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Meerbusch
Heimat auf Zeit am Eisenbrand gefunden

Meerbusch: Heimat auf Zeit am Eisenbrand gefunden
50 Flüchtlinge leben in jedem der Häuser; vier davon wurden gegenüber des Sportparks am Eisenbrand aufgebaut. FOTO: anke Kronemeyer
Meerbusch. 114 Flüchtlinge leben in den Mobilheimen an der Hülsenbuschstraße. Pro Woche kommen zehn neue hinzu. Insgesamt hätten dort knapp 200 Männer, Frauen und Kinder Platz. In der Anlage ist rund um die Uhr ein Ansprechpartner. Von Anke Kronemeyer

Sie kommen aus Aserbaidschan, Guinea, Ghana, Nigeria oder Eritrea, aus Somalia, Mali, Montenegro oder Bangladesch. Sie sind aus ihren Heimatländern geflohen, meistens haben Schlepper sie rausgebracht. Sie sind in Deutschland angekommen, auf Landesunterkünfte in Bochum, Bocholt oder Dorsten verteilt worden. Von dort aus ging es weiter, oft nach Monaten.

So sehen die Küchen in den Unterkünften aus. FOTO: anke kronemeyer

114 von ihnen haben im Moment eine Heimat auf Zeit in Büderich gefunden. Viele von ihnen werden vermutlich nicht lange in Meerbusch bleiben, ihre Bleibeperspektive ist nicht gut. Ghana gilt zum Beispiel als sicheres Herkunftsland. Flüchtlinge von dort werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder ausgewiesen. Wer aus Afghanistan geflohen ist, wird zurzeit nicht zurückgeschickt.

Fest steht nur, dass die Stadt Meerbusch verpflichtet ist, in jeder Woche zehn Flüchtlinge aufzunehmen, Unterkünfte für sie vorzuhalten. Die Mobilheime am Eisenbrand sind genau dafür gebaut worden und sollen eine einigermaßen adäquate Unterkunft vorhalten. Familien oder alleinerziehende Mütter und ihre Kinder können eine 50 Quadratmeter große Wohnung beziehen, die jungen alleinstehenden Männer teilen sich Räume.

Solomon stammt eigentlich aus Nigeria, er lebt seit einigen Tagen in Büderich, ebenso wie die anderen alleinstehenden jungen Männer. FOTO: anke kronemeyer

Eine Firma ist dafür zuständig, dass rund um die Uhr ein Hauswart ansprechbar ist. Heute ist das Michal Spathas, ein freundlicher Grieche, der auf jeden der Bewohner mit einem Lächeln zugeht und versucht, ihre Fragen zu beantworten. Umgangssprache ist Englisch. Einige der Bewohner leben schon länger in Büderich, kennen sich bereits gut aus, wissen, wie weit es zum nächsten Supermarkt ist. "Sie haben alle eigene Küchen in ihren Wohnungen und kaufen auch selber ein", erklärt Peter Annacker, Fachbereichsleiter für Soziale Hilfen. Natürlich habe man überlegt, ein Catering-Unternehmen zu beauftragen. Das sei bei den zahlreichen Nationalitäten und Religionen aber viel zu schwierig. So gehen die Flüchtlinge selbst einkaufen, versorgen sich eigenständig, kochen für ihre Familien und Freunde. Bargeld bekommen sie auf Basis des Asylbewerberleistungsgesetzes.

Die Diakonie ist ebenfalls mit zwei Mitarbeiterinnen vor Ort, die den Flüchtlingen bei Behördengängen oder alltäglichen Problemen helfen. Deutsch lernen können sie in den Integrationskursen. An den Häusern stehen viele Fahrräder, auch für die Kleinsten. "Sie sind viel unterwegs, gucken sich die Gegend an, fahren an den Rhein", so Peter Annacker. Die Unterkünfte am Eisenbrand sind nach wie vor nicht die einzigen Möglichkeiten, Flüchtlinge in Meerbusch unterzubringen. Es gibt welche am Heidbergdamm (113 Plätze belegt, sieben frei), an der Bösinghovener Straße (16/12), an der Cranachstraße (88/2), an der Fröbelstraße (115/37), am Neusser Feldweg (18/22), an der Paul-Jülke-Straße (25/31), an der Uerdinger Straße (9/9) und an der Strümper Straße (32 Plätze komplett belegt). Insgesamt leben also zurzeit 490 Flüchtlinge in Meerbusch, für 232 wäre noch Platz in den unterschiedlichen Häusern. Hinzu kommen 45 Männer und Frauen, die in Privatwohnungen leben. Ende August sollen die Unterkünfte am Eisenbrand mit knapp 200 Flüchtlingen komplett belegt sein, danach wären in den anderen Quartieren immer noch mehr als 30 Plätze frei. Vor allem die extra umgebaute Barbara-Gerretz-Schule bietet noch Quartiere. Außerdem werden die beiden Neubauten an der Moerser Straße und an der Rottstraße bald fertig.

Fast eine normale Wohnungssituation mit Rädern und Stiefeln. FOTO: anke kronemeyer
Quelle: RP
 
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