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Meerbusch
Erinnerungen an die eigene Hochzeit

Meerbusch: Erinnerungen an die eigene Hochzeit
Eine kleine Rast und ein Plausch an der Kapelle: Elisabeth und Albert Buchholz, Käthe und Paul Merten sowie Elisabeth Bloos (v.l.) FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Der Sonntagmittag an der Niederdonker Kapelle in Büderich: Viele Radfahrer machen Station und zünden eine Kerze an oder schreiben ihre Nöte und Wünsche in ein Buch. Geschichte der Kapelle reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück Von Regina Goldlücke

Vor der Niederdonker Gnadenkapelle "Maria in der Not" unterhalten sich zwei Ehepaare. Eines ist mit dem Rad da, eines zu Fuß. Satzfetzen dringen ans Ohr: Im Keller gab es einen üblen Wasserschaden, morgen kommt ein zuverlässiger Handwerker. Man hätte auch schon schlechte Erfahrungen gemacht: "Einer hat mal behauptet, er sei vom Fach. Und schwupp, war der Hahn kaputt." Die Büdericher sind Nachbarn, haben sich zufällig hier getroffen.

Elisabeth und Albert Buchholz gehen oft spazieren. "Sonntags nehmen wir immer dieselbe Strecke. Wegen der Kapelle." Sie ist auch das Ziel der Radler. Paul Merten fischt ein Zwei-Euro-Stück aus der Tasche: "Für die Kerze, die ich gleich anzünde." Er und seine Frau Käthe haben vor 51 Jahren in dem Kirchlein geheiratet, das Ehepaar Buchholz vor 45 Jahren. "Damals musste man den Pastor extra bezahlen", erzählen sie, "das war noch der Dicke, der Jüttner." Sie berichten von der Lichterprozession im September, von Pferde- und Autoweihen. Dann kommt der schwarze Altar auf der freien Fläche neben der Kapelle zum Einsatz. Dort stehen auch die namenlose Statue einer Madonna mit Kind und ein Barockkreuz.

Ein Mann parkt sein Cabrio, steigt aus und nähert sich. "Da ist Kalli", sagt jemand aus der Gruppe und fragt: "Wo ist denn dein Hund?" Der warte so lange im Auto, antwortet Kalli, wechselt ein paar Worte mit dem Quartett und öffnet die Tür zum Kirchlein. Im gleichen Moment schlüpft Elisabeth Bloos heraus. Sie stülpt sich den Fahrradhelm über, setzt sich auf die Bank und nimmt einen Schluck Wasser: "Kleine Pause!" Die frühere Lehrerin einer benachbarten Schule radelt regelmäßig von Neuss-Furth hierher, "das sind hin und zurück zwölf Kilometer. Der Kapelle fühle ich mich noch sehr verbunden."

Das teilt sie offenbar mit allen anderen, die an diesem Sonntag fast im Minutentakt aus- und eingehen. Darunter auch Lennox. Meist nehmen Oma und Opa den Fünfjährigen mit hinein, heute ist er mit seinem Vater unterwegs: "Vorher waren wir beim Bauernhof und haben die Tiere gefüttert." Gegenüber vom Kapellchen ist das Hotel Café Schwarz. "Frischer Pflaumenkuchen" lockt die Aufschrift auf der Schiefertafel. In der Einfahrt links vom Haus parkt der Anhänger, der "Mutter Schwarz" auf dem Büdericher Wochenmarkt als Stand dient. Dort, wo der Siebenschmerzenweg abzweigt, weist der "Radknotenpunkt Nr. 20" Entfernungen aus: Nach Krefeld sind es 17, nach Lank-Latum 10, nach Neuss neun Kilometer.

Ein heranradelndes Paar steigt ab. Der Mann zückt eine Karte. "Da lang", gibt er die Richtung vor. Zum Schluss ein Blick in die Kapelle, in der Kerzen brennen und ein Buch ausliegt, in das die Besucher ihre Nöte und Wünsche schreiben können. Zwei der letzten Einträge: "Bitte hilf, Maria, dass mein Mann nicht mehr hustet." Und: "Mach, dass mein toter Hamster Flinki es im Himmel gut hat."

Quelle: RP
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