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Meerbusch
Heimat in Zeiten von Facebook

Meerbusch: Heimat in Zeiten von Facebook
Die Büdericher Kirche St. Mauritius um 1937. FOTO: Stadtarchiv Meerbusch
Meerbusch. In den diversen Meerbusch-Gruppen des Internetportals Facebook lässt sich derzeit ein spannendes Phänomen beobachten. Jeden Tag posten die Meerbuscher dort Bilder aus früheren Zeiten - aus Lank, aus Strümp, aus Osterath oder, wie hier im Bild, von der Büdericher Kirche St. Mauritius um 1937. Nostalgie in Schwarz-Weiß.

Es hagelt "Gefällt mir". Je nach Blickwinkel setzen die Motive unterschiedliche Emotionen frei: Die Älteren freuen sich über Erinnerungen, die Jüngeren staunen über Vergangenes. Verblüffend ist die Wirkung: Alle Nutzer dieses Mediums Facebook, das doch eigentlich als Hassverbreitungsplattform verschrien ist, setzen sich mit Heimat auseinander, entwickeln eine Bindung zu Meerbusch. Ältere und junge Menschen tauschen sich hier aus, definieren im stillen Einverständnis gemeinsam ihren Heimatbegriff.

Woher kommt die Freude an Heimatbildern? Seit einigen Jahren schon beobachten Wissenschaftler eine Glokalisierung - der Soziologe beschreibt mit diesem Wort das Phänomen, dass bei einer immer enger verzahnten und globaleren Welt der Mensch den Rückzug ins Lokale unternimmt, in die kleinste mögliche Einheit: das Dorf, die Familie. Wir als Ihre Lokalredaktion berichten täglich aus dieser Heimat. In einer Serie wollen wir in den nächsten drei Wochen auf der Suche nach Meerbuscher Heimatgeschichten gehen - nicht tümelnd, sondern mit einem wachen Blick für die kleinen Schätze. Wir wollen dieses Meerbusch, das in Wahrheit noch eine Ansammlung von liebenswerten kleinen Dörfern ist, in seiner Vielfalt betrachten. Wir werden zeigen, wie man in Meerbusch genießen kann, wie man hier eine im wahren Wortsinne schöne Frei-Zeit verbringt und was vielleicht selbst der eine oder andere "lebenslange" Meerbusche noch Neues entdecken kann. Manches Bekannte wollen wir in neuem Licht präsentieren, aber auch kleine Geheimtipps zeigen und immer die Geschichte hinter den Personen oder Bauwerken beleuchten. Und weil Heimat nicht an der Stadtgrenze aufhört, weil der Meerbuscher weltoffen ist (also auch nach Düsseldorf und Neuss fährt), ist auch das für uns Heimat.

Heute startet die Serie mit zwei Franzosen - Olivier und Christine Macé sorgen für Genuss im Büdericher Haus Meer (S. D 2). Aus diesem Grund ein Gedanke noch zur heimatlichen Esskultur: Die Flüchtlingskrise, die viele Syrer, Iraner und Afrikaner in die neue Heimat Meerbusch bringt, birgt bei allen Problemen die Chance, dass unsere Stadt auch kulinarisch bereichert wird. Was wäre Meerbusch ohne seine Pizzerien, Dönerbuden und griechischen Lokale? Deren Inhaber sind übrigens alle mal als Fremde zu uns gekommen. Sebastian Peters

Quelle: RP
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