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Meerbusch
Formel Umleitung

Meerbusch. Bis nach den Sommerferien geht's nur auf einer Ausweichroute in den Osterather Ortskern. Ist jetzt das Verkehrschaos da? Ein Fahrbericht Von Martin Röse

Umleitung! Behelfsampeln! Einbahnstraßenregelungen! Jeder Autofahrer weiß: Wer auch nur eins dieser drei Worte mit Berufsverkehr multipliziert, steht schon im Stau. Wirklich? Osterath hat zurzeit die spannendste Umleitungsstrecke in Meerbusch zu bieten. Wie schlimm ist sie wirklich? Wir sind sie gefahren.

Los geht's zur besten Feierabendzeit um 17.35 Uhr an der Einmündung der Meerbuscher Straße in den Winklerweg. Geradeaus fahren in Richtung Osterather Ortskern ist verboten. Beim Rechtsabbiegen halten wir den Fuß übers Bremspedal, bereit, den Wagen in Sekundenbruchteilen hinter einem Konvoi sich stauender Fahrzeuge zum Stehen zu bringen. Doch von Stau keine Spur. Verunsichert setzen wir den Blinker nach links, reihen uns hinter einen einsamen Kleinwagen ein, der ebenfalls wartet. Zahlreiche Pkw fahren rechts vorbei, weiter auf dem Winklerweg. Wissen sie nicht, dass es für Autofahrer eine Abkürzung über die Gottlieb-Daimler-Straße gibt?

Um 17.36 Uhr springt die Ampel auf grün. Wir biegen in die Gottlieb-Daimler-Straße ein. Rote Bremsleuchten vor uns. Schnell auf die Bremse. Der Kleinwagen biegt auf den Aldi-Parkplatz ab. Dann haben wir die frisch geteerte Straße ganz für uns. Tempo 30 ist hier. Der Blick schweift nach rechts, zum Rohbau des neuen Edeka-Supermarktes. Ein heftiges Rütteln der Stoßdämpfer holt uns auf die Straße zurück, gefolgt von einem zweiten. Eine Aufpflasterung, von der Dorfstraßenbefahrer nur albträumen können, fordert Fahrer und Boliden.

Immer noch 17.36 Uhr: Einbiegen auf die Alte Ladestraße. Nach wenigen Metern, in Höhe des Biergartens vom Restaurant "Olympia", weicht der ruhige Asphalt Kopfsteinpflaster. Und hier das erste Mal eine Situation, die an einen Stau erinnert: drei Autos stehen hintereinander. Für eine Sekunde. Dann biegt der vordere Wagen rechts in die Meerbuscher Straße ab.

Umleitungsmäßig war's das schon. Wir machen aber die ganze Runde. Rechts in den Bahnhofsweg, U-Turn im Kreisel, dann zurück Richtung Meerbuscher Straße. Es ist 17.37 Uhr, als wir in die neue Einbahnstraße einbiegen. Die Behelfs-ampel ist ausgeschaltet. Nur wenn die Feuerwehr ausrücken muss, zeigt die Ampel den Autofahrern rot. Links und rechts säumen Warnbaken die Fahrbahn. Die Straße macht einen Schwenk nach links, das Auto gerät in Schräglage. Die Runde hat das Reifenprofil nicht zu sehr angegriffen; den Boxenstopp an der Tankstelle verschieben wir.

Stattdessen: ins Ziel Winklerweg. Beim Abbiegen springt die Uhr auf 17.38 Uhr. Drei Minuten für eine ganze Runde. Das ist okay. Die Beschilderung verständlich, die Strecke gut befahrbar. Vielleicht auch deshalb, weil tatsächlich viele Autos nicht in die Gottlieb-Daimler-Straße abbiegen, sondern den Winklerweg weiter befahren. Dort ist der frisch gebaute Kreisverkehr angebunden, hält der 832er an der Ersatzhaltestelle "Wienenweg". Für die Schüler bedeutet das weitere Wege, für die Autofahrer Staugefahr. Doch so oft fährt der Bus ja nicht. Eine Behelfsampel sorgt für geordnetes Fahrverhalten an der Kreuzung zur Strümper Straße. Auch hier (bis auf den Wegfall von Parkplätzen): nichts zu klagen.

Wir sind in Fahrlaune. Knapp drei Minuten wollen unterboten werden. Also: noch mal in die Gottlieb-Daimler-Straße, auf der Alten Ladestraße übers Kopfsteinpflaster - und dann doch voll in die Eisen. Schranke unten, Zug kommt, Rekord weg.

Quelle: RP
 
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