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Meerbusch
Erinnerungen an die Schule von früher

Meerbusch: Erinnerungen an die Schule von früher
Inge Grosse ist stolz auf ihre Schulsammlung. Jetzt sucht die Meerbuscherin noch eine Bleibe für ihre Handarbeitssammlung, Stücke, die früher in den dritten und vierten Klassen im Schulfach "Nadelarbeit" angefertigt wurden. FOTO: A. Tinter
Meerbusch. Schiefertafeln, Griffel, Fibeln und ein Abakus: Inge Grosse sammelt Schul- und Lern-Utensilien früherer Jahre. Jetzt ist die Sammlung als Dauerleihgabe in den Räumen der ISR in Neuss zu sehen. Von Monika Götz

Schon vor 105 Jahren hat der Abakus dabei geholfen, Rechenaufgaben zu lösen. Im Laufe der Zeit aber musste die aus einem Holzrahmen mit Stäben und durchbohrten Kugeln bestehende Rechenhilfe aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts zeitgemäßem Rechengerät den Platz überlassen. Damit hatte der Abakus ausgedient. Sammlerin Inge Grosse hat sie trotzdem immer in Ehren gehalten und gepflegt. Dass ihr Abakus jetzt gut sichtbar in der Fensterfront am Eingang der ISR International School on the Rhine in Neuss einen festen Standort gefunden hat, macht sie glücklich. Und der Rechenschieber ist nicht das einzige Exponat, das Schulgeschichte demonstriert. Er gehört zur "Schulsammlung", die Inge Grosse seit Anfang der 2000er Jahre systematisch aus Schulen in Meerbusch und der Region zusammengetragen hat.

Der Lehrerin, die 27 Jahre lang an der Pastor-Jacobs-Schule in Lank-Latum unterrichtet hat, war es wichtig, diese Kulturgüter aufzubewahren. Schon 2011, anlässlich der Ausstellung "Schule früher" im Alten Küsterhaus in Büderich, war es ihr Wunsch, "die Zeitzeugen an einem geeigneten Ort gesammelt unterzubringen". Aber die von Vereinen wie dem Heimatkreis Lank, dem Meerbuscher Kulturkreis und dem Denkmalschutz unterstützte Suche nach einem passenden Ausstellungsort blieb erfolglos - bis Inge Grosse mit Peter Soliman, Inhaber der ISR, sprach. "Er sagte spontan zu, der Sammlung in der Schule einen Platz zu geben", erzählt Grosse. "Es war mir so wichtig, die Dinge, die mir im Laufe der Zeit von vielen Menschen geschenkt und anvertraut wurden, in guten Händen zu wissen. Das ist eine sehr große Freude."

Bisher wurden die alten Geometriegeräte, Lese-, Sprach- und Glaubensbücher aus dem 19. Jahrhundert, die hölzernen Kartenständer, Atlanten und Poesiealben, die in einem heute nicht mehr gängigen und deshalb "kostbaren" Druckverfahren hergestellten Landkarten, Lehrerkalender, Schul-Matrosenanzüge und Fibeln in einem großen Kellerraum der Familie Grosse in Langst-Kierst aufbewahrt.

Dort war auch eine gut 70 Jahre alte schwere Holzschulbank zwischengelagert, die aus dem Münsterland stammt. Sie steht jetzt in der Eingangshalle der ISR und Inge Grosse hat beobachtet: "Besonders die Jungen sitzen dort gern. Sie beschäftigen sich entweder mit ihrer Schularbeit oder mit dem Smartphone." Auf jeden Fall gehören die Bank wie auch die Gegenstände in den Vitrinen jetzt als Dauerleihgabe zum Schulinventar. Das Gefühl, ihre Sammlung öffentlich zugänglich und doch bewahrt zu wissen, genießt Inge Grosse: "Es ist ein sehr gutes Gefühl." Die 75-Jährige erinnert sich an viele Begebenheiten auch während der Sammeljahre: "Mir fehlte ein klassischer Ledertornister, in dem ich Schiefertafel, Schwamm und so weiter verstauen konnte. Den ersten habe ich im Internet bestellt, dann kamen viele von allen Seiten nach."

Diese Schätze hat Familie Grosse ehrenamtlich und auf eigene Kosten in mehreren Schulen und Senioreneinrichtungen gezeigt: "Sie haben sehr viele Erinnerungen geweckt und sogar therapeutischen Effekt gehabt. Mit dieser Sammlung habe ich viel Freude bereitet."

Quelle: RP
 
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