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Meerbusch
Experte: Wo Parkgebühren Sinn ergeben

Meerbusch: Experte: Wo Parkgebühren Sinn ergeben
Das Zentrum von Osterath: Die Kunden würden sich jenseits des Ortskerns Parkplätze suchen, die nichts kosten. Oder gleich bei den Discountern am Ortsrand einkaufen - und genau das würde den Einzelhandel im Ort schwächen, meint Rainer Schneider. FOTO: Rainer Schneider
Meerbusch. Es scheint noch zu dauern, bis eine Entscheidung fällt, ob Meerbusch in dem einen oder anderen Stadtteil Parkgebühren einführt. Ein Experte riet den Politikern im Fachausschuss, genau zu überlegen, wer davon negativ tangiert würde. Von Anke Kronemeyer

Drei Stadtteile sind im Gespräch, in denen Parkgebühren eingeführt werden könnten: Lank-Latum, Osterath und Büderich. Die Politik diskutiert schon länger - ohne Ergebnis. Jetzt wurde ein Experte in den Bau- und Umweltausschuss eingeladen. Ergebnis: Lank-Latum und Osterath könnten aus dem Denk-Modell raus sein, aber Büderich bleibt vermutlich mit dem Dr.-Franz-Schütz-Platz im Rennen.

Rainer Schneider reiste aus Hannover an, um seine Beobachtungen aus allen drei Stadtteilen mitzuteilen. Er habe sich überall an mehreren Tagen aufgehalten, erzählte er. Schneider weiß: Der Kunde will am liebsten direkt vors Geschäft fahren, um seine Einkäufe zu erledigen. Je attraktiver aber ein Standort sei, umso längere Fußwege nehme der Kunde in Kauf. Zum Beispiel auf der Düsseldorfer Königsallee. Je ländlicher ein Gebiet ist (und dazu zählt er Meerbusch), desto näher wollten die Kunden an die Geschäfte ran. Wenn sie daran gehindert würden - zum Beispiel durch Parkgebühren - weichen sie zum Parken in benachbarte Anwohnergebiete aus.

Das Zentrum von Büderich: Auch hier gäbe es einen Parksuchverkehr innerhalb der Kreise, der Einzelhandel würde aber keinen Schaden nehmen. FOTO: Rainer Schneider

Genau das befürchtet Schneider im Fall Meerbusch in allen drei Stadtteilen. Aber: In Lank-Latum und in Osterath würden Parkgebühren den Einzelhandel durch diese Situation belasten, in Büderich seiner Einschätzung nach nicht. "Dort ist der Einzelhandel so stark, dass er Parkgebühren aushalten würde." Schneider weiß: "Auch wenn der Einzelhandel immer wieder anderes behauptet: Parkgebühren machen den Handel nicht kaputt."

In Osterath käme hinzu, dass die Kunden vermutlich verstärkt Supermarkt und Discounter am Ortseingang aufsuchen würden - und genau das würde die anderen Geschäfte weiter schädigen. "Der Einzelhandel dort ist generell zu schwach, um auch noch Parkgebühren auszuhalten." Wenn überhaupt, könnte man eine differenzierte Parkscheibenregelung einführen. So auch in Lank: Dort sei viel Verkehr zum Beispiel rund um Supermarkt, dort könnte man begehrte Stellplätze zu bestimmten Zeiten etwas teurer machen. "Hybride Lösung" nennt Schneider das Modell zwischen Parkscheinautomat und Parkscheiben.

Das Zentrum von Lank-Latum: Rainer Schneider zeichnet um das Zentrum die Kreise, in die die Autofahrer ausweichen würden. FOTO: Rainer Schneider

Schneider riet den Politikern, genau nachzudenken, wen sie mit Parkgebühren negativ tangieren. "Und sie müssen überlegen, was sie damit erreichen wollen: mehr Einnahmen für die Kommune oder eine verkehrliche Entlastung." In Büderich könnte man zum Beispiel mit einer Meerbusch-Karte ein Rabattsystem einführen. Von der so genannten Brötchentaste riet Schneider generell ab. "Das reduziert die Wertigkeit eines Parkplatzes. Man sollte nichts für Null anbieten." Er sagt auch: "Die Höhe der Parkgebühr ist nicht kriegsentscheidend - egal, ob Sie 50 Cent oder einen Euro nehmen." Außerdem soll der Preis durchgehend gelten, es sollte keine Rabatt-Tage geben.

Die Parteien wollten sich im Fachausschuss noch nicht festlegen und baten um weiteren Beratungsbedarf. Die SPD favorisiert Büderich, die CDU ist noch uneins, lehnt aber Lank offenbar ab.

Quelle: RP
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