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Meerbusch
Eine Schule wird 50

Meerbusch: Eine Schule wird 50
Der erste Schulleiter der Realschule Osterath, Johannes Kisters, eingerahmt FOTO: Realschule Osterath
Meerbusch. Auflösungspläne, Anmeldemangel - es stand zuletzt nicht zum Besten um die Realschule in Osterath. In diesem Jahr wird die Schule 50 Jahre alt, und zum runden Geburtstag wächst ein zartes Pflänzchen Hoffnung: 70 neue Schüler kommen. Von Sebastian Peters

Es steht nicht zum Besten um die Schulform Realschule im Allgemeinen und die Realschule Osterath im Besonderen. Das klassische dreigliedrige Schulsystem ist in Meerbusch mit der Auflösung der Barbara-Gerretz-Hauptschule Geschichte. Es gibt jetzt noch zwei Gymnasien, dazu eine Gesamtschule und eben die Realschule in Osterath, der so mancher Politiker in den vergangenen Jahren schon an den Kragen wollte, weil die Anmeldezahlen zu niedrig waren. Man darf wetten: Diese Kritiker werden in wenigen Tagen für einige Zeit verstummen.

Die Realschule Osterath feiert bald 50-jähriges Bestehen, Politik und Verwaltung sind zu einem Festakt am 10. Juni eingeladen. Dann wird es Blumen geben, ganz sicher auch lobende Worte, und vielleicht verhilft dieser runde Geburtstag der Realschule zu neuer Blüte? Es gibt einige Signale, dazu später mehr.

Der Blick in die Chronik der Schule zeigt aber ohnehin, dass eine Schule immer wieder von turbulenten Phasen heimgesucht wird, die man mit einiger Gelassenheit überstehen kann. Ebenso lehrreich: Der Blick in die Chronik liefert die verblüffende Erkenntnis, dass die ewige Klage über die Verrohung der Jugend und über das sinkende Niveau der nachfolgenden Generationen im Faktencheck nicht ganz standhält.

Als die Meerbuscher Realschule vor genau 50 Jahren startete, im Jahr 1966, wurden die Jungen und Mädchen, 33 Schülerinnen und 22 Schüler, noch in zwei getrennten Klassen unterrichtet. Zwei hauptamtliche Lehrkräfte erteilten Unterricht, unterstützt wurden sie von einer Schulsekretärin sowie dem nebenberuflich angestellten Kaplan und ebenfalls nebenberuflich tätigen Organisten. Heute, ein halbes Jahrhundert und einige Schulreförmchen später, ist die Realschule um ein Vielfaches gewachsen: 590 Schüler besuchen die Schule, das Geschlecht spielt bei dieser Zahl keine Rolle mehr, weil Mädchen und Jungen dieselbe Klasse besuchen. Kaplan und Organist sind nicht mehr da, dafür 35 Lehrer und ein Schulleiter: Seit 1999 heißt er Burkhard Wahner, und zum Jubiläum seiner Schule sagt er: "Wir haben 50 Jahre geschafft und wollen auch noch etwas durchhalten."

Ein zartes Pflänzchen der Hoffnung wächst gerade in Osterath heran, denn das schönste Geschenk haben die künftigen Schüler der Schule beschert: Aktuell haben sich 70 Schüler neu für das nächste Schuljahr angemeldet. Das reicht, um vorerst zu überleben. Das Schicksal der Auflösung scheint erst einmal abgewendet.

Der Gründungstag der Realschule war der 20. April 1966, wie Lehrer Rainer Prinz in seiner kleinen Schulchronik schreibt. Die erste provisorische Realschule sei aus Fertigteilen errichtet worden, drei Klassenräume, ein Lehrerzimmer, die Räume freundlich und hell. Im zweiten Schuljahr kamen schon 77 Schulneulinge. Provisorisch wurde eine Klasse auch im Josefshaus, heute die Nussschale, untergebracht. Im Schuljahr 1967/1968 gab es dann gar 101 Neuanmeldungen. Schon damals gab es Ärgernisse für den Schulleiter Johannes Kisters. die auch manchem Rektor heute nicht unbekannt vorkommen dürften: Da ist etwa die Geschichte der von der Landesregierung zugewiesene Lehrerin, die ihren Dienst aus persönlichen Gründen nicht antrat. Es konnten nur zwei Eingangsklassen gebildet werden - mit 50 Schülern je Klasse. Es folgte Unterricht in weiteren Provisorien, ehe am 19. Oktober 1968 dann das in 18 Monaten errichtete heutige Schulgebäude in seinen Grundzügen eröffnet wurde; im Laufe der Jahre wurde es erweitert.

In seinem Rückblick berichtet Lehrer Prinz von Kuriositäten aus den ersten Jahren. Vom 18. bis 20. Februar 1969 fiel beispielsweise so viel Schnee, dass der Unterricht nicht aufrecht erhalten werden konnte. Wegen einer Grippewelle verlängerte die Schule ein Jahr später die Weihnachtsferien für die ganze Schule und 1971, kurz vor Weihnachten, sorgte ein morgendlicher Drohanruf beim Hausmeister Schappert dafür, dass Rektor Johannes Kisters alle Schüler nach Hause schickt. Weiterer Unterricht musste ausfallen, als am 19. Januar 1973 eine Bombendrohung bei der Schule einging und zehn Euro gefordert wurden. Man stelle sich vor, ein solcher Fall hätte sich heute in Meerbusch ereignet. Es hätte Sonderkonferenzen noch und nöcher gegeben, eine ohnehin gefährdete Schule hätte dies vielleicht nicht überlebt.

Die Realschule Osterath überstand auch diesen Skandal.

Nach zwischenzeitlicher Trägerschaft durch den Rhein-Kreis ging die Schule 1979 wieder an die Stadt Meerbusch. Als "ein Schmuckstück" bewertete damals der Bauausschuss die Schule, die aus allen Nähten platzte: Wegen Raum- und Lehrermangels musste sie sogar 20 Schüler an die Realschule Büderich abgeben. Heute ist es anders: Jetzt hat die Realschule noch Kapazitäten, unterrichtet Flüchtlinge und Schüler, die vom Gymnasium kommen, kooperiert mit anderen Schulen, bereitet die Schüler auf eine Ausbildung vor.

Die Aufgaben sind mannigfaltig und Schulleiter Wahner sieht in all dem den Beweis dafür, dass die Realschule immer noch, trotz Ende des dreigliedrigen Schulsystems, eine gute Schule für Meerbusch ist. Ein Szenario, in dem die Realschule aufgelöst wird, will er sich nicht vorstellen. "Wir nehmen die Kinder hier an die Hand und helfen ihnen zu einem Abschluss, der ihnen alle Möglichkeiten offen lässt. Das war vor 50 Jahren so, und das ist auch heute noch so."

Quelle: RP
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