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Meerbusch
Geldautomat gesprengt: "Audi-Bande" unter Verdacht

Geldautomat in Meerbusch gesprengt
Geldautomat in Meerbusch gesprengt FOTO: Daniel Bothe
Meerbusch. Am frühen Donnerstagmorgen wurden Anwohner in Meerbusch-Osterath von einem lauten Knall geweckt: Erneut haben Unbekannte einen Geldautomaten gesprengt. Am Gebäude entstand hoher Sachschaden. Zeugen berichteten von einem dunklen Audi als Fluchtfahrzeug. Von Sonja Schmitz

Seit 15 Jahren lebt Hartmut Müller mit seiner Frau in Osterath an der Strümper Straße, aber so eine Nacht wie die vergangene hat er bislang noch nie erlebt. "Wir sind von einem mächtigen Knall wach geworden", berichtet der 63-jährige Frührentner. Weil sie nah an der Kreuzung wohnen, hatte er zuerst an einen Unfall dort gedacht oder an nächtlichen Radau im Osterather Rathaus-Park. Fehlanzeige. Dann vom Balkon aus hörte das Paar, das gebürtig aus Thüringen ist, von der Straße her Stimmen.

"Es wurde Russisch gesprochen", ist sich Müller sicher. Vom Handy aus rief er die Polizei an, doch die Leitung war wiederholt besetzt. Seine Frau habe laut "Polizei!" gerufen, da sei es unten ruhiger geworden. Müller wählte deshalb 112, um über die Feuerwehr seine Meldung abzugeben. Als er das Gespräch beendete, sah Müller, wie ein dunkler Audi vorfuhr und langsam um die Kurve bog in Richtung Krefeld. "Das Auto war voll mit Glasscherben, und es hatte kein Nummernschild", berichtet Müller.

Fotos: Geldautomaten-Sprengungen in der Region – Chronik FOTO: Markus Gerres

So wie Müller riefen gegen 3.40 Uhr viele Osterather bei der Polizei an, die von der Detonation aus dem Schlaf gerissen wurden. "Wenn man bei so einem Ereignis bei der Polizei anruft und die Leitung ist besetzt, kann man davon ausgehen, dass viele Anrufer aus dem gleichen Bereich anrufen", erklärt eine Sprecherin der Neusser Polizei. Zeugen wollen drei maskierte Täter gesehen haben. Die Fahndung, bei der auch ein Hubschrauber eingesetzt wurde, verlief ohne Erfolg. Nun sollen Videoaufnahmen bei der Suche nach den Tätern helfen.

Donnerstagvormittag blieben immer wieder Passanten vor der zerstörten Front der Commerzbank-Filiale an der Strümper Straße stehen. "Ich bin nachts vom Hubschrauber wach geworden", berichtet ein älterer Herr. Eine Kundin, die in der Filiale gerade Geld abholen wollte, schlägt beim Anblick der zerborstenen Scheiben und des verwüsteten Schalterraums erschrocken die Hand vor den Mund (sehen Sie hier die Bilder). Von der Sprengung des Geldautomaten hatte sie noch gar nichts gehört. Das Geld wird sie nun am Automaten der Deutschen Bank abholen.

Kleve: Geldautomat an Hoffmannallee gesprengt FOTO: Guido Schulmann

Die Commerzbank wollte sich am Donnerstag aus Sicherheitsgründen nicht zur Höhe der Beute äußern. Die entstandenen Sachschäden seien "erheblich". Davon betroffen seien der Selbstbedienungsbereich und der angrenzende Filialbereich, die Schließfächer seien nicht betroffen. Die vier Mitarbeiter sind während der Renovierung in der Filiale Büderich eingesetzt und dort für die Osterather Kunden erreichbar. Zur Frage, wie man sich künftig gegen solche Anschläge besser schützen möchte, wollte sich die Bank nicht äußern.

Die Sparkasse Neuss, die nur wenige Meter entfernt eine Filiale mit Geldautomaten betreibt, geht mit dem Thema offen um. Im Juli war ein Geldautomat des Instituts auf der Neusser Weyhe gesprengt worden, an die Beute kamen die Täter nicht. Selbst Experten benötigten 6,5 Stunden, um an die Geldkassetten zu kommen. "Gute Technik ist die beste Prävention", sagt Institutssprecher Stephan Meiser.

Krefeld: Geldautomaten der Sparkasse gesprengt FOTO: Lothar Strücken

Die Geldautomatensprengung in Meerbusch reiht sich in eine Serie ein, die von Banden aus den Niederlanden verübt werden soll. Das LKA in Nordrhein-Westfalen setzte bereits eine Sonderermittlungsgruppe ein, um der sogenannten "Audi-Bande" auf die Spur zu kommen. 

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