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Wie Geht's, Meerbusch?
Ein ungewöhnliches Lob

Meerbusch. Man darf einer Stadt ruhig auch einmal gratulieren: Wie Meerbusch die Flüchtlingskrise meistert, ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich. Es gibt aber auch falsche Forderungen.

Die wenigen Besucher, die am Mittwoch dem Meerbuscher Bauausschuss beiwohnten, wurden Zeuge eines besonderen Vorgangs, wie er im alltäglichen Politik/Verwaltungsbetrieb eigentlich viel zu selten vorkommt. Für gewöhnlich geht das beliebte Schwarze-Peter-Spiel ja so, dass die Politik sich über die langsam mahlenden Mühlen der Verwaltung beschwert, während die Verwaltung über die Wendehälse der Politik zu schimpfen pflegt. Vor diesem Hintergrund muss man die Aussage des FDP-Ausschussmitglieds Thomas Gabernig sehen, der den Verwaltungsmitarbeiter Claus Klein nach seiner Präsentation zu geplanten Flüchtlingsunterkünften ausdrücklich lobte. Wohlgemerkt, Gabernig ist Liberaler und steht als solcher nicht in Verdacht, Apparate wie eine kommunale Verwaltung über Gebühr zu würdigen.

Der Mann hat Recht: Wie Bürger und Verwaltung in den vergangenen Monaten dafür gesorgt haben, dass alle Flüchtlinge in Meerbusch mehr als nur ein Dach über dem Kopf haben, ist vorbildlich. Das Zusammenspiel von Freiwilligen und Verwaltung funktioniert in Meerbusch in vielerlei Hinsicht. Und es ehrt zugleich den Verwaltungsmann Claus Klein, dass er im Ausschuss über dieses Lob schnell hinwegging.

Es gab einen weiteren Satz, der während der Sitzung aufhorchen ließ. Manches Kopfschütteln rief eine Aussage der SPD-Vertreterin Heidemarie Niegeloh im Ausschuss hervor. Sie zeigte sich verwundert darüber, dass die große Turnhalle der Barbara-Gerretz-Schule ein Aufenthaltsraum für die Flüchtlinge werden soll. Die Flüchtlinge hätten dort keine Rückzugsmöglichkeiten, monierte sie. Diese Vermutung Niegelohs ist gleich in zweierlei Hinsicht falsch - zum einen gibt es für die Flüchtlinge noch zusätzlich eigene Aufenthaltsräume in ihren Schlafbereichen, zum anderen aber - viel gravierender - drohen solche Aussagen auch den sozialen Frieden zu gefährden. Es gibt auch deutsche Familien, die mit vielen Personen auf nur wenigen Quadratmetern wohnen. Niegeloh sollte also nicht einen Komfort einfordern, den es auch nicht für jeden Bundesbürger gibt. So viel Wahrheit gehört dazu.

Beide Aussagen, die von Gabernig und die von Niegeloh, zeigen den schwierigen Abwägungsprozess, in dem die Verwaltung stetig steckt.

Womit wir diese unsere Kolumne fast beendet hätten, ohne das Wort "Nachtabschaltung" erwähnt zu haben. Dazu müssen wir aber unbedingt noch was loswerden: Dass nämlich die Politik im Bauausschuss Beratungen über einen strittigen Tagesordnung wie die Nachtabschaltung verschiebt, weil sie den Zahlenwust in der städtischen Vorlage noch nicht in Gänze verstanden hat, sollte uns eher glücklich als skeptisch stimmen. Mit Geheimhaltung - wie mancher Bürger nach der Sitzung schon verschwörerisch unkte - hat das eher wenig zu tun; wohl aber mit dem Wunsch, jenes verstehen zu wollen, über das man abstimmt.

SEBASTIAN PETERS

Quelle: RP
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