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Angelika Mielke-Westerlage
"Es warten große Aufgaben"

Angelika Mielke-Westerlage: "Es warten große Aufgaben"
Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage freut sich über die Fortschritte im Bereich Kita-Ausbau, ärgert sich aber auch über das Haushaltsloch. FOTO: u.d.
Meerbusch. Traditionell gibt die Bürgermeisterin zum Jahresende ein Interview mit unserer Zeitung. Darin blickt sie auf 2017 zurück, in dem das Hallenbad eröffnet wurde und die Tour de France durch die Stadt führte. Besonders gefreut hat sie, dass die Bahnunterführung Osterath auf den Weg gebracht wurde.

Was fanden Sie 2017 für Meerbusch besonders markant?

Angelika Mielke-Westerlage 2017 war ein arbeitsreiches, sehr intensives Jahr. Aber es war auch ein Jahr, in dem viel erreicht wurde. Ich möchte zwei Beispiele nennen: Wir haben die Grundsanierung unseres Hallenbades nach 15 Monaten Schließung vollendet und - das betone ich gern - wir haben den vorgegebenen Kostenrahmen von sieben Millionen Euro eingehalten. Das Ergebnis der Arbeiten kann sich sehen lassen. Mit dem neuen "Meerbad" bieten wir den Besuchern ein modernes Sport- und Gesundheitsbad - vorbildlich von seinen energetischen Standards, aber auch in Sachen Stil, Atmosphäre und Angebot. Ich glaube, darauf dürfen wir alle stolz sein.

Der Bau der Böhlerstraße konnte im vergangenen Jahr fast abgeschlossen werden, der Zugang zur Autobahn wird dadurch deutlich erweitert. FOTO: crei

Was ist Ihnen beim Rückblick ebenfalls noch gut in Erinnerung?

Mielke-Westerlage Die Durchfahrt der "Tour de France" ist mir als großes Wagnis, aber auch als großes Erlebnis in Erinnerung geblieben. Als wir die Chance erhielten, 2017 das berühmteste Radrennen der Welt nach Meerbusch zu holen, haben wir alle Kräfte mobilisiert, damit das Vorhaben gelingt. Alle Beteiligten haben sich - teils bis an die Grenzen des Machbaren - eingesetzt, damit das Großevent auch bei uns reibungslos über die Bühne gehen konnte. Heute können wir sagen: Das Abenteuer "Tour de France" wurde mit Bravour bestanden. Wir haben vielen tausenden Zuschauern am Straßenrand ein tolles Erlebnis geschenkt, und wir haben Meerbusch der Welt ein Stück nähergebracht. Genau so sollte es sein!

Die Wiedereröffnung des Hallenbades in Büderich nach 15 Monaten Umbau ist für die Bürgermeisterin eines der bedeutendsten Ereignisse gewesen. FOTO: end

Noch einmal ein Blick zurück: Haben Sie das, was Sie sich vorgenommen haben, umsetzen können?

Mielke-Westerlage Ja, durchaus. Unter anderem ist es gelungen, das Betreuungsangebot für Kinder in Meerbusch weiter zu verbessern. Das ist wichtig für unsere Familien. Neben den Über-Dreijährigen, die wir komplett versorgt haben, bieten wir inzwischen auch rund 65 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen einem und drei Jahren einen Betreuungsplatz. Das ist ein guter Wert. In Osterath haben wir mit der Kita "Entdeckerknirpse" in nachhaltiger Bauweise hochmodernen Ersatz für die alte Einrichtung im Mühlenfeld geschaffen. Vier neue Gruppen stehen hier zur Verfügung, der Neubau ist bestens gelungen. Was viele nicht wissen: Die Stadt zahlt für den Betrieb unserer Kindergärten inzwischen rund zehn Millionen Euro im Jahr. Nur 2,7 Millionen davon sind durch Elternbeiträge abgedeckt. Das zeigt, wie zentral das Thema Kitas inzwischen ist.

Stadtplanerin Kirsten Steffens präsentiert die Pläne zur Umgestaltung des Areals rund um die ehemalige Barbara-Gerretz-Schule in Osterath, FOTO: u.d.

Kann man das auf die Schulen übertragen?

Mielke-Westerlage Genau, das setzt sich in den Schulen fort: Rund 75 Prozent der Meerbuscher Schulkinder haben ein Nachmittagsbetreuungsangebot. Auch dafür werden Millionen investiert. Beispiel: Wir haben die angespannte Raumsituation für die Kinder des Offenen Ganztags an der Mauritius-Schule und an der Brüder-Grimm-Schule beendet. Mit dem Umbau der ehemaligen Kämmerei am Dr.-Franz-Schütz-Platz haben wir für beide Schulen je vier neue Gruppenräume geschaffen. Im gleichen Haus sind Bürgerbüro und Straßenverkehrsamt nun barrierefrei an einem Standort untergebracht. Zugleich ist es uns gelungen, ein Denkmal im Herzen des Ortes wieder in Bestzustand zu versetzen. Rund 1,4 Millionen Euro haben wir hier gut angelegt.

Spielen beim Stichwort "Soziales" die Flüchtlinge immer noch eine große Rolle? Wie sieht die Situation aktuell aus?

Mielke-Westerlage Die Zuweisungszahlen sind verglichen mit dem Vorjahr im Wesentlichen unverändert. Entsprechend gut haben wir die Unterbringung der Menschen in den Griff bekommen. In den Bau der Flüchtlingsunterkunft am Hülsenbuschweg in Büderich haben wir rund 3,3 Millionen Euro investiert. Knapp 200 Menschen finden dort in kleinen Einheiten Platz. Die Betreuung funktioniert - auch dank wertvoller ehrenamtlicher Unterstützung - sehr gut.

Was hat Sie im politischen Alltag im abgelaufenen Jahr besonders gefreut?

Mielke-Westerlage Im Dezember hat der Stadtrat die so genannte Eisenbahnkreuzungsvereinbarung für die Bahnunterführung Osterath abgesegnet. Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt getan, dieses seit Jahrzehnten ersehnte Projekt endlich in Angriff zu nehmen. Viele hatten das nicht mehr für möglich gehalten. 5,3 Millionen Euro werden wir aus dem Meerbuscher Stadtsäckel beisteuern. Jetzt stehen die Chancen gut, dass der Bau mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro 2019 beginnen kann. Ich freue mich auch, dass wir 2017 nach rund 20 Jahren stockender Planung gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf endlich den Bau der Böhlerstraße starten und nahezu vollenden konnten. Jetzt fehlen nur noch die direkten Anschlüsse ans bestehende Straßennetz. Wenn wir die neue Verbindung im April eröffnen, bedeutet das eine erhebliche Verkehrsentlastung für den Büdericher Süden. Die Anwohner der Marienburger Straße dürfen aufatmen; das Areal Böhler, die Hansaallee und die neuen Wohnquartiere auf Düsseldorfer Seite bekommen endlich direkte Anbindung an die Autobahn.

Apropos Stadtplanung: Meerbusch braucht neuen Wohnraum. Wie bewerten Sie die Entwicklung 2017?

Mielke-Westerlage Es hat sich viel getan. Nach Jahren der Zurückhaltung verzeichnen wir auf dem Wohnungsbausektor auch in Meerbusch eine neue Dynamik. Auf dem Böhler-Erweiterungsgelände, im Lötterfeld in Büderich oder auf dem Ostara-Gelände in Osterath haben viele Familien ein neues Zuhause gefunden. Auch die Planung für das ehemalige Bauhofgelände an der Moerser Straße steht. Dort kombinieren wir gehobenes und preisgünstiges Wohnen nach einem ganz neuen Quartierskonzept. Wichtig ist dabei zu beachten: Wir brauchen in Meerbusch nicht nur Zuzüge, sondern wir wollen auch den Meerbuschern, die bei uns nach einem Eigenheim oder einer bezahlbaren Wohnung suchen, Möglichkeiten bieten, in ihrer Heimatstadt zu bleiben. Das ist eine zentrale Aufgabe.

FORTSETZUNG DES INTERVIEWS AUF SEITE D3

Quelle: RP
 
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