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Bundestagswahl 2017
FDP in Meerbusch zweite Kraft hinter der CDU

Ergebnis der Bundestagswahl 2017 in Meerbusch - FDP zweite Kraft hinter CDU
FOTO: Tinter Anja
Meerbusch. Die CDU verliert auch in Meerbusch deutlich, bleibt aber stärkste Partei. Gewinner sind erneut die Liberalen. Das AfD-Ergebnis liegt unter dem Bundeswert. Von Julia Hagenacker

Es sind zwei Erkenntnisse des Wahlabends: Die Liberalen sind wieder erfolgreich - und Meerbusch ist ihre Hochburg. Was sich bei der Landtagswahl abzeichnete, setzt sich als Erfolg bei der Bundestagswahl fort: Mit 11,5 Prozent der Erst- und 17,6 Prozent der Zweitstimmen hat die FDP im Wahlkreis 110 erneut ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt. Bei der Landtagswahl im Mai war Meerbusch mit 23,2 Prozent bereits erfolgreichste Stadt der FDP in Nordrhein-Westfalen, bei der Bundestagswahl sind die Liberalen in Meerbusch zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Ein Grund zu ausgelassenem Feiern ist das für Spitzenkandidat Otto Fricke trotzdem nur bedingt. "Ich sehe das Ergebnis mit einem lachenden Auge, was die eigene Partei und den eigenen Erfolg angeht, und mit einem weinenden Auge, was das Gesamtergebnis angeht", sagte er am Sonntagabend mit Blick auf den Wahlausgang. Nach vier Jahren zieht der Jurist aus Krefeld wieder in den Bundestag ein. Dass das nicht allein sein Erfolg sei, betont Fricke ausdrücklich. Vielmehr sei das Wahlergebnis der Verdienst des gesamten FDP-Teams. Überschwänglich freuen werde er sich nicht, betonte Fricke, dazu sei das Ergebnis von 2013, als die FDP aus dem Bundestag geflogen ist, noch zu präsent. "Die FDP hat damals gelernt: Hochmut kommt vor dem Fall."

Dass in Berlin nun automatisch alles auf eine Jamaika-Koalition unter Beteiligung von FDP und Grünen hinausläuft, sieht der Meerbuscher FDP-Parteichef Ralph Jörgens nicht. "Machen wir uns nichts vor, die Gespräche werden schwierig", sagte er gestern am Rande der Wahlparty, die die Liberalen im "Landsknecht" feierten. "Entscheidend wird dabei unter anderem sein, wer die Gespräche führt." Für "Jamaika", sagt Jörgens, spreche, dass der Einfluss der AfD so deutlicher eingeschränkt werden kann. Das in Schach halten der AfD innerhalb der Opposition könne am Ende sogar eine sehr verdienstvolle Aufgabe für die SPD sein.

Zufrieden, aber nicht euphorisch: Otto Fricke. FOTO: Kleinelsen

Tatsächlich herrschte gestern um 18 Uhr eine Art Schockstarre bei den rund 100 Mitgliedern der Sozialdemokraten im Parteibüro am Krefelder Südwall, als sich die erste Prognose auf dem Fernseher aufbaute. Die 20-Prozent-Säule für die SPD sorgte für Schweigen und Fassungslosigkeit, die mehr als 13 Prozent der AfD für lautstarke Buh-Rufe. "Das ist ein besonders schwieriger Tag für Demokratie, das Ergebnis der AfD ist für mich auch körperlich schwer zu ertragen", sagte Nicole Niederdellmann-Siemes. Eine erneute Große Koalition mit der CDU schließt die Meerbuscher SPD-Chefin klipp und klar aus: "Wir dürfen der AfD nicht die Meinungsführerschaft in der Opposition überlassen."

Nicole Specker, SPD-Kandidatin für den Wahlkreis 110, ist "enttäuscht" vom Abschneiden ihrer Partei. "Wir haben vier Jahre lang die deutlich bessere Arbeit gemacht - etwa den Mindestlohn eingeführt. Aber diese Dinge werden uns offenbar nicht auf die Fahne geschrieben", stellte sie fest. Deshalb sei es vernünftig, dass die SPD nun in der Opposition ihr Profil schärfe." Über das Abschneiden der AfD sei sie "entsetzt".

Auch die Christdemokraten, die sich am Sonntag in der Gaststätte "Zur Krone" zum Wahlergebnisse-Schauen getroffen hatten, konnte Enttäuschung und Entsetzen über den Ausgang nur schwer verbergen. Partei-Chef Werner Damblon zwang sich trotzdem, nach vorne zu schauen. "Das ist nicht so gut wie wir gehofft hatten", sagte er. "Aber ,Jamaika' ist für mich möglich", sagte er. "Selbstverständlich wird das nicht einfach, aber FDP und Grüne sind Parteien mit Regierungserfahrung, die wissen, dass man in so einer Situation Dinge verhandeln und im Zweifel auch Positionen aufgeben muss."

CDU-Spitzenkandidat Ansgar Heveling - 45 Jahre alt, Jurist aus Korschenbroich - zieht nunmehr zum dritten Mal für Jüchen, Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch und den Krefelder Süden in den Bundestag ein. "Ich freue mich und ich bin sehr erleichtert, dass ich angesichts der Gesamtsituation der CDU noch so ein gutes Ergebnis einfahren konnte", sagte er. Die Regierungsbildung sieht Heveling als schwierig an: "Ich habe mir eine Kombination aus CDU/CSU und FDP gewünscht. Dafür reicht es nicht. Eine sogenannte Jamaika-Koalition sehe ich als Innenpolitiker als schwierig an."

Christian Gaumitz, Kreisvorsitzender der Grünen zeigte sich derweil erleichtert. Bei der Landtagswahl hätten die Wähler die Grünen "abgestraft", sagte er. In den vergangenen Tagen sei die Anspannung in der Partei deutlich zu spüren gewesen. "Aber wir haben auch viel Zuspruch bekommen - vor allem von jungen Leuten. Viele sind zu uns gekommen, weil sie der Rechtsruck in Deutschland aufgerüttelt hat."

AfD-Kandidat Christof Rausch entschuldigte sich gestern wegen Krankheit, kommentierte das Abschneiden seiner Partei aber per E-Mail so: "Also ich sage super! Als drittstärkste Kraft werden wir, wie Gauland sagte, die Regierung jagen!" Er sieht seine Partei bestätigt: "Mein Tipp für die AfD im Bund war 14 Prozent", schreibt er zufrieden:. "Es ist ein guter Tag für Deutschland, in dem endlich wieder Politik gemacht wird."

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Quelle: RP
 
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