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Meerbusch
Ein Stück Heimat am Markttag

Meerbusch: Ein Stück Heimat am Markttag
Kathrin Mertens, Celia Rex und Sarah Ennen kaufen Brot und Brötchen bei Inge Rose auf dem Markt ein. FOTO: Dackweiler Ulli
Meerbusch. Der kleine Markt in Nierst hat nur drei Stände und trotzdem viele Stammkunden. Auf dem Hof vor der Alten Schule geht es gemütlich zu. Ein beliebter Treffpunkt für die Nachbarn ist das Markcafé am Nachmittag. Von Regina Goldlücke

Eine Kundin mit Kind auf dem Arm beäugt die Auslage am Wagen der Landbäckerei Hilgers. "Was ist das mit dem Sesam?" fragt sie und deutet auf ein Brötchen. "Das sieht spannend aus!" Inge Rose schaut genau hin. "Da müssen wohl auch Cranberries drin sein." Dass sie auf dem kleinen Nierster Markt die Bäckereiwaren von Hilgers verkauft, ist ein Freundschaftsdienst. "Momentan werden alle Mitarbeiter im Osterather Laden gebraucht", erzählt sie. "Die wollten den Wagen schon abziehen. Da bin ich gern eingesprungen, ich bin ja vom Fach."

Seit zwei, drei Monaten klappt sie jetzt die gut bestückte Theke auf. Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat parken ab 14 Uhr auf dem Hof der Alten Schule in Nierst drei Wagen. Außer der Bäckerei Hilgers bietet Jan der Kasmann seine Käse-Spezialitäten an. Der Holländer wohnt in Krefeld und beliefert mehrere Märkte. Pünktlich um 15 Uhr rollt dann noch das Auto der Metzgerei Cartigny aus Willich an. Früher geht nicht, erst muss der Markt in Moers zu Ende sein. Hauptsächlich hat Cartigny Geflügel im Sortiment, dazu Rindfleisch- und Wildspezialitäten sowie hausgemachte Suppen.

Genießen das Markt-Café: Elfriede Lecour, Brigitte Hess, Elfriede Höne, Christa Reinecke, Annemarie Klefges und Helga Höttges (v.l.) FOTO: Dackweiler

Und dann ist da noch das Marktcafé. Vor der Alten Schule steht ein Biertisch mit Bänken. Kaffeetassen auf der rotgelackten Decke, daneben volle Kannen und Gläser. Drinnen in der Küche werkeln zwei Helferinnen. "Wenn wir nicht wären, gäbe es das Café nicht mehr", sagt Elfriede Lacour. "Alles Teamwork", ergänzt Christa Reinecke. Sie deutet zur Tür: "Da kommt die Chefin." Leicht verlegen wehrt sich Annemarie Klefges: "Ach was, ich bin doch nicht die Chefin!" Sie trägt ein Tablett mit Teilchen, zerschneidet die Stücke. "Früher haben wir den Kuchen selber gebacken", erzählt sie. "Aber die Bäckerei soll auch was verdienen. Wer gerade möchte, spendet eine Runde." Mit spitzbübischem Lächeln fügt sie hinzu: "Wir bereiten auch leichte alkoholische Getränke vor. Dann bleiben die Leute länger sitzen." Nach der Maibowle gab es gestern Erdbeerbowle. Später im Jahr schenken sie Sangria aus, wechseln dann zu Federweißem und im Winter zu Glühwein.

Das Marktcafé wirft kleine Gewinne ab, die gespendet werden. Die Frauen schafften schon Stuhlkissen für den Seniorenclub an und zuletzt einen stabilen Roller für den Kindergarten. Der ist gleich nebenan. Deshalb kommen auch viele junge Mütter zum Markt. "Unsere Kinder wollen oft eine Brezel oder ein Stütchen", sagt Kathrin Mertens. Celia Rex und Sarah Ennen versorgen sich auch gern mit Backwaren, wünschen sich für den Nierster Markt aber ein etwas umfangreicheres Angebot: "Blumen wären schön. Oder auch Obst und Gemüse." Jan der Kasmann, der eigentlich Gerjan Grindhuis heißt, ist zufrieden mit seinen Geschäften. "Am Anfang dachte ich, was soll ich hier. Doch dann hat sich alles immer besser entwickelt. Jetzt bediene ich auch mehr jüngere Leute." Er stammt aus Alkmaar, der Käsestadt. "Meine Kunden mögen es gern kräftig. Ich habe nicht nur holländische Sorten", sagt er, listet Ziegen- und Schafskäse und Rohmilchkäse auf. "Dein selbst gemachter Frischkäse ist am beliebtesten", schaltet sich Inge Rose vom Bäckerstand ein, wo Zwirbelbrote und Körnerbrötchen weggehen wie die berühmten warmen Semmeln, "und die Kuchen sowieso."

Die patente Niersterin, die über dem Kindergarten wohnt, setzt sich für ihre Heimat ein: "Ich bin froh, dass der Markt sich so gut etabliert hat. Wir wollen ja nicht, dass er stirbt. Es dürften aber gern noch ein paar Kunden zu uns finden."

Quelle: RP
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