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Meerbusch
Er fotografiert seine zehnten Sommerspiele: Ein Blick ins Fotoalbum von Laci Perenyi

Meerbusch: Er fotografiert seine zehnten Sommerspiele: Ein Blick ins Fotoalbum von Laci Perenyi
FOTO: Laci Perenyi
Meerbusch. Seit 42 Jahren ist der Meerbuscher Laci Perenyi Sportfotograf. Im August fährt er zu seinen zehnten Olympischen Sommerspielen. Sein Bestreben: Sportfotografie als Kunstform entwickeln. Dabei hilft ihm seine eigene außergewöhnliche Karriere. Von Sebastian Peters

Wer weiß, welchen Weg Laci Perenyis Karriere genommen hätte, wenn das Nationale Olympische Komitee nicht im Mai 1980 entschieden hätte, die Olympischen Spiele in Moskau zu boykottieren. Perenyi wäre vielleicht ein noch erfolgreicherer Schwimmer geworden, ein Star im Becken - und nicht Betrachter am Beckenrand.

In wenigen Wochen wird der gebürtige Slowake von Meerbusch aus nach Rio de Janeiro aufbrechen, um seine nunmehr zehnten Olympischen Sommerspiele zu fotografieren. Bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich vor wenigen Wochen war er dabei -zum zehnten Mal EM. Jetzt stehen noch seine zehnte Fußball-WM in Russland 2018 und die Winterspiele in Südkorea 2018 an. "Es gibt keinen deutschen Sportfotografen, der diese Bilanz aufweisen kann", sagt Perenyi, der um seine Qualitäten als Fotograf weiß, in der Branche auch dementsprechend auftritt.

FOTO: Laci Perenyi

Die Spiele von Rio - sie sind die Krönung einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte: Am 3. August 1955 wurde Perenyi in Preßburg in der Slowakei geboren. 1968, beim Einmarsch der Russen in der CSSR mit dem Prager Frühling, flüchtete er mit seiner Mutter über Wien nach Düsseldorf. Er lernte dort schnell die deutsche Sprache ("jeden Tag 50 Vokabeln"), machte in der Schule schnell Fortschritte. Als Perenyi 15 Jahre alt war, fragte ihn sein Sportlehrer, ob er an einem Wettkampfschwimmen teilnehmen wolle. Dort schwamm er so gut, dass ihn viele am Beckenrand fragten. "In welchem Verein schwimmst Du?" Das war die Initialzündung für Perenyis erste Karriere als Schwimmer. Er wurde Leistungsschwimmer, 1973 schwamm er deutschen Juniorenrekord über 200 Meter Rücken, wurde in die B-Nationalmannschaft berufen. 1976 zu den Olympischen Spielen hätte er große Chancen auf die Teilnahme mit der A-Mannschaft gehabt, sagt Perenyi. "Aber damals ist Deutschland wegen der Ölkrise mit dem kleinsten Olympiakader aller Zeiten angereist. Ich habe die Teilnahme knapp verpasst." 6/100 hätten zur Olympiateilnahme gefehlt, sagt Perenyi. Vier Jahre später - eine neue Chance auf Olympia, doch damals boykottierte Deutschland die Olympischen Spiele in Moskau. Der Schwimmer Perenyi war wieder nicht dabei.

Es erwies sich als Segen, dass Perenyi schon ab dem Jahr 1974 neben dem Leistungsschwimmen einen Broterwerb-Beruf ergriff. Für die Düsseldorfer Fotoagentur Horstmüller war er unterwegs, fotografierte Sportereignisse. Seine Bilder erschienen in Stern, Spiegel, Quick. Beim Nationalen Olympischen Komitee akkreditierte er sich also für die Olympischen Spiele 1980, jenes Ereignis, an dem er wegen eines Boykotts selbst nicht als Sportler teilnehmen durfte. Im Alter von 25 Jahren war er plötzlich professioneller Sportfotograf und fotografierte in jenem Russland, vor dem er 1968 in seiner slowakischen Heimat geflohen war. Bei den Schwimmwettbewerben wollte er einmal zeigen, dass er auch schwimmen kann. Er setzte sich eine Badekappe des Deutschen Schwimmverbandes auf und sprang selbst ins Becken. Eine 50-Meter-Bahn schwamm er - und er sei in aller Munde gewesen. "Für mich war es ein Symbol, dass ich noch ein Nationalmannschaftsmitglied bin."

FOTO: Laci Perenyi

Goldene Zeiten waren das in den Folgejahren für Perenyi, der aus seiner sportlichen Karriere für die Fotografenlaufbahn viel gelernt hat - Disziplin natürlich, aber auch menschlichen Umgang. Er habe die berühmten Sportler stets mit Nachnamen angesprochen: Frau Graf statt Steffi, Herr Schumacher statt Michi. "Man muss Respekt vor dem Sportler haben", sagt der Meerbuscher, der später enger Vertrauter von Schwimmstar Michael Groß wurde, mit Sportgrößen wie Ulrike Meyfarth und Heike Henkel Kontakt hat. Bei einer Ausstellung seiner Bilder 2013 im Olympiamuseum in Köln waren viele seiner Wegbegleiter dabei: Schwimmer Mark Warnecke, IOC-Mitglied Walter Tröger, Heike Henkel, Michael Groß.

Der Sport an sich interessiert Perenyi nicht als Fan. Als er kürzlich in Frankreich bei der Europameisterschaft fotografierte, da fieberte er nicht mit dem deutschen Team. "Der Deutschland-Sieg gegen Italien war mir egal. Aber je weiter Deutschland kommt, desto mehr Bilder kann ich verkaufen", rechnet Perenyi kühl. Dennoch gibt es Sportereignisse, die ihm positiv in Erinnerung geblieben sind. "Lillehammer 1994 war wunderschön, die Leute waren so entschleunigt." Das schönste Fußballturnier sei das 1992 in Schweden gewesen. Deutschland verlor im Finale und Perenyi verlor viel Geld. Für die Bunte hatte er ein Sonderheft mit 54 Seiten fotografiert - wäre Deutschland Europameister geworden, hätte sich das Heft, das zwei Tage nach dem Finale an allen Kiosken liegen sollte, wie geschnitten Brot verkauft. "Wenn Deutschland ausscheidet, ist die EM für die Medien plötzlich aus", sagt Perenyi.

FOTO: Laci Perenyi

Der Druck auf die Fotografen ist mit Einführung der digitalen Fotografie um ein Vielfaches gewachsen: Zu jeden Olympischen Spielen gibt es eine Bilderflut, die Zeitungsredaktionen werden überhäuft mit Bildmaterial. "Der Markt ist kaputt, er überschlägt sich mit Fotos", sagt Perenyi, der offen einräumt, dass das wirtschaftliche Auswirkungen auf ihn hat. Auszeichnungen seien es, die ihn jetzt anspornen, weniger die Masse an Bildern. Ihn störe, dass Fußballstadien mittlerweile Werbearenen seien. Wenn eine Werbetafel in seinem Bild zu sehen ist, sei das ganze Bild kaputt. Gerade deshalb sei das Tennisturnier in Wimbledon für ihn so schön zu fotografieren. "Eine werbefreie Tennisarena, ein Traum."

Perenyi geht jetzt dazu über, seine Profession als Kunstform zu begreifen. Er sucht nach außergewöhnlichen Perspektiven und Szenen. "Natürlich muss ich auch das Bild schießen, wie das Siegtor erzielt wird oder der Weitspringer einen Rekord landet", sagt Perenyi. Bei der WM 1990 sei er der einzige gewesen, der den Franz Beckenbauer nach dem Turnier mit Kanzler Kohl Arm in Arm fotografiert habe. Er verspüre aber den Drang, Kunstmotive zu finden. "Ich versuche, Gemälde zu fotografieren", sagt Perenyi. Bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 stellte er eine Kamera unter das Dach des Stadions und fotografierte die Athleten von oben. Mehrfach hat er Preise gewonnen, das Sportfoto des Jahres 1996 und 2012 geschossen, den Lead Award und den Sven-Simon-Preis erhalten. Im Düsseldorfer Museum K21 hat eines seiner Sportbilder bei einer Auktion für 4000 Euro den Besitzer gewechselt. "Ich finde es schade, dass die Sportfotografie nicht zum Genre Kunst gezählt wird. Fotografen wie Struth oder Gursky können sich lange überlegen, welches Motiv sie fotografieren wollen. Für uns Sportfotografen zählt nur der Moment." So groß ist die Begeistung für Sportfotografie als Kunstform, dass Perenyi mit 65 Jahren nicht aufhören will. "Das ist nicht meine Grenze". Er wolle weiter die besonderen Fotos machen, immer mit dem Blick als Sportler. Am 1. August fliegt er gen Rio - wieder Stress. Perenyi sagt: "Ich will es nicht anders, aber im zweiten Leben werde ich Ersatzspieler bei Bayern München."

Quelle: RP
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