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Meerbusch
Eine Thailänderin in Meerbusch

Meerbusch: Eine Thailänderin in Meerbusch
Ihr Massage-Studio in Büderich hat Kannikar Blasberg mit Mobiliar aus Thailand eingerichtet. Für zwei Monate pro Jahr reist sie in die Heimat. FOTO: Dackweiler
Meerbusch. Fern ihrer Heimat lebt und arbeitet Kannikar Blasberg seit vier Jahren in Büderich. Sie bewahrt ihre Wurzeln: Im vergangenen Jahr eröffnete die 49-Jährige zwei Studios für Thai-Massage — und kocht zu Hause am liebsten traditionell Von Emily Senf

Kannikar Blasberg ist klein und zierlich, wie viele ihrer Landsleute. Wenn die Thailänderin aber in ihrem Studio an der Moerser Straße in Büderich ist, muss sie alle Kraft aufwenden, die sie hat. Die 49-Jährige massiert ihre Kunden nach Thai-Art, und die hat es in sich. Wer glaubt, einfach nur ruhig da liegen und sich durchkneten lassen zu können, irrt. Kannikar Blasberg dehnt und streckt die Gliedmaßen ihrer Besucher - und zeigt dabei vollen Körpereinsatz, etwa bei der Cobra-Position. Dabei sitzt sie auf dem Rücken des Kunden und zieht dessen Arme nach hinten. Bei einer anderen Übung setzt sie ihr Gewicht ein, um die Knie des Massierten auf dessen Brust zu drücken.

Vor vier Jahren folgte Kannikar Blasberg ihrem Mann in seine Heimat Meerbusch. Es sei eine Umstellung gewesen, gibt sie zu. Vieles sei eben anders als in Thailand, alleine schon die Körpergröße ihrer Kunden. "Aber das ist okay", sagt die Masseurin und lächelt. "Ich habe kräftige Daumen." Trainiert hat sie die im Wat-Pho-Tempel in Thailands Hauptstadt Bangkok. Das ist die weltweit größte Schule für Thai-Massage. Masseure aller Nationen lernen dort ihr Handwerk. Kannikar Blasberg verbrachte sieben Jahre im Tempel, zuletzt unterrichtete sie dort selbst.

In Büderich massierte die Zugezogene ihre Kunden zunächst bei sich und ihrem Mann zu Hause. Das sei aber eher hobbymäßig gewesen, erklärt sie. Damals verbrachte das Paar jeweils zwei Monate im Jahr in Thailand und weitere drei Monate in seinem Ferienhaus in Italien. Das Geschäft aber lief so gut, dass die 49-Jährige im vergangenen Juli ein Massage-Studio in Büderich und sechs Monate später ein weiteres an der Luegallee in Oberkassel eröffnete. Für ihre Stammkunden pendelt Kannikar Blasberg nun zwischen beiden Standorten.

Um die anderen Kunden kümmern sich drei Voll- und eine Teilzeitkraft. Als Aushilfe nach der Schule springt ihre 17-jährige Tochter Ben ein, die im vergangenen Jahr zu ihrer Mutter nach Deutschland zog. Alle Mitarbeiterinnen wurden ebenfalls im Bangkoker Wat-Pho-Tempel ausgebildet.

In Thailand habe die traditionelle Massage einen höheren Stellenwert als in Deutschland, berichtet Ehemann Hubert Blasberg. So sei sie in Fernost als Heilmassage anerkannt, hier zu Lande dagegen nicht - und wird damit auch nicht von den Krankenkassen unterstützt. Die Thai-Massage soll die Muskulatur stärken sowie das Bindegewebe stark durchbluten und damit Verspannungen und Schmerzen vorbeugen. In ihre Massage-Studios hat sich Kannikar Blasberg ein bisschen Heimat geholt. Ein Teil des Mobiliars stammt aus einem thailändischen Möbelgeschäft.

Heimweh habe sie nicht, berichtet die 49-Jährige. "Ich kann ja mit meiner Familie über Skype sprechen", sagt sie. Über den Internet-Video-Chat tauscht sie sich regelmäßig mit ihren Eltern in der Provinz Phetchabun in der Nordregion Thailands aus. Etwas aber gibt es doch, an das Kannikar Blasberg sich nicht recht gewöhnen mag: deutsches Essen. "Es ist okay", sagt sie und lacht. "Aber nicht jeden Tag." Zu Hause kocht sie darum am liebsten thailändisch.

Quelle: RP
 
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