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Meerbusch
Einbrecher lieben Dunkelheit

Düsseldorf. Seit die Stadt die Straßenlaternen nachts teilweise abschaltet, hat sich die Zahl der nächtlichen Einbrüche verdoppelt. In der neuen Polizeistatistik taucht die Aufteilung in Tages- und Nachteinbrüche jedoch nicht mehr auf. Von Jan Popp-Sewing

Seit Anfang 2006 schaltet das wohlhabende Meerbusch – als einzige Kommune im weiten Umkreis – nachts in der Woche zwischen 1.30 und 4 Uhr die Straßenbeleuchtung weitgehend ab. Die Strom-Ersparnis liegt unter 50 000 Euro, und jährlich wird es weniger, da immer mehr sparsame Leuchten zum Einsatz kommen.

Die Politik sagte zu, die Entwicklung der nächtlichen Kriminalität im Auge zu behalten. Bei signifikanten Änderungen würde man reagieren, hieß es damals. Heute weiß man: Das Experiment begann zu einer Zeit mit verhältnismäßig wenig Einbruchs-Delikten. Doch das sollte sich ändern.

Meerbusch liegt im Trend

Nun liegt die polizeiliche Übersicht für mehrere Jahre vor, und die ist alarmierend: Die Zahl der nächtlichen Wohnungseinbrüche hat sich seit Beginn der verordneten Dunkelheit verdoppelt, von 56 auf 112. War das Niveau 2006 und 2007 mit 56 und 57 Taten noch relativ moderat, schossen die Werte in den vergangenen beiden Jahren auf 93 und schließlich auf 112 nächtliche Einbrüche hoch. Rein statistisch sind also fast in jeder dritten Nacht in Meerbusch Einbrecher unterwegs. Damit liegt Meerbusch durchaus im gleichen Trend wie seine Nachbarstädte.

Für Kriminelle ist die Stadt im Grünen allerdings ein besonders lohnendes Pflaster: Sie finden dort 80 Prozent Einfamilienhäuser vor, die in der Regel einzeln stehen und häufig eine Schwachstelle an der rückwärtigen Terrassentür haben. In den Garagen und am Fahrbahnrand parken reichlich Limousinen der Oberklasse. Vergangene Woche verschwanden in Büderich gerade erst wieder mitten in der Nacht zwei Porsche Cayenne (Neupreis zwischen 53 000 und 134 000 Euro).

Inwieweit zwischen abgeschalteten Laternen und vermehrten Wohnungseinbrüchen ein Zusammenhang besteht, ist schwer zu sagen. Tatzeiträume genau auf die Dauer der Abschaltung einzugrenzen, ist schwierig. Oft werden die Taten schließlich erst am Morgen entdeckt.

Die Polizei weist regelmäßig darauf hin, dass sich die Straßenkriminalität – also die gesamte Palette an Delikten wie Landfriedensbruch, Taschendiebstahl, Körperverletzung im Straßenraum, Autodiebstahl und Einbrüchen – zwischen 1.30 und 4 Uhr seit Abschalten der Laternen "nicht signifikant erhöht" habe. Insgesamt geht sie seit 2007 sogar zurück. Betrachtet man jedoch die nächtlichen Einbrüche isoliert, sieht das Bild ganz anders aus.

Pikant: Wer sich anhand der von der Kreispolizei veröffentlichten Statistiken über Nacht-Einbrüche in Meerbusch informieren will, findet lediglich die Zahlen bis zum Jahr 2007. Für 2008 und 2009 veröffentlichte die Polizei nur noch die jeweilige Gesamt-Einbruchsziffer, ohne Unterteilung in Tag und Nacht. Die fehlenden Werte für 2008 und 2009 erfuhr die Rheinische Post erst auf Nachfrage.

Quelle: RP
 
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