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Meerbusch
Ein letztes Mal mit Glockenschlag 12 Uhr

Meerbusch: Ein letztes Mal mit Glockenschlag 12 Uhr
Familienausflug in Büderich: Die fünfjährige Anna geht mit ihrer Mutter Martina Stein und der Oma Helena Theisen Besorgungen machen. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Sechs Wochen lang haben sich die Mitarbeiter der Rheinischen Post jeden Werktag immer zur gleichen Zeit die Szenerie an einem bestimmten Platz angeschaut. Gestern zum letzten Mal. Genau dort, wo alles angefangen hat — in Büderich Von Anke Kronemeyer

Was hat sich verändert in den vergangenen Wochen? Alles und nichts. Mal hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Dann wieder fragt man sich: Wo sind die letzten sechs Wochen nur geblieben? Sie sind wie im Flug vergangen. Wie alle anderen Wochen auch, in denen man durcharbeitet. Wer an der Kreuzung Düsseldorfer/Moerser/Dorfstraße sitzt und auf den Verkehr, die Passanten, die ganze Atmosphäre achtet, stellt schnell fest: irgendwie unruhig heute. Alles hetzt, fährt schnell, hupt, weil der Linksabbieger von gegenüber zu früh in die Dorfstraße abgebogen ist. Die Garderobe der Fußgänger oder Radfahrer ist nach wie vor sommerlich, schließlich waren es immer noch 24 Grad gestern. Ach, da fliegen schon die ersten Herbstblätter. Den nervigen Wespen hat man noch nicht gesagt, dass der Sommer eventuell vorbei sein könnte. Sie suchen ihr Glück am süßen Keks, der auf dem Teller der Kaffeetasse liegt.

Insgesamt war es gestern hektischer als vor sechs Wochen. Obwohl doch eigentlich alle entspannt sein müssten. Zwar waren nicht alle in Urlaub, aber doch viele. Kinder springen umher und freuen sich (hoffentlich), dass heute wieder die Schule beginnt. Martina Stein, ihre fünfjährige Tochter Anna und ihre Mutter Helena Theisen machen letzte Besorgungen im Ort, bevor der Schulalltag wieder beginnt. In Urlaub war die Büdericher Familie nicht, hat den Sommer aber trotzdem genossen.

In der Bäckerei ist Betrieb wie immer: Das Personal aus den Kanzleien oder Praxen in der Nachbarschaft versorgt sich mit belegten Brötchen, eilig kommt jemand auf einen Kaffee vorbei, raucht draußen auf der Terrasse eine Zigarette, bevor es weiter geht. Die Kirchturmuhr schlägt laut und donnernd zwölf Uhr, die startenden Maschinen nehmen Kurs von Lohausen wohin auch immer. Glück, wer jetzt noch Urlaubstage hat und die Sonne auf Mallorca genießen kann. Pech, wer zur nächsten Konferenz nach München fliegen muss.

Sechs Wochen lang hat die Lokalredaktion Meerbusch an jedem Tag außer sonntags eine Momentaufnahme geliefert: aus dem Baumarkt in Osterath genauso wie von der Rheinfähre in Langst-Kierst, vom Eissalon in Lank-Latum wie von der Schranke in Osterath. Der Meererbusch wurde besucht, das Champagnerbüdchen ebenso, wir fuhren mit der Bahn oder prüften die Energien zwischen Düsseldorf und Büderich exakt auf der Stadtgrenze am Pförtnerhäuschen des Areal Böhler. Wir haben viele nette Menschen kennen gelernt, wir haben im Regen gestanden und niemanden getroffen, wir haben vermutlich die komplette Stadt jeweils mittags einmal unter die philosophisch-journalistische Lupe genommen. Den Lesern hat es sichtlich gefallen - und es kann sein, dass wir nächstes Jahr wieder kommen. Wieder um punkt 12 Uhr. Jeden Tag.

Quelle: RP
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