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Meerbusch
Fitness-Übungen bis ins hohe Alter

Meerbusch: Fitness-Übungen bis ins hohe Alter
Maria Reinartz (im Bild vorne, rechts daneben: Gymnastiklehrerin Josa Brandt) ist Woche für Woche mit viel Begeisterung bei der Seniorengymnastik dabei. Mit Musik machen die Übungen in der Gruppe noch mehr Spaß. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Beim TuRa Büderich sind viele jenseits der 60. Eine von ihnen ist Maria Reinartz. Die 80-Jährige nimmt an der Senioren-Gymnastik teil Von Sabine Meuter

"Hallöööchen!" Mit einem fröhlichen Lächeln betritt Josa Brandt die Turnhalle am Mataré-Gymnasium in Büderich. Mit einer herzlichen Umarmung begrüßt die Gymnastiklehrerin jede der Anwesenden. Bei ihnen handelt es sich indes nicht, wie der Ort vermuten lässt, um ein paar Oberschülerinnen. Vielmehr sind es neun Frauen ab 65 Jahren aufwärts. Sie sind Teilnehmerinnen eines Seniorensport-Kurses des TuRa Büderich. Einmal in der Woche kommen sie für eine Stunde zusammen, um unter Anleitung von Brandt Gymnastik zu machen. So soll etwa die Beweglichkeit gefördert, das Koordinationsvermögen geschult und die Durchblutung verbessert werden. Auch ein leichtes Herz-Kreislauf-Training gehört dazu.

Die Älteste in der Runde ist Maria Reinartz. Die 80-Jährige ist erst seit zwei Monaten dabei - und zeigt sich von dem Kursus ausgesprochen begeistert. "Das hätte ich vorher nicht gedacht, dass die Streck- und Dehnübungen, die wir machen, so viel zu meinem Wohlbefinden beitragen", sagt die Seniorin. Sport hat sie bis dato nie getrieben. Sie dachte, dass sie das nicht brauche. "Durch die Arbeit in Haushalt und Garten war ich immer in Bewegung", erzählt Reinartz, die früher zusätzlich auch in einem Notariat gearbeitet hat. Aber Bewegung ist nicht gleich Bewegung. Es kann auch zu Belastungen von einseitig beanspruchten Muskeln kommen. Verspannungen oder Schmerzen sind dann häufig die Folge. Bei Reinartz kam es zu Rückenbeschwerden. "Eine Therapeutin riet mir, dass ich einen Seniorensport-Kursus besuchen und dort zielgerichtete Übungen zur Steigerung meines Wohlbefindens lernen soll", erzählt die 80-Jährige. So fand sie den Weg zum TuRa Büderich.

"Es sind nicht immer Medikamente, die gegen Beschwerden helfen", betont auch Reinartz' Gymnastiklehrerin Brandt. Zielgerichtete sportliche Betätigung kann ebenfalls dazu beitragen, dass Schmerzen gemindert werden - oder gar komplett ausbleiben. Auch die soziale Komponente, der Kontakt und das Miteinander mit Gleichgesinnten, spielt eine Rolle. "In der Gruppe motiviert der eine den anderen, wenn die Ausdauer mal nachlässt", sagt Brandt.

Mit viel guter Laune führt sie Woche und Woche die Seniorinnen durch den Kursus. Beine, Arme, Bauch und Rücken: Diese Körperteile werden mit behutsamen und altersangepassten Übungen gedehnt und gestreckt. Dabei kommen dann und wann auch bunte Bälle oder Handtücher zum Einsatz. Brandt hat bei dem Programm jede der Seniorinnen im Blick. "Lächeln, Mädels, das könnt Ihr von allem am besten", ermuntert sie ihre Zöglinge, wenn sie bei aller Anstrengung mal ernst dreinblicken. Macht eine eine falsche Bewegung bei der jeweiligen Trainingseinheit, steht Brandt ihr zur Seite und korrigiert sie liebevoll.

Zum Auftakt der Stunde gibt es, wie in jedem anderem Training auch, eine Aufwärmphase. Dabei gehen die Frauen zunächst langsam, dann mit einem minimal gesteigerten Tempo durch die Halle. Damit es nicht eintönig wird, tönt Musik aus einer kleinen Anlage. Mit Swing- und Rock'n Roll-Klängen trainiert es sich eben noch leichter. Auch die Vorbeugung vor Stürzen im Alltag ist ein Thema. "Ein wesentliches Element ist hierbei, den Gleichgewichtssinn zu trainieren", erklärt Brandt. So wird etwa geübt, einige Zeit auf nur einem Bein zu stehen. "Das kann man auch mal locker zu Hause etwa beim Zähneputzen machen."

Beim TuRa Büderich betätigen sich insgesamt 36 Frauen und Männer im Bereich der Seniorengymnastik. Diese Zahl nennt Ulla Ungerath. Sie ist stellvertretende Vorsitzende bei dem Verein. Nach ihren Angaben ist die Zahl der älteren Frauen und Männer, die in ihrem Verein Sport treiben, in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Aktuell sind 148 von 777 Mitglieder über 60 Jahre alt. 1996 waren gerade mal 60 TuRa-Leute in diesem Alter. In der Tischtennis-Abteilung sind zehn Männer jenseits der 65. Zwölf Senioren gehen derzeit regelmäßig in die Herzsport-Gruppe. 31 ältere Frauen und Männer beteiligen sich an einem Fitnessprogramm, das über die Seniorengymnastik hinausgeht. "Zum Training gehört beispielsweise auch Aerobic", sagt Ungerath.

Sich sportlich betätigen: Dafür ist es grundsätzlich in keinem Alter zu spät. Neu- oder Wiedereinsteiger sollten aber in jedem Fall vorab mit einem Arzt sprechen. Wenn er oder sie grünes Licht gibt, spricht nichts mehr gegen eine Trainingsaufnahme. Dann muss man eigentlich nur noch das: sich selbst motivieren. Maria Reinartz fällt das überhaupt nicht schwer. Ihre Entscheidung, an der Seniorengymnastik teilzunehmen, hat sie bis heute nicht bereut. Ihre Gymnastiklehrerin freut das. "Wünschenswert wäre, wenn noch mehr Ältere als bisher aktiv Sport treiben würden", sagt Brandt.

Dann könnten es auch die, die bislang "Sportmuffel" waren, merken: Bewegung tut einem einfach gut.

Quelle: RP
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