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Meerbusch
Ein Kunsthandwerker aus Leidenschaft

Meerbusch: Ein Kunsthandwerker aus Leidenschaft
Der Kunsthandwerker und Sammler Adam Dolebski in seiner Lanker Werkstatt: Hier repariert er Uhren und stellt Ersatzteile zum Teil selber her. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Uhrmacher Adam Dolebski repariert in seiner Lanker Werkstatt Zeitmesser aller Art und jedes Jahrgangs Von Monika Götz und Ulli Dackweiler (Fotos)

Adam Dolebski ist der beste Beweis dafür, dass die Uhrmacherei im 16./17. Jahrhundert zu Recht zu den Künsten zählte. Schließlich haben sich die Uhrmacher - heute nennen sie sich Kunsthandwerker - als Pioniere der Feinmechanik profiliert. Adam Dolebski schreibt die Geschichte weiter. "Ich bin Uhrmachermeister aus Leidenschaft", sagt er mit leuchtenden Augen.

Und er ist Sammler. "Alte Schätze" in Form von Uhren aller Art teils aus dem 17./18. Jahrhundert liegen einträchtig in einer Glas-Vitrine: "Das ist ein Uhrenfriedhof. Aber wenn ich einzelne Stücke herausnehme, leben sie wieder." Seit 17 Jahren ist Adam Dolebski in Lank-Latum an der Hauptstraße für Kunden da, die aus Meerbusch, den umliegenden Städten und auch London, Paris oder Krakau kommen.

Bereits in den 80er Jahren hat sich der gebürtige Schlesier diesem Handwerk ganz und gar verschrieben. Obwohl der Start im Rheinland nicht einfach war, bereute der zweifache Familienvater diesen Weg nie: "Der Beruf gibt mir sehr viel. Die Uhrmacherei ist eine Philosophie fürs Leben." Früher war seine Ehefrau Eva mit in der Werkstatt. Deshalb ist das Fachgeschäft auch unter "Adam & Eva" bekannt. Publikumsverkehr ist nur von Mittwoch bis Samstag. Die restliche Zeit konzentriert sich Adam Dolebski auf große und kleine, alte und neue Uhren, Chronometer, Chronographen aller Marken, Taschen- oder Armbanduhren, Wecker oder Präzisionsuhren: "Mit allen Stücken sind Erinnerungen verbunden. Manche haben sogar Namen - wie Tante Hildegard." Einige Exemplare warten aufgespannt auf Uhrenbewegern auf ihre Reparatur. "Sie werden aufgezogen, sonst müsste ich sie ja alle tragen", lacht der Uhrmacher. Oft sitzt er täglich bis zu 14 Stunden mit der Lupe vor den feinen Uhrwerken, prüft auf Herz und Nieren: "Das ist wie ein EKG." Letztendlich weiß er genau, was mit der Uhr los ist.

Ersatzteile für Raritäten stellt er selbst her, und viele Werkzeugteile, die zum Zerlegen, Reinigen oder Schleifen benötigt werden, sind mehr als 100 Jahre alt: "Es muss in die Hand passen und wird manchmal ein bisschen getuned." Um Verletzungen zu vermeiden geht Dolebski auch an Werk- oder Drehbank vorsichtig heran.

Wie geschickt er mit den ihm anvertrauten Schätzen umgeht, kann jeder sehen - die Werkstatt an der Hauptstraße 65 ist komplett einsehbar: "So kann beobachtet werden, dass ich jede Uhr so sorgsam bearbeite, als wenn es meine eigene wäre." Er erinnert sich an 20 Kindergartenkinder, die staunend vor den Kuckucksuhren standen und gar nicht mehr gehen wollten. Ohnehin kommt der Handwerker gerne mit den Menschen ins Gespräch: "Ich muss wissen, wie die Besitzer der Uhren ticken." Auch wegen dieses Austausches liebt er den Beruf, der seiner Meinung nach Berufung ist und totale Hingabe erfordert. Dieses Engagement wird Adam Dolebski auch einsetzen, wenn er den Plan umsetzt, eine Lanker Uhr zu bauen: "Als Dank an meine Kunden."

Quelle: RP
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