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Meerbusch
Eltern verfassen "Liebesbrief" an Realschule

Meerbusch: Eltern verfassen "Liebesbrief" an Realschule
Sabine Tobin von der Schulpflegschaft und Schulleiter Burkhard Wahner vor der Realschule Osterath. Beide meinen, dass die Realschule als Schulform auch in Zukunft noch ihre Berechtigung haben wird. FOTO: dackweiler
Meerbusch. Die Schulpflegschaft der Realschule Osterath hat jetzt in einem öffentlichen Schreiben die Vorzüge der Realschule dargelegt — und rät Eltern von Viertklässlern, diese Schulform zumindest in Betracht zu ziehen Von Martin Röse

Die Eltern der Realschulkinder haben zu einem außergewöhnlichen Mittel gegriffen, um für ihre Schule zu kämpfen. Sie verfassten einen öffentlichen Brief. "Da die Realschule in den letzten Jahren auch von der Politik als nicht mehr zeitgemäße Schulform immer wieder in Frage gestellt wird und mit Vorurteilen zu kämpfen hat, möchten die Eltern einmal darlegen, warum sie sich bewusst für diese Schule entschieden haben", heißt es im ersten Satz des Schreibens.

Seit Jahren passt Meerbuschs weiterführende Schullandschaft nicht zum Elternwillen. Die Gesamtschule muss zahlreiche Kinder abweisen; viele Eltern melden ihre Kinder auf dem Gymnasium an - obwohl die Grundschullehrer eher davon abrieten. "Das geht dann auch oft eine Zeit lang gut, zum Beispiel durch Nachhilfe", sagt Burkhard Wahner, Leiter der Realschule Osterath. "Spätestens am Ende der achten Klasse aber merken viele Eltern, dass es brenzlig wird." Sie meldeten ihr Kind dann am Gymnasium ab und an der Realschule an. Wahner berichtet: "Im vergangenen Jahr kamen auf diesem Weg, auch aus Krefeld und Willich, so viele Kinder zu uns, dass wir aus unseren vier achten Klassen fünf machen mussten."

Sabine Tobin, Vorsitzende der Schulpflegschaft, hat zwar selbst nicht die Realschule besucht, aber ihr Bruder: "Deshalb hatten wir die Realschule auch als eine Möglichkeit in Betracht gezogen. Mein Eindruck ist, dass viele Eltern in Meerbusch das heute gar nicht mehr tun." Dabei biete gerade die Realschule vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten - darunter durchaus auch den Weg zum Abitur nach neun Jahren statt nach acht, wie am Gymnasium. "Wir bieten unseren Schülern 14 verschiedene Wege zum Abitur", sagt Wahner. Neben dem Wechsel zu einem der Gymnasien und der Gesamtschule gebe es auch Kooperationen mit Berufskollegs in Krefeld, Neuss, Viersen und Düsseldorf. Rund die Hälfte der Meerbuscher Realschüler mache Abitur, berichtet Wahner. Er selbst startete seine Schullaufbahn ebenfalls an einer Realschule.

"Viele Eltern haben sich auch bewusst für die Realschule entschieden, weil die Kinder dort nicht im Ganztag unterrichtet werden", sagt Tobin. "Ihnen bleibt nachmittags Zeit für Verabredungen, Hobbys, Musik, Sport oder Vereine." Gleichwohl gebe es für die Klassenstufen 5 und 6 eine Übermittagsbetreuung mit Essen in der schuleigenen Mensa und Hausaufgabenbetreuung sowie sportlerischen oder künstlerisch-kreativen Angeboten. "Wir Eltern erleben sehr engagierte und jederzeit für Gespräche und Fragen erreichbare Lehrer", lobt Tobin. "Ich kann Eltern von Viertklässlern nur raten, die Realschule mit in Betracht zu ziehen und den Infoabend zu besuchen."

Quelle: RP
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