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Serie Vater Und Sohn
Eine Familie mit Tradition

Serie Vater Und Sohn: Eine Familie mit Tradition
Stephan und Daniel Parsch bei der Arbeit: Der Dorfschuster flickt in seiner Werkstatt am Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich rund 60 Paar Schuhe am Tag. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Wenn der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt, ist das Anlass zur Freude, kann aber auch Konflikte bedeuten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Generationen? Darum geht es in der RP-Serie "Vater und Sohn". Von Regina Goldlücke

Wer schon länger in Büderich wohnt, nennt ihn nur den "Dorfschuster". Seit 23 Jahren flickt Stephan Parsch in seiner kleinen Werkstatt am Dr. Franz-Schütz-Platz Tag für Tag rund 60 Paar Schuhe. "Egal, wie hoch der Stapel ist, abends muss alles abgearbeitet sein", sagt er. "Manchmal bin ich bis Mitternacht hier. Aber zu wissen, dass man am nächsten Morgen ganz frisch starten kann, gibt mir ein gutes Gefühl." Dass seine Ehefrau Marion tatkräftig mithilft, wissen die Kunden. Sie umkurven auch geduldig die drei Berner Sennenhunde Alma, Ruby und Senta, die ihren Platz im Laden gern behaupten.

Doch nicht allen ist geläufig, dass der beliebte Schuhmacher-Meister (49) neuerdings von seinem Sohn Daniel unterstützt wird. Der 21-Jährige machte zunächst eine Lehre im Einzelhandel. Halbtags arbeitet er noch immer im Supermarkt, die restliche Zeit geht er seinem Vater zur Hand. "Ich bin von Kindheit an in den Betrieb reingewachsen, habe mir hier mein erstes Taschengeld verdient", erzählt er. "Daniel ist mit dem Hammer in der Hand groß geworden", bestätigt Stephan Parsch. Er ist glücklich, dass der Sohn Interesse an seinem Handwerk zeigt. "Es gab eine Zeit, in der ich es für undenkbar hielt, dass wir auf engem Raum Seite an Seite arbeiten", sagt der Schuhmacher-Meister. "Entscheidend war, ihm die Chance zu geben. Daniel hat sie genutzt. Dass es mit uns klappt, konnten wir nicht wissen. Ich kenne genügend Familien, in denen es nicht funktioniert hat." Seine eigene Familie, sesshaft in Neuss-Gnadenthal, hält dagegen fest zusammen. "Das hat mit unserer Tradition zu tun", begründet Marion Parsch. Schon ihr Großvater und ihr Vater waren Schuhmacher. Später übernahm ihr Mann, den sie im Alter von 14 Jahren kennenlernte, die Werkstatt. Alle drei Töchter des Ehepaars entschieden sich für Berufe im medizinischen Bereich. Doch mit Daniel steht nun die vierte Generation in den Startlöchern. Er repariert Absätze und Sohlen, klebt und näht, was gerade anfällt. Manche kniffligen Arbeiten an der Vorschleif- und Ausputzmaschine, der Doppelmaschine für Zwienähte oder der Ledernähmaschine ("eine alte Adler von 1931, tiptop in Schuss") sind vorerst noch Chefsache. Aber Daniel kann sich gut vorstellen, den Betrieb eines Tages fortzuführen, auch wenn Stephan Parsch noch lange nicht ans Aufhören denkt. "Unser Opa hat bis 87 gearbeitet". Meinungsverschiedenheiten werden sofort ausgeräumt. "Das geht auch gar nicht anders, wir müssen bei der Arbeit miteinander reden", sagt der Vater.

Er registriert sehr wohl, dass viele Kunden nach wie vor zuerst nach ihm fragen und den Sohn ignorieren. "Das Vertrauen zu mir muss eben noch wachsen", kommentiert Daniel gelassen. Ohnehin ist der leutselige Senior eine Art Beichtvater für seine Kunden. "Das geht zu wie sonst nur beim Friseur", sagt Stephan Parsch. "Manche erzählen mir am Ladentisch ihre ganze Lebensgeschichte. Oder sie schildern mir, was ihnen mit einem Schuh oder einer Tasche widerfahren ist. Das fasziniert mich."

Samstags nimmt sich der Schuhmacher-Meister oft frei. "Wenn ich dann am Montag anfange und sehe, was reingekommen ist, passiert es oft, dass ich die Schuhe sofort einem Kunden zuordnen kann."

Was repariert er am liebsten? "Herrenschuhe, zwiegenäht, Budapester Art. Und Westernstiefel." Hin und wieder bekommt er auch heikle Aufträge, denn selbst in Büderich gibt es eine Sado-Maso-Szene. Anfangs war er kurz irritiert, wenn er die bizarren Kleidungsstücke ausbessern sollte. Heute nicht mehr: "Leder ist Leder", sagt Stephan Parsch lakonisch und schmunzelt.

Quelle: RP
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