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Meerbusch
Haus Meer: Neue Bodenfunde durchkreuzen Hotelpläne

Meerbusch: Haus Meer: Neue Bodenfunde durchkreuzen Hotelpläne
Ein Grabungsteam auf dem Areal von Haus Meer. Im Kulturausschuss erhielt die Politik gestern die überraschende Nachricht, dass die Hotelpläne endgültig zu den Akten gelegt werden müssen. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Die taiwanische Regent-Gruppe will ein Luxushotel bauen - doch daraus wird wohl nichts. Von Sebastian Peters

Bei Grabungen auf dem Gelände des Hauses Meer nördlich des Schlosses haben Archäologen hochwertige Bodenfunde gemacht. Die Pläne der taiwanischen Regent-Gruppe, dort einen Hotelbau zu errichten, haben sich damit wohl zerschlagen. Der städtische Beigeordnete Just Gérard stellte das mit Spannung erwartete Ergebnis der Bodenuntersuchung gestern Abend unter dem Punkt "Verschiedenes" im Kulturausschuss vor. "Es gibt hochwertige Funde dort", sagte er und schlussfolgerte: "Dieser Investor wird sich wohl verabschieden.

Die Stadt hatte das Gutachten vor einer Woche vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) erhalten. Die Politik nahm das Ergebnis gestern Abend zur Kenntnis, ohne zu diskutieren, forderte aber das Gutachten an. Dass die Bodenfunde von Wert sind, konnte bereits nach dem Vortrag des an den Grabungen beteiligten Archäologen Patrick Jülich im Pfarrsaal von St. Mauritius Ende Februar vermutet werden. Unsere Redaktion bat ihn schon nach seinem Vortrag im Februar um Stellungnahme. Öffentlich bewerten wollte Jülich seinen Fund aber nicht.

Die Geschichte von Haus Meer ist 850 Jahre alt, erst war es Kloster, später diente es als Schloss für die Krefelder Familie von der Leyen. Seit Jahren wird über die künftige Nutzung des Geländes gestritten. Eine taiwanesische Investorengruppe bekundete 2011 erstes Interesse, auf dem Areal, das sich im Besitz des Kölner Unternehmers Roland Agne befindet, ein Hotel mit 80 Betten zu realisieren. Knackpunkt: Das Bauwerk sollte über die Grenzen des eigentlichen Schlosses hinaus errichtet werden. Grabungen waren nötig, um zu dokumentieren, ob durch die Hotelbebauung Bodenschätze überbaut werden. Da dort jetzt hochwertige Funde gemacht wurden, kann das Hotel nicht in nördliche Richtung des alten Schlosses expandieren. Laut Investorengruppe ist damit ein Hotelbau nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Die Politik dachte gestern in ersten kurzen Stellungnahmen darüber nach, zu alten Planungen zurückzukehren. "Eine Parkanlage nach Weyhe könnte dort entstehen", sagte Claus Fischer (CDU). Nach dem Vorbild der Bürgerwäldchen sollte die Stadt Baumspenden sammeln. Just Gérard brachte den Gedanken einer öffentlichen Stiftung dafür ins Spiel. Auch die Überlegung, dort das Stadtarchiv anzusiedeln, kam wieder auf.

Interessant ist auch der Kommunikationsweg bei der Frage des Bodenwertes: Der Eigentümer Agne beauftragte als Auflage des LVR das Unternehmen Archäologie.de, musste dafür selbst die Kosten tragen. Die Archäologen informierten nach dem Ende der Arbeiten den LVR, der wiederum die Stadt informierte. Erst der städtische Beigeordnete Just Gérard informierte den Eigentümer. "Dass der LVR den Auftraggeber nicht informiert, war ungewöhnlich", räumte der Beigeordnete ein, der sein Befremden über diesen Kommunikationsweg damit zum Ausdruck brachte.

Quelle: RP
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