikator, eine Stunde Finger-steife schon. Man muss die Diagnose aus vielen Indikatoren zusammensetzen. Nicht jeder weist jedes Symptom auf." Entzündungswerte und Röntgenbilder, Untersuchungen des Gelenks in Ruhe und unter Belastung geben Aufschluss.

Wann der richtige Zeitpunkt ist, ein marodes Gelenk durch eine Prothese zu ersetzen, hängt vor allem vom Patienten ab. Schmerzempfinden und das Gefühl der Einschränkung, die noch hinnehmbar wäre, werte jeder Mensch für sich anders aus. "Für den einen ist es in Ordnung, dass er mit 80 Jahren Bewegungsschmerzen hat, ein anderer leidet sehr. Jeder Eingriff birgt Risiken, auch wenn sie inzwischen gering sind. Wir beraten, damit der Patient eine sichere Entscheidung treffen kann", sagt Pauly. "Das beste Gelenk ist immer das eigene, auch wenn es ein nicht mehr so Gutes ist."

Zement oder Kunststoff ist die große Frage. Für Ältere und Menschen mit Osteoporose wird das Ersatzgelenk meistens mit Zement verankert. "Solche Gelenke sind schneller belastbar, aber es ist aufwendiger, wenn man sie noch einmal entfernen muss", sagt Pauly. Denn auch Prothesen verschleißen. "Laut großer Statistik sind nach zehn Jahren 95 bis 97 Prozent der Implantate noch drin. Der Rest wurde ersetzt." Bei zementfreien Prothesen dauert der Heilungsprozess länger, "sie müssen einnarben", sagt der Arzt. Für etwa acht Wochen dürfe das Gelenk nur mit 30 bis 40 Kilo teilbelastet werden.

Für die allermeisten Operierten bedeutet das Leben mit dem neuen Gelenk Schmerzfreiheit. "Das ist die oberste Funktion der Operation, dass Schmerzen ganz oder erheblich gelindert werden. Ein ersetztes Gelenk ist immer ein Ersatzteil, das nie so beweglich ist wie ein eigenes, gesundes", erklärt der Arzt. Der Bewegungsumfang sei eingeschränkt, aber für den Alltag ausreichend. "Mit künstlichem Kniegelenk kann man das Bein nicht mehr bis zum Gesäß anwinkeln, und Joggen - besonders auf Asphalt - ist auch keine gute Idee."

Jedes Kilo belastet die Gelenke. Pauly operiert nur Menschen mit einem BMI bis 35: "Beim Treppensteigen wiegt jedes Kilo fürs Knie das Sechs- bis Achtfache, die Hüfte belastet jeder Schritt aufs Drei- bis Vierfache."

Quelle: RP
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